Konzert im Quasimodo

The Vibrators brachten einst den Punk nach Berlin

The Vibrators sind eine Punk-Legende. Seit den 70er-Jahren haben die Briten nichts von ihrer Energie verloren.

Die Vibrators im Berliner Quasimodo (Archivbild).

Die Vibrators im Berliner Quasimodo (Archivbild).

Foto: picture alliance/POP-EYE

Berlin. Als die Londoner Punkrockband The Vibrators 1976 zum ersten Mal auf die Bühne stieg, lief der Rock ’n’ Roll gerade Gefahr, in Bombast und Selbstgefälligkeit zu verkommen. Punkrocker wie The Clash, The Sex Pistols oder eben The Vibrators zettelten damals eine der letzten Revolutionen der Rockgeschichte an. Die Vibrators gelten als eine der allerersten britischen Punkbands – und sie stehen bis heute unermüdlich im Rampenlicht.

Wie nun am Dienstagabend im gut gefüllten Quasimodo in Charlottenburg. Ein überwiegend junges Publikum feiert die in die Jahre gekommene Punklegende, deren einziges Originalmitglied Schlagzeuger John „Eddie“ Edwards ist. Frontmann Ian „Knox“ Carnochan ist der Band zwar immer noch verbunden, versagt sich aus gesundheitlichen Gründen aber die ausgiebigen Tourneen, die die Vibrators immer noch umtreiben.

So gehört seit 2003 der finnische Bassist und Sänger Pete Honkamaki (Ex-No Direction) zur Band. Ex-Members-Gitarrist Nigel Bennett komplettiert das Powertrio, das den Abend mit dem riffgetriebenen „London Girls“ vom 1977er-Debütalbum „Pure Mania“ eröffnet. Der Sound ist rau, das Tempo fordernd und es ist vor allem Eddie Edwards, der die Songs hinter seinem Schlagzeug gnadenlos antreibt.

Die Vibrators brachten einst den Punk nach West-Berlin

Die Vibrators waren die Band, die den Punkrock einst nach West-Berlin gebracht hat. Im Februar 1977 war das. Im Kant-Kino. Ihr Auftritt gilt als erstes Punkkonzert in Berlin. Und es war die Geburtsstunde der ersten Berliner Punkband PVC („Wall City Rock“). Heute kommen Konzerte der Vibrators einer Zeitreise gleich. Mit Schlichtheit und Energie beschwören sie eine Ära, in der sich Rebellion und Aufruhr in der Kraft von drei, vier Gitarrenakkorden manifestierten.

Gut zwei Dutzend Studio- und Livealben haben die Vibrators bis heute veröffentlicht. Und ihre kompakten, treibenden Punkperlen punkten noch immer. Vor der Bühne wird munter Pogo getanzt bei Klassikern wie „Automatic Lover“ oder „Whips and Furs“. Und da Gitarrist Nigel Bennett nun zum Vibrator geworden ist, kommt man auch in den Genuss einer rabiaten Version von „Sound of the Suburbs“, dem 1979er-Hit seiner früheren Band The Members.

Bennett muss auch eine kurze Zwangspause mit einem Gitarrenzwischenspiel überbrücken, als dem Bassmann Pete zur Hälfte der Show eine Saite reißt. Nein, hier kommt kein Zweitinstrument zum Einsatz. Die Saite wird neu aufgezogen. Alles in Handarbeit. Und das dauert. Umso intensiver geht es danach in die Zielgerade.

Vibrators trieben den den musikalischen Aufbruch in den Spätsiebzigern voran

Die Vibrators haben den musikalischen Aufbruch in den Spätsiebzigern mit vorangetrieben. Die Band Stiff Little Fingers hat sich nach einem Vibrators-Song benannt. „We need a new solution, we want it quick” singen die Vibrators im Klassiker „Troops of Tomorrow”, einem Stück, das später von The Exploited erfolgreich gecovert wurde.

Mit „Baby Baby“ geht auch eine der wenigen Balladen des Punk auf das Konto der Vibrators. Und bei „Disco in Moscow“ kommt das ganze Quasimodo in Bewegung. Nach einer atemlosen Stunde stürmt das Trio mit „Pure Mania“ ins Finale. Und nach zwei Zugaben entlässt eine erschöpfte Band ein nicht weniger erschöpftes Publikum in die Berliner Nacht.