Konzert

Klagendes Spiel der Geschwister Mendelssohn

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Lena Baumann
Yamen Saadi (Violine), Assif Binness (Violoncello), Katrin Spiegel (Viola) und Jamila Asgarzade (Violine, v.l.) am Montagabend im Konzerthaus.

Yamen Saadi (Violine), Assif Binness (Violoncello), Katrin Spiegel (Viola) und Jamila Asgarzade (Violine, v.l.) am Montagabend im Konzerthaus.

Foto: Kai Bienert | MUTESOUVENIR

Am dritten Abend der Young Euro Classics spielen Studenten der Barenboim-Said Akademie Streichquartette der Geschwister Mendelssohn.

Der Abend hat etwas Exklusives: In Saal des Konzerthauses, der eine Bestuhlung für 1580 Personen anbietet, sind gerade einmal 350 Plätze besetzt. Zum ersten Mal fehlt der hüstelnde Sitznachbar.

Das dritte Konzert der Young Euro Classics am Montagabend steht in diesem Jahr unter dem Titel: „Jungstars – Auf Flügeln der Zeit“. Im Pandemiejahr hat sich das Festival für junge Musiker und Musikerinnen aus der gesamten Welt auf Künstler der Berliner Akademien konzentriert und bietet Kammermusik an statt Symphonien.

Auf der Bühne stehen an diesem Abend die Streicher Yamen Saadi und Jamila Asgarzade mit der Violine, Katrin Spiegel mit der Viola und Assif Binness mit dem Violoncello. Drei stammen aus Israel, Jamila Asgarzade aus Aserbaidschan.

Wenn die Geschwister Mendelssohn Mozart einrahmen

Sie studieren an der Barenboim-Said Akademie, die sich besonders für die Förderung von Talenten aus Nahost und Nordafrika einsetzt. Die Veranstalter haben sich für ein „Berlin-Programm“ entschieden, gemäß dem diesjährigen Motto, europäische Musikmetropolen aufleben zu lassen.

Und so rahmen zwei Streichquartette des Berliner Geschwisterpaars Mendelssohn ein Mozart-Duo ein, das als fröhlicher Platzhalter zwischen den sehnsüchtig-klagenden mendelssohnschen Stücken steht.

Den Anfang macht ein Streichquartett in Es-Dur von Fanny Hensel, der talentierten und bedauerlicherweise wenig geförderten Schwester Mendelssohns. Das zu ihren Lebzeiten ungedruckte Stück ist weitestgehend unbekannt, gilt aber als ihr facettenreichstes Werk. Großartig meistern die Musiker und Musikerinnen das finale Allegro molto vivace, einem melodischen und dennoch dissonanten Gefühlsrausch, der mit emporgestreckten Bögen endet.

Fanny Hensel starb früh mit 42 Jahren

Zeitlebens kritisierte ihr Bruder den klagenden und widerspenstigen Beethoven-Einschlag der Partitur, doch nach Fannys überraschendem Tod in Alter von 42 Jahren veranlasst er mit seinem Quartett in f-Moll op. 80 die Streicher zu ähnlicher gefühlvoller Intensität.

Aus den harmonischen Melodien klingt eine tiefe Traurigkeit, die bei Hessel nur unterschwellig zu hören war. Als ungewürdigte Künstlerin in der Rolle der Hausfrau hatte sie wohl auch mit weitaus mehr inneren Widersprüchen und Aufbegehren zu kämpfen.

Die Stücke kontrastieren ganz hörbar mit der Leichtigkeit von Mozarts Duo für Violine und Viola in G-Dur. Für ihr einfühlsames Spiel ernten die jungen Musiker und Musikerinnen starken und verdienten Applaus, der nur noch anschwillt, als sie ihn lächelnd mit einem Nicken bestätigen.