Corona-Hilfe

„Niemand kommt“-Festival: Tue nichts – und dennoch Gutes

Viele Stars machen mit, und doch kommt keiner: Ein Nicht-Festival sammelt in Berlin Gelder für freischaffende Künstler in Not.

Er ist einer von vielen Prominenten, die mitmachen bei dieser einmaligen Aktion:  der Schauspieler Axel Prahl.

Er ist einer von vielen Prominenten, die mitmachen bei dieser einmaligen Aktion: der Schauspieler Axel Prahl.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Was für klingende Namen. Die Schauspieler Eva Mattes, Axel Prahl und Sebastian Koch, die Sängerin Peaches, der Geiger Daniel Hope, die Entertainerin Gayle Tufts, die Tanzcompagnie Sasha Waltz und die gesamte Freie Szene Berlins: Sie alle machen mit bei einem einmaligen Festival in der Stadt am 31. Juli. Und doch wird nichts passieren. Denn „Niemand kommt, alle sind dabei“ ist ein Nicht-Festival, das wirklich durch Abwesenheit glänzt.

Auf diese Weise soll auf die prekäre Situation vieler Künstler aufmerksam gemacht werden, die momentan nur allzu gern kommen und etwas darbieten würden, dies aber wegen der corona-bedingten Auflagen nicht tun können. „Niemand kommt“ ist ein Akt der Solidarität, und die Veranstalter rufen alle auf: „Seid (nicht) dabei!“

Die Hilfspakete reichen bei weitem nicht aus

Die Idee und die damit verbundene Hoffnung: Kulturinteressierte, die dieser Tage gern in ein Theater, auf ein Konzert oder Festival gehen würden, sollen ein Ticket für nichts kaufen. Wobei dieses Nichts doch einen immensen Wert darstellt, weil das Geld an freiberufliche Künstler gehen soll, die am meisten unter der Corona-Krise zu leiden haben.

Mitte März fiel überall im Lande der Vorhang. Und ging bis heute nicht mehr hoch. Ab August, wenn erste Öffnungen wieder möglich sind, befinden sich die meisten Häuser in der Spielpause. Und Sommerfestivals entfallen nach wie vor. Während staatlich subventionierte Häuser halbwegs über die Runden kommen, trifft das vor allem freie Bühnen - und erst recht freischaffende Künstler, die in wirkliche Existenznöte geraten.

Das Klischee von der brotlosen Kunst macht in Corona-Tagen schrecklich neuen Sinn. Zwar haben die Bundesregierung und der Berliner Senat verschiedene Hilfspakete verabschiedet, doch die, so kritisieren die Festival-Macher, reichen bei weitem nicht aus. Künstler etwa, die sich noch im Probenprozess befanden, haben kein Recht auf Honorarausfallvergütung.

Und Gäste an Theatern können keine Soforthilfe für Soloselbstständige beantragen, da sie ja einen Vertrag haben, der nur nicht eingelöst wird. Viele fallen ohnehin komplett durch das Raster für das Soforthilfe-II- Programm, weil deren strikte Auflagen die Situation freier Kulturschaffenden überhaupt nicht einbezieht.

Um eine Woche verschoben: wegen der Nachfrage

Hier will nun das Festival ansetzen. Quasi nach dem Motto Tue nichts und dennoch Gutes. Verkündet werden „Highlights im Line-up“ mit Beiträgen, die „ohne titel“ oder „Queens and Kings unvisibel“ heißen. Einige Künstler haben aber doch etwas getan und für die Homepage Videobeiträge beigesteuert. Die Veranstalter hoffen, dass möglichst viele Berliner sich ein Ticket kaufen. Der Normalpreis beträgt 22 Euro, es gibt aber auch welche für 44 oder 95 Euro. Das angestrebte Ziel ist, jeder ausgelosten Person, die man unterstützen will, bis Ende August 1000 Euro geben zu können.

Bei dem ersten Nicht-Festival im Mai in Hamburg kamen 400.000 Euro zusammen. Ähnliches erhofft man sich nun auch hier. Und die Chancen stehen gut. Eigentlich sollte das Festival schon am 24. Juni nicht stattfinden. Dann wurde der Non-Event auf den 31. Juli verlegt. Wegen der „riesigen Nachfrage“.

Infos und Tickets unter https://niemandkommt.de.