Philharmonie

Opernkönigin Anna Netrebko in der Philharmonie

Große Opernmomente mit Anna Netrebko in der Berliner Philharmonie.

Partner nicht nur auf der Bühne: Opernsängerin Anna Netrebko und Tenor Yusif Eyvazov.

Partner nicht nur auf der Bühne: Opernsängerin Anna Netrebko und Tenor Yusif Eyvazov.

Foto: Foto: Vyacheslav Prokofyev / picture alliance/dpa

Berlin. Anna Netrebko füllt auch im mittleren Sopranistinnen-Alter, mit knapp 50 Jahren, die Philharmonie mit Leichtigkeit. Einige Lücken bleiben. Die Karten sind vermutlich einfach zu teuer für viele Berliner Fans der weltberühmten russischen Primadonna. Über 300 Euro sollen die Tickets in Block A kosten. Dafür ist das Publikum, das ja entsprechende Summen auch in den höher liegenden Reihen bezahlt, mucksmäuschenstill, wenn Anna Netrebko zu der Arie der Elisabetta aus Giuseppe Verdis „Don Carlo“ anhebt. Es ist die Arie des fünften Aktes, in welcher die spanische Königin dem Diesseits und dem materiellen Gut abschwört.

Zuvor lassen die Berliner Symphoniker unter Leitung von Jader Bignamini das dramatische Vorspiel zu dieser Soloszene mit dunkler Dramatik und unbeirrbarem Schönklang ertönen. Eine Einheit von Instrumentalem und Gesang wird hier geboten statt einer Ouvertüre, die sonst zu solchen Solo-Recitals von Gesangsstars üblich ist, aber meist wie ein Fremdkörper wirkt. Schließlich warten ja alle auf den Auftritt der göttlicher Gesangsstars. An diesem Abend wird dies adäquat, aber eben anders gelöst: Netrebko stürmt zu den Posaunenklängen vor dem Grab des alten Carlos in rosafarbenem Seidenkleid in den Saal und fängt bruchlos mit der Arie an.

Auch die anderen Nummern dieses Abends bilden keinen Gänsemarsch von Arien, sondern sie sind ausgedehnte dramatische Opernszenen von Verdi und Puccini – jedenfalls wenn Netrebko selbst auftritt.

Auftritt mit Ehemann Yusif Eyvazov

Ihrem Ehemann, dem aserbaidschanischen Tenor Yusif Eyvazov, wird schon mal eine kürzere Arie gegönnt. Mittlerweile hat Eyvazov um einiges an tenoralem Format hinzugewonnen und gerät auf Tourneen mit seiner Gattin nicht mehr so leicht in Anhängsel-Verdacht. Seine Eingangsarie aus „La forza del destino“ gestaltet er bis in Kleinigkeiten hinein, setzt nicht sofort nur auf Wirkung und den großen Strahl. So kann er, lyrischer Tenor, der er offenkundig von Haus aus ist, vor sensibel begleitenden Berliner Symphonikern eben diese lyrischen Qualitäten auch ausspielen.

Grandios gelingt im ersten großen stimmlichen Zusammentreffen des Ehepaars Netrebko die finale Sterbeszene aus Verdis „Aida“: „In questa tomba“. Die Stimme der Sängerin ist in den letzten Jahren, jenseits von Schwangerschaft und dem Verlust der bedingungslos jugendlichen Erscheinung, schwerer geworden, die Tragfähigkeit der tiefen Töne macht mittlerweile ebenso staunen wie die Durchschlagskraft der hohen. Den dunklen Beginn „In questa tomba“ kann Netrebko in der Tat mit Grabesstimme gestalten, die das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Während etwa die Arie der Musetta aus Puccinis „La bohème“ von Netrebko hinter dem Orchester absolviert wird und hier etwas wackelt, gelingen Eyvazov und Netrebko mit der Szene Tosca – Cavaradossi treffsicher die ganz großen Opernmomente.