Kulturangebote

Welche Kulturangebote die Berliner 2019 nutzten

Ein Forschungsprojekt untersucht die kulturelle Teilhabe der Berliner Bevölkerung. Geantwortet haben zufällig ausgewählte Bürger.

Berlin. Es ist eine Frage, die sich in Berlin nicht nur im Zusammenhang mit den zuletzt heiß diskutierten Staatlichen Museen stellt: Wer nutzt eigentlich welches kulturelle Angebot der Stadt – und welche Gründe gibt es dafür, wenn das Angebot nicht wahrgenommen wird? Am Montag wurden nun im Beisein von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) die ersten Zwischenergebnisse einer umfangreichen, von der Senatskulturverwaltung in Auftrag gegebenen Erhebung des neu gegründeten Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTF) bekanntgegeben.

Für sie wurden 13.005 Berliner Adressaten zufällig ausgewählt und angeschrieben – ergänzt um einen Brief des Senators und mehrsprachige Übersetzungen. Der Rücklauf fiel mit 3402 Antworten höher als erwartet aus – sie bilden einen repräsentativen Querschnitt der Berliner Gesamtbevölkerung ab. Die Befragung fand in der Zeit zwischen Juni und Oktober 2019 statt.

94 Prozent der Befragten sind „eher zufrieden“ oder „sehr zufrieden“

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz der Berliner gegenüber dem Angebot in der Stadt. 94 Prozent der Befragten zeigten sich „eher zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ – was angesichts des kulturellen Vielfalt in der Hauptstadt, zumindest in der Zeit vor der Corona-Pandemie, auch nicht weiter überraschen kann. Interessant scheint hier schon eher, dass die Zufriedenheitswerte sinken, sobald nach dem direkten Wohnumfeld gefragt wird, dann nämlich liegen sie nur noch bei 60 Prozent. In einer ersten Stellungnahme folgerte die Senatskulturverwaltung, dies biete „Hinweise auf die Bedeutung dezentraler Kulturpolitik und unterstützt die Ansätze des aktuellen Senats, der sich für die 18. Legislatur die Stärkung bezirklicher Kulturangebote vorgenommen hat.“

Welche kulturellen Angebote, bezogen auf die Zeit der letzten zwölf Monate, besonders stark in Anspruch genommen wurden, weist die Studie im Hinblick auf die jeweiligen Einrichtungen aus. So haben mehr als 80 Prozent der Befragten innerhalb der letzten zwölf Monate einmal ein Kino besucht. Immerhin mehr als 60 Prozent waren zu Gast in Zoo oder Tierpark, was ebenfalls als kulturelles Angebot erfasst wird.

Pop-, Rock- und Schlagerkonzerte schlagen Musiktheater und Literatur

Pop-, Rock- und Schlagerkonzerte kommen immerhin noch auf eine Frequentierung von mehr als 50 Prozent – während sich am unteren Ende der Liste das Musiktheater, Literaturveranstaltungen und experimentelle Musikereignisse finden – in allen drei Bereichen geben 70 Prozent und mehr der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten keines der Angebote wahrgenommen zu haben.

Worin liegen aber die Gründe für die Nichtnutzung? An der Spitze der hier versammelten Antworten stehen mit jeweils mehr als 60 Prozent finanzielle Argumente – also eigene Knappheit oder zu teure Eintrittskartenpreise. Die mit 55 Prozent Zustimmung an dritter Stelle rangierende Antwort, es gebe nicht genug interessante Angebote, steht im Spannungsverhältnis zur allgemeinen Zufriedenheit. Die Senatskulturverwaltung wolle sich weiterhin für den Abbau sozialer Barrieren – etwa mit Hilfe eintrittsfreier Sonntage – einsetzen, teilte sie am Montag mit. Weitere Details der Erhebung, auch mit Angaben zu den einzelnen Bezirken, sollen im Herbst vorgestellt werden.