„Viel schief gelaufen“

Sanierung der Komischen Oper verzögert sich

Trotz Zeitdrucks kommt die Sanierung der Komischen Oper nicht voran. Nach der ersten könnte auch die zweite Ausschreibung scheitern.

Wer vor dieser Fassade steht, ahnt nicht, dass der Zuschauerraum ein klassisches Schmuckstück ist.

Wer vor dieser Fassade steht, ahnt nicht, dass der Zuschauerraum ein klassisches Schmuckstück ist.

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening / picture alliance / Arco Images

Die Sanierung der Komischen Oper verzögert sich, wird voraussichtlich teurer, möglicherweise werden auch Schadenersatzzahlungen fällig. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer Anhörung im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Seit Jahren ist der Sanierungsbedarf der erfolgreichen Oper bekannt, aber trotz des zunehmenden Zeitdrucks kommt die Sanierung nicht voran.

Nach dem Scheitern einer ersten Ausschreibung droht nun auch der Neuauflage ein juristisches Nachspiel – und damit ein weiterer möglicher Zeitverlust. „Es ist tatsächlich viel schief gelaufen“, sagte der Vorstand der Architektenkammer, Michael Mackenrodt, am Montag im Ausschuss. Der Senat hatte ein geschlossenes Planungsverfahren auf den Weg gebracht. Das heißt, 15 große Planungsbüros wurden aufgefordert, sich um den Auftrag zu bewerben. Ein nicht beteiligtes Büro klagte dagegen und bekam Recht.

Sanierung der Komischen Oper: Es gibt ein zweites Verfahren

Nun hat der Senat ein zweites Verfahren auf den Weg gebracht. Doch auch das könnte nach Auffassung der Architektenkammer scheitern. Diesmal ist das Verfahren zwar offen, aber ein unterlegenes Büro könnte nun eine fehlende Gleichbehandlung geltend machen, da andere Büros, die im ersten Verfahren beteiligt waren, drei Monate lang mehr Zeit hatte, die Pläne auszuarbeiten.

Lesen Sie auch: Komische-Oper-Sanierung: Es braucht einen fachkundigen Rat

Schon jetzt sind nach Angaben der Architektenkammer zehn Millionen Euro Schadenersatz möglich, da 15 Planungsbüros im ersten Durchgang bereits ihre Vorschläge erarbeitet hatten, bevor das Verfahren gestoppt wurde. „Wir erkennen eine gewisse Ausweglosigkeit“, bilanzierte Mackenrodt das Vorgehen knapp.

Komische Oper: Senat will 200 Millionen bereitstellen

Das ist nur ein Punkt, der die Sanierung der Komischen Oper an der Glinkastraße zu einem ähnlichen Fiasko werden lassen könnte, wie die Sanierung der Staatsoper. Denn noch ist überhaupt nicht klar, wie viel Geld für die Instandsetzung der Spielstätte benötigt wird.

Ursprünglich hatte der Senat vorgegeben, nicht mehr als 200 Millionen Euro dafür bereitzustellen. Doch für diese, wie für alle andere Zahlen, gibt es überhaupt keine Grundlage. „Über die Kosten können wir überhaupt keine Aussagen treffen“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Ausschuss. „Es ist noch nicht einmal ein Entwurf vorhanden.“

Nach Lüschers Angaben muss zunächst der Wettbewerb abgewartet werden. Erst danach könne eine Vorplanungsunterlage erstellt werden. Die darin aufgeführten Kosten könnten sich dann aber noch um 30 Prozent verändern. Lüscher verteidigte das Vorgehen. „Es ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe“, sagte Lüscher. Denn auf die Sanierer kommen umfangreiche, zum Teil noch nicht absehbare Herausforderungen zu. So muss nicht nur das Gebäude, das in seiner jetzigen Form in den 1890er-Jahren und dann noch einmal zwischen 1963 und 1966 entstand, saniert, die Technik erneuert und die Statik überprüft werden.

Die Pläne sehen darüber hinaus vor, einen Neubau zu errichten, in dem Proberäume für das Orchester entstehen sollen. Zu befürchten ist zudem, dass hinter den Verkleidungen weitere Schäden lauern, die bislang nicht erkannt werden konnten.

Im Juni 2023 soll Komische Oper für Sanierung geschlossen werden

Dabei drängt die Zeit. Im Juni 2023 soll die Komische Oper für die Sanierung geschlossen werden und in das Schillertheater in Charlottenburg umziehen. „Das bedeutet für einen Opernbetrieb quasi Übermorgen“, sagte die Geschäftsführende Direktorin der Oper, Susanne Moser. Schon jetzt drohen ihren Angaben zufolge ständig neue Probleme. „Alarmierend ist, dass die technischen Havarien von Jahr zu Jahr zunehmen“, sagte Moser. Für bestimmte technische Anlagen gebe es bereits keine Ersatzteile mehr. „Sollte die Drehbühne ausfallen, droht ein massiver finanzieller Schaden“, sagte Moser. Denn die Drehbühne sei für die Hälfte der Produktionen essenziell.

Komische Oper will auf Berlin-Tour gehen

Die Pläne sehen vor, dass die Oper nach der Spielzeit 2022/23 saniert wird. Erst nach der Schließung kann der Umfang der Schäden vollständig erkannt werden. Sanierungsstart soll dann im Jahr 2024 sein.

In der Zwischenzeit will die Komische Oper teilweise im Schillertheater spielen und teilweise auf Berlin-Tour gehen. „Wir haben uns bereits viele mögliche Standorte angesehen“, sagte Operndirektorin Moser. Geplant ist, an verschiedenen Orten in der Stadt aufzutreten und danach jährlich wiederzukehren, um eine neues Publikum für die Oper zu gewinnen. Genaue Informationen über die Spielstätten wollte Moser am Montag noch nicht verraten.

Der Kulturausschuss zeigte sich über die Entwicklung besorgt. „Ich gehe davon aus, dass es zu weiteren Kostensteigerungen kommt“, sagte die kulturpolitische Sprecherin der FDP, Sybille Meister. „Das ist zu befürchten, wenn wir es auch nicht hoffen“, stimmte der Stadtentwicklungsexperte der SPD, Daniel Buchholz, ein. Einig war man sich darin, von den Beteiligten über den weiteren Verlauf der Sanierungspläne informiert zu werden.