Wettbewerb

“Favolacce“: Amoklauf gegen den Nachwuchs

Im italienischen Wettbewerbsfilm „Favolacce“ mag man kein Kind sein. Die Geschichten erschüttern und wollen absichtsvoll irritieren.

Besticht zum zweiten Mal im Wettbewerb: Elio Germani (vorn).

Besticht zum zweiten Mal im Wettbewerb: Elio Germani (vorn).

Foto: Pepita Produzioni

Null Bock auf Bella Italia! Im Wettbewerbsbeitrag „Favolacce“ ist Kantinenessen angesagt. Eine Mama drückt ihren Kindern 100 Euro in die Hand und schmeißt sie aus dem Haus: „Kauft euch ’ne Pizza und geht ins Kino.“ Vater und Sohn stoßen mit Dosenbier an. Eine Schwangere raucht Kette und an der Schule lernen die Kinder, Bomben zu bauen.

Die Erwachsenen in diesem zweiten Spielfilm von Fabio und Damiano D’Innocenzo sind ein Grauen. Sie fristen ihr Leben in einem Vorort von Rom, dort wo auch die Regie-Brüder aufwuchsen und sich von Kindesbeinen an mit dem Schreiben von Gedichten darauf vorbereiten, eines Tages zurückzuschlagen.

Geschichten, die erschüttern

Das gelingt ihnen mit „Favolacce“ fraglos, auch wenn nicht jeder Treffer sitzt. Im Mittelpunkt steht das Geschwisterpaar Dennis und Alessia (Tommaso Di Cola und Giulietta Rebeggiani). Sie leiden stumm unter der Mutter (der mit den 100 Euro) und noch mehr unter Vater Bruno (Elio Germano, den man im Wettbewerb schon in Volvei nascondermi“ gesehen hat).

Jähzornig schlägt er zu, wenn sein Sohn nach dem Zustand seiner Ehe fragt. Tränen fließen und der Vater brüllt: „Wenn einer hier Grund zu weinen hat, bin ich das!“ Es ist die gerade noch wohlstandsverwöhnte Mittelschicht, die hier aus Selbstgerechtigkeit und panischer Angst vor dem Absinken ihres Lebensstandard Amok läuft.

Diese „Schlechten Geschichten“, so die Übersetzung des Titels, sind in ihrer Drastik oft schwer zu ertragen und irritieren absichtsvoll mit einem steten Schwanken zwischen grotesker Satire und realistischem Drama. Eine etwas strengere Linie hätte hier sicher nicht geschadet. Doch herausragende Darsteller, ein großer Reichtum visueller Varianten und satte Farben beeindrucken so sehr wie die Geschichten erschüttern.

Termine: Haus der Berliner Festspiele, 26. 2., 10 Uhr; Friedrichstadt-Palast, 26. 2., 12.15 Uhr und 28. 2., 21.30 Uhr