Konzert

Pianist Igor Levit spielt im Livestream aus Bellevue

Das Hauskonzert wurde über den Instagram-Account des Bundespräsidenten gestreamt.

Der Pianist Igor Levit spielt sein täglich per Twitter live gestreamtes Hauskonzert während der Corona-Krise einmalig im großen Saal von Schloss Bellevue.

Der Pianist Igor Levit spielt sein täglich per Twitter live gestreamtes Hauskonzert während der Corona-Krise einmalig im großen Saal von Schloss Bellevue.

Foto: Jesco Denzel / dpa

Der Gastgeber tritt ins Bild und setzt sich auf den Klavierhocker. „Sie erkennen das mühelos, ich bin nicht Igor Levit“, meint Frank-Walter Steinmeier, „der kommt gleich.“ Der Bundespräsident hat den Berliner Starpianisten eingeladen, im leeren Saal des Schlosses Bellevue zu spielen. Er sei einer der vielen, sagt Steinmeier, der die Hauskonzerte des Pianisten verfolgt. Der twittert seit Wochen allabendlich um 19 Uhr ein Hauskonzert. „Igor Levit ist ein großer Künstler, der uns etwas über die Kraft der Musik vermittelt. Der uns sagt, wie wichtig Kunst ist. Und der auch weiß, dass Musik trösten kann.“

Levit erinnere uns auch daran, dass die Lage vieler Künstler jetzt nicht einfach sei und sie unsere Unterstützung brauchen, sagt der Bundespräsident. Dann verlässt er den Raum, es vergeht ein Augenblick, bevor der Pianist ins Bild kommt. Zuvor versichert Steinmeier noch, dass er das Konzert ebenfalls im Live-Stream verfolgen werde. „Ich wünsche Ihnen eine Entspannung in dieser angestrengten Zeit.“

Hauskonzert wird über Instagram gestreamt

Das gelingt in dieser halben Stunde am Donnerstag. Das Hauskonzert wird über den Instagram-Account des Bundespräsidenten gestreamt, bunte Herzchen flimmern über den Bildschirm und auch ausgelassene Kommentare der Zuschauer. Levit-Fans bemerken sofort, dass dieser Schuhe anhat. Das ist kurz ein Thema. Im eigenen Wohnzimmer spielt der Pianist schon mal mit blauen oder orangefarbenen Socken, in T-Shirt oder Kapuzenpulli. Im Schloss Bellevue erscheint Igor Levit wie zu einem richtigen Konzert. Auf dem Programm steht Beethoven, die „Waldsteinsonate“, die bereits im ersten Hauskonzert erklang, wie Levit sagt. Und bei ihm klingt es, als wenn das sowieso alle wissen.

„Weshalb dieses Stück?“, fragt der 33-Jährige in die Kamera: „Das Stück ist für mich etwas Lebensbejahendes und das Erhabenste, Beglückendste, Inspirierendste, was es an Klaviermusik für mich gibt. Es ist ein Stück, dass Glück schenkt. Es ist ein Stück, dass Inspiration schenkt. Und das umarmt. Dieses Werk ist ein großes Geschenk.“

Der Pianist gibt vorab seinen zigtausenden Zuhörern eine Interpretationshilfe an die Hand. Levit spricht vom Herzschlag des ersten Satzes und der intimen Umarmung des zweiten. Dazu komme die Lebenshymne des dritten Satzes, die Ihresgleichen suche. Dann setzt er sich an den Steinway und wählt einen energischen Einstieg mit flirrenden Höhen. Von „krass“ über „wunderschön“ bis „Danke Igor!“ reichen die Kommentare. Ein Konzertbesucher informiert die digitale Welt darüber, dass er sich nach der Gartenarbeit schnell umgezogen habe. Andere teilen knapp ihren GPS-Standort wie Stuttgart, Malaga, Köln oder Barsinghausen mit. Einer schlägt Levit fürs Bundesverdienstkreuz vor.

Tatsächlich gehört Igor Levit zu den prominentesten Virtuosen in Deutschland, die sich auch zu politischen und gesellschaftlichen Dingen äußern. Und auch gerne befragt werden. Darüber hinaus scheint er einer jener rastlosen Künstler zu sein, die ohne die Bühne nicht leben können. So gab es verschiedene Livestream-Aktivitäten von Levit, der dem „Heidelberger Frühling“ seit Jahren als Künstlerischer Leiter der Kammermusik Akademie und des Festivalschwerpunkts „Standpunkte“ verbunden ist. Gerade haben die Berliner Festspiele ihre Pläne fürs Musikfest Berlin vorgestellt, das Ende August beginnen soll und dem Beethoven-Jubiläum gewidmet ist. Igor Levit wird dabei in acht Konzerten die 32 Klaviersonaten vorstellen.​