Theater

Sandra Hüller: Beste Mimin mit einer Männerrolle

Sandra Hüller wurde von „Theater heute“ erneut zur Schauspielerin des Jahres ernannt. Ärgernis des Jahres war die Erfahrung mit Corona.

Sandra Hüller wurde bereits 2010, 2013 und 2019 zur Bühnenschauspielerin des Jahres ernannt.

Sandra Hüller wurde bereits 2010, 2013 und 2019 zur Bühnenschauspielerin des Jahres ernannt.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Sandra Hüller ist die Schauspielerin des Jahres. Schon wieder. Schon drei Mal hat die 41-Jährige diese Auszeichnung erhalten, das letzte Mal erst im Vorjahr. Jetzt wurde sie vom Fachmagazin „Theater heute“ gleich noch einmal dazu gekürt. Die Kritiker lobten diesmal vor allem ihre Darstellung als Shakespeares „Hamlet“ im Schauspielhaus Bochum.

Die gebürtige Suhlerin wird auf der Bühne wie im Kino gefeiert, dort etwa in „Toni Erdmann“ oder gerade in „Exil“. In Berlin, wo Sandra Hüller lange gelebt und auch ihre Schauspielausbildung an der Ernst-Busch-Schule absolviert hat, sollte sie ebenfalls als Hamlet auf der Bühne stehen. Im Mai, beim Theatertreffen. Das Festival konnte dieses Jahr aber wegen des Corona-Lockdowns nur virtuell stattfinden. Glücklicherweise hatte das Schauspielhaus nur wenige Tage vor dem Lockdown eine Aufführung noch aufgezeichnet. So war sie doch präsent.

Auch das Haus des Jahres ist dasselbe wie im Vorjahr. In der alljährlichen Umfrage unter 44 Kritikern von „Theater heute“ schnitten erneut die Münchner Kammerspiele am besten ab. Ein schönes Abschiedsgeschenk für Matthias Lilienthal, der seine Intendanz dort nach fünf Jahren beendet hat und zurück nach Berlin ging. Der „anfangs noch holprige Versuch, ein Stadttheater mit einem internationalen Produktionshaus zu kreuzen“, urteilte „Theater heute“, habe „immer reichere Früchte getragen.“

Fabian Hinrichs wurde Schauspieler des Jahres

Schauspieler des Jahres wurde der in Potsdam lebende Fabian Hinrichs, vielen bekannt als Kommissar aus dem Franken-„Tatort“. Ausgezeichnet wurde der 46-Jährige für das Stück „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“, das er mit René Pollesch an dem für beide völlig fremden Friedrichstadt-Palast inszeniert hat und in dem er im Goldanzug einfach alles gab. Auch wenn er nach einem Sturz bei der Generalprobe unter starken Schmerzen litt und humpelte. Aber das machte seine Performance nur noch bewundernswerter.

Die Inszenierung des Jahres stammt nach Meinung der Kritiker von Choreographin Florentina Holzinger. Ihr Stück „Tanz“ am Münchner Volkstheater war ebenfalls zum Theatertreffen eingeladen. Zum Stück des Jahres wurde Ewald Palmetshofers „Die Verlorenen“ am Münchner Residenztheater gewählt.

Jedes Jahr stellt das Magazin „Theater heute“ seine Bestenliste zusammen. Immer wieder wird dabei moniert, dass die Kritiker nicht über eine Vorauswahl abstimmen, sondern jeder seine eigenen Favoriten nennen kann.

Verminderte Auswahl wegen Corona

Die Stimmen verteilen sich deshalb auf viele Inszenierungen und Häuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, und es gilt ein einfaches Mehrheitsverhältnis. So gewinnen halt meist die Produktionen, die die meisten gesehen haben. In diesem Jahr war die Auswahl allerdings stark eingeschränkt, weil die Spielzeit wegen des corona-bedingten Lockdowns drastisch verkürzt wurde.

Die Pandemie, die geschlossenen Theater und der eher traurige Umgang der Politik mit der Kultur war denn auch die „ärgerlichste Erfahrung des Jahres“. Hierin dürfte unter den Kritikern wohl die größte Einigkeit bestanden haben.