Interview

Max Simonischek: „Ich versuche, die Zeit zu genießen“

Im Interview spricht Schauspieler Max Simonischek über seine Rolle als Münchner Kommissar Laim, über das Vatersein und soziale Medien.

Die Pause wegen Corona bringt für Max Simonischek Entschleunigung in den Alltag.

Die Pause wegen Corona bringt für Max Simonischek Entschleunigung in den Alltag.

Foto: pa/POP-EYE

Um sein Publikum muss sich Max Simonischek aktuell keine Sorgen machen. Der 37-Jährige ist in der neuen Folge seiner Krimi-Reihe „Kommissar Laim“ zu sehen und als Reformator Zwingli in dem gleichnamigen Kinofilm, der jetzt auf DVD erscheint. Aber der Schweizer Schauspieler zerbricht sich durchaus über seine Karriere und die Bedingungen der Branche den Kopf, während der gleichzeitig Beruf und sein Leben als Vater miteinander in Einklang zu bringen versucht.

Herr Simonischek, scharren Sie momentan mit den Hufen, nachdem Sie durch Projektstopps zur Zwangspause verdammt sind?

Max Simonischek: Es schwankt so ein bisschen. Ich übe mich in dem Versuch, die Zeit zu genießen und sie als geschenkte Zeit mit der Familie anzusehen. Ich hatte vorher zum Teil in einer Welt gelebt, wo ein Projekt das andere gejagt hat. Die berühmte Entschleunigung, die ich mir sonst beim Wandern oder in der Natur suche, hat jetzt in unserem Alltag Einzug gehalten. So versuche ich das zu betrachten, aber es gelingt mir nicht immer.

Zu diesen Projekten zählt auch der neue Film über den Münchner Kommissar Laim, den Sie als in Berlin lebender Schweizer spielen. Können Sie sagen, welche örtliche Identität Sie prägt?

Um es zu vereinfachen würde ich mich als Europäer beschreiben. Ich bin da zu Hause, wo ich meine Familie und meine vier Wände habe. Schon als Kind bin ich viel umgezogen und habe deshalb keine Probleme, mich an neue Städte und Umgebungen anzupassen. Für mich ist es letztlich nur ein Pass, den ich habe. Hauptsache, ich komme von A nach B, ohne dass ich Probleme an der Grenze kriege, was allerdings ja momentan nicht gegeben ist.

Die Reihe begann 2011, jetzt folgt erst der dritte Teil. Warum hat das eigentlich so lange gedauert?

Ich habe immer gesagt, der nächste Teil muss besser werden als der letzte. Und dann segnest du nicht ein Buch ab von dem du nur halb überzeugt bist. In meinem damaligen jugendlichen Leichtsinn wollte ich einfach nur einen guten Film machen, und bis alle Ingredienzien vorhanden sind, dauert es ewig. Das spricht leider nicht für unsere Fernsehlandschaft, aber es ist so. Inzwischen haben wir den vierten abgedreht.

Seit zwei Jahren sind Sie Vater einer Tochter. Bringt das nicht auch Veränderungen mit sich?

Da muss man ganz schnell aufpassen, dass man nicht in Klischees landet. In gewisser Weise ist es jedenfalls eine Entlastung, weil sich nicht mehr alles um einen dreht – neben dem ganzen anderen Kram, dass es anstrengend ist und schön ist, und dass es nervt. Eine entscheidende Frage, die sich meine Frau und ich gestellt haben war: Richten wir unser Leben jetzt nach dem Kind aus oder nehmen wir das Kind mit in unser Leben? Wir haben uns für Zweiteres entschieden.

Machen Sie für Ihre Familie Kompromisse?

Ich schaue, dass ich in beruflicher Hinsicht mehr von zu Hause arbeite und Theaterengagements möglichst nur in Berlin annehme. Aber du darfst dich nicht ganz auf das Kind ausrichten. Du hast eine bedingungslose Liebe und deshalb ist dein erster Impuls, zu allem „Ja“ zu sagen. Aber das bekommt dem Kind nicht gut. Du musst da eine Balance finden.

Doch die berufliche Balance zwischen Ihren Ansprüchen und den Realitäten der Branche scheint schwierig...

In erster Linie versuche ich gute Arbeit abzuliefern, aber das Endresultat liegt nur zum Teil in meiner Hand. Ich habe die Initiative ergriffen und entwickle gerade mit Partnern eine Miniserie. Doch im Grunde bin ich angewiesen auf Caster, Produzenten und Regisseure, die mich besetzen wollen. Da kannst du auf Veranstaltungen rennen und dein Instagramprofil putzen und pflegen, aber das hilft nur zum Teil.

Sie sind aber auf Instagram?

Das bin ich, und ich gebe mir viel Mühe, das zu machen, aber es fällt mir nicht so leicht. Denn es widerspricht meinem natürlichen Drang, meine privaten Sachen nicht öffentlich mitzuteilen. Andererseits sehe ich, dass mir Caster und Regisseure da folgen. Deshalb werde ich dann auch zu Vorsprechterminen eingeladen. Deshalb beiße ich in den sauren Apfel und mache da Werbung für mich. Eigentlich möchte ich ja, dass meine Arbeit bewertet wird. Aber das kümmert auf den sozialen Medien natürlich keinen. Wenn ich poste: „Morgen Vorstellung in Frankfurt, ‘Der Bau’ von Franz Kafka“, interessiert das keine Menschenseele. Aber wenn ich poste: „Heute war ich beim Italiener um die Ecke lecker essen“, das finden alle toll. Das ist ja das Absurde.