Berliner Staatsballett

Sasha Waltz und Johannes Öhman hören früher auf

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Volker Blech
Sasha Waltz und Johannes Öhmann.

Sasha Waltz und Johannes Öhmann.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Die beiden Intendanten des Berliner Staatsballetts, Sasha Waltz und Johannes Öhman, verlassen das Ensemble bereits im Sommer 2020.

Berlin. Das war ein Hin und Her. In der ersten Mitteilung im Januar wollte Johannes Öhman zum Jahresende das Staatsballett für einen neuen Job in seiner Heimatstadt Stockholm verlassen – und seine Ko-Intendantin Sasha Waltz kündigte ebenfalls ihren Rückzug an. Wenige Tage später ruderte die Berliner Choreografin offiziell zurück, um sich von Öhmans Alleingang nicht unter Druck setzen zu lassen. Dann herrschte Funkstille. Die für Mittwoch lange geplante Jahrespressekonferenz des Staatsballetts wurde kurzfristig abgesagt. Am Freitag teilte die Senatskulturverwaltung mit, dass Johannes Öhman und Sasha Waltz ihre Verträge bereits zum 31. Juli 2020 auflösen.

Es lohnt sich, die Begründung für die schnelle Vertragsauflösung genauer anzuschauen. „Im Interesse des Staatsballetts Berlin, und um eine Übergabe der Intendanzgeschäfte mitten in der Spielzeit zu vermeiden“, sei man zu der Übereinkunft gekommen. Die Übergabe ist wohl zweitrangig, denn so schnell wird kaum eine akzeptale Nachfolgelösung gefunden. Aber es ist vernünftig, das Interesse der Tänzer zu wahren. Bis Ende des Jahres hätte es noch viel böses Blut gegeben bei einem Führungsduo, das nicht mehr miteinander kann.

In den letzten Jahren hatte sich das Staatsballett streikfreudig gezeigt und sogar Vorstellungen ausfallen lassen. Der Amtsantritt von Sasha Waltz war von Protesten begleitet, die Choreografin als fachlich nicht ausreichend geschmäht worden. Sasha Waltz steht für modernen Tanz, das Staatsballett für das Klassische. Das Führungsduo Öhman und Waltz wollte das zusammenbringen. Der klanglose Schlusspunkt bestätigt das Scheitern.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) dankt den beiden „für ihre innovative und richtungsweisende Profilbildung“ in Sachen Staatsballett. Aber das sind nur freundliche Abschiedsworte, die das Desaster überdecken. Tänzerkarrieren sind vergleichsweise kurz, die Künstler, die aus verschiedensten Ländern kommen, brauchen vor allem etwas Planungssicherheit. Das Ballettensemble soll jetzt im Prozess der Nachfolgesuche Gehör finden, heißt es in Lederers Mitteilung. Dazu gehört auch die Diskussion über das künftige Profil, ob es beim Mischballett aus Klassik und Moderne bleibt.

Die stellvertretende Intendantin übernimmt interimsweise

Bereits am Montag wird sich der Kulturausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus mit den Perspektiven des Staatsballetts beschäftigen und dazu eine Anhörung durchführen. Dabei werden auch ein Vertreter des Ballettvorstands sowie Claudia Feest vom Dachverband Tanz Deutschland befragt. Es geht darüber hinaus um die Findungskommission zur Neubesetzung der Intendanz.

Interimsweise wird die stellvertretende Intendantin Christiane Theobald, die langjährige „Mutter der Compagnie“, den laufenden Betrieb des Staatsballetts übernehmen. Auch sie wird vom Kulturausschuss befragt. Per Mail wurde am Freitag das Programm für die neue Spielzeit verschickt. Vier Premieren sind angekündigt. Der Norweger Alan Lucien Øyen erarbeitet eine Kreation an der Komischen Oper (4.9.), das klassische Handlungsballett „Dornröschen“ wird in der Choreographie von Marcia Haydée in der Deutschen Oper (15.10.) gezeigt. Für einen neoklassischen zweiteiligen Abend kommen Arbeiten von Wayne McGregor und David Dawson in der Deutschen Oper (3.12.) zur Aufführung. Eine Premiere vom Schweden Mats Ek soll in der Staatsoper Unter den Linden im April 2021 stattfinden. Vermutlich sind die Angaben ohne Gewähr.

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