Pressekonferenz

Barrie Kosky präsentiert Programm der Komischen Oper

Intendant Barrie Kosky stellt seinen Ersatzspielplan für die Komische Oper vor. Bis Jahresende sind fünf Premieren geplant.

Intendant Barrie Kosky in der Komischen Oper.

Intendant Barrie Kosky in der Komischen Oper.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin. Barrie Kosky ist – typisch Regisseur – berühmt für seine wortreiche Zuversicht bei Pressekonferenzen. In der Komischen Oper präsentierte der Intendant am Donnerstag seine Vorhaben für die Wiedereröffnung des Hauses. Andere nennen es verhalten einen Ersatzspielplan unter Corona-Vorgaben. Aber Kosky erklärte gleich, dass in seinem Haus zwei Wörter verboten sind: klein und reduziert. „Ich mache nichts Kleines auf der Bühne“, sagte er selbstbewusst. Der Intendant behauptete sogar, in den letzten Wochen richtig Spaß gehabt zu haben. Quasi am künstlerischen Krisenmanagement. „Schock und Schmerz“ nach der Schließung im März seien vorbei, jetzt wäre Pragmatismus angesagt. „Nur jammern hilft niemandem.“

Die drei Opernhäuser in Berlin haben unterschiedliche Strategien, wenn es um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs geht. Die beiden großen Häuser fahren auf Sicht und wollen ihre Angebote quasi monatlich anpassen. Die beiden großen Opernapparate können dann auf Zuruf wieder angeworfen werden. Kosky hat bis Ende Dezember alles durchgeplant, die Komische Oper hat auch einen kleineren, flexibleren Apparat zur Verfügung. Es sei die „Sternstunde des Ensembletheaters“, sagte Kosky. Während anderswo die Sänger ein- und ausgeflogen werden, kann er auf seine 24 Sängerinnen und Sänger zurückgreifen. Sie sind jederzeit vor Ort verfügbar und können schnell auf tägliche Veränderungen reagieren.

Die Vorgaben, wie weit Orchestermusiker im Graben voneinander entfernt sitzen und Sänger auf der Bühne auseinanderstehen müssen, sind derzeit streng. Kosky meinte, das Repertoire sei deshalb nicht einfach adaptierbar. Das würde praktisch neben der bisherigen Regie eine Corona-Regie erfordern, in der plötzlich alle weiter auseinanderrücken. „Nicht jede Oper kann mit Abstand inszeniert werden“, sagte Kosky: „Wir können kein Repertoire spielen.“ Die ursprünglich angekündigten aufwendigen Neuproduktionen von „Katja Kabanowa“ „Tom Sawyer“ und „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ sind jetzt in die Folgespielzeiten verschoben. Das Haus kündigt dafür bis Dezember fünf Premieren an, drei davon sind neu ins Programm gekommen.

Weil die Met absagte, kann Kosky in Berlin inszenieren

Der Regisseur wird bei der Pressekonferenz gleich zweimal erzählen, dass ihm eine Inszenierung an der New Yorker Met abgesagt wurde, weswegen er jetzt an seiner Komischen Oper gleich drei Stücke neu machen wird. Da Kosky ein großartiger Regisseur ist und eine treue Fangemeinde hat, werden das wohl Berliner Kulturhighlights des Herbstes sein. Dazu gehört die Jacques-Offenbach-Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ , die am 31. Oktober Premiere haben wird. Die Kostüme werden spektakulär, versprach Kosky. Aus Sicherheitsgründen sollen zwei getrennte Sängerbesetzungen vorbereitet werden. Wer dirigieren wird, steht offenbar noch nicht fest. Am 14. November folgt das Chorprojekt „Mondnacht“ mit Liedern von Robert Schumann, die Chordirektor David Cavelius eigens hierfür arrangiert hat.

Die großen Chöre sind in Corona-Zeiten wegen der Aerosole ein heikles Thema. Die beiden großen Häuser haben ihre Chöre erst einmal weitgehend ausgeplant. Kosky meinte, die Komische Oper hätte doch keinen Chor, sondern Chorsolisten. Also könnten sie doch auftreten. So viel zum Thema Zuversicht.

Als dritte Kosky-Premiere ist Glucks musikdramatisches Meisterwerk „Iphigenie auf Tauris“ für den 5. Dezember angekündigt. Die Rede ist von einer streng minimalistischen Regiekonzeption. Der Dirigent steht ebenfalls noch nicht fest. Wie kompliziert die Corona-Tauglichkeit von Opern ist, lässt sich an der Wiederaufnahme einer anderen, international erfolgreichen Kosky-Produktion nachvollziehen. Mozarts „Zauberflöte“ wird für den 10. Oktober angekündigt und heißt dann „Die (verzauberte) Zauberflöte“. Die Sänger bestreiten ihre Partien von den Seitenlogen aus, auf der Bühne agieren stattdessen Tänzer. Und Kosky betonte, dass darunter Ehepaare wären und die Tänzer außerdem einen besonderen Mundschutz bekämen.

Zwei der Neuproduktionen aus der ursprünglichen Herbst-Planung sind mit den aktuellen Sicherheits- und Hygienevorgaben vereinbar. Die One-Woman-Inszenierung „Pierrot Lunaire“ mit Dagmar Manzel eröffnet am 30. September die Saison. Ursprünglich sollte das Publikum auf der Bühne sitzen, jetzt wird es traditionell im Zuschauerraum platziert. Darüber hinaus ist die konzertante Operetten-Produktion „Die Blume von Hawaii“ angekündigt. Insgesamt sind fast 80 Aufführungen bis Ende Dezember geplant, Sinfoniekonzerte des Orchesters wird es hingegen keine geben.

Für 2020 wird ein Defizit von sechs Millionen Euro erwartet

Für den Zuschauerraum sind nach bisherigen Auflagen 344 Besucher zugelassen. Dass damit weniger Karten verkauft werden, hat natürlich Auswirkungen auf die Einnahmesituation. Susanne Moser, geschäftsführende Direktorin und designierte Intendantin, berichtete von 4,5 bis fünf Millionen Euro Einnahmeverlusten. Dazu kämen Verluste durch Mietausfälle und abgesagte Gastspiele. Sie erwartet für 2020 ein Defizit von sechs Millionen Euro. An diesem Donnerstag hörte man allerdings keine Appelle an die Politik, mehr Geld bereitzustellen. Im Gegenteil. „Wenn wir unsere Subventionen behalten, sind wir glücklich“, sagte Kosky. Mehr zu fordern, das wäre amoralisch. Ein Blick in andere Länder zeige, wie geschützt die Kultur hier sei. „Kein anderes Land der Welt hat ein solches Rettungspaket gemacht wie Deutschland.“ Das vorgestellte Programm ist auch ein Sparprogramm, bei dem 380 der 420 Mitarbeiter anteilig in Kurzarbeit bleiben.