Kunst

Claude Monet im Museum Barberini: Geld wie Heu

Das Museum Barberini in Potsdam trumpft mit der größten deutschen Monet-Ausstellung auf.

Unternehmer und Mäzen Hasso Plattner vor Monets „Der Seerosenteich“  von 1918. Die Ausstellung ist bis Juni zu sehen.

Unternehmer und Mäzen Hasso Plattner vor Monets „Der Seerosenteich“ von 1918. Die Ausstellung ist bis Juni zu sehen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Der Unternehmer und Mäzen Hasso Plattner genoss sichtlich das Rätselraten um den Auktionsweltrekord vom vergangenen Mai. Damals wurde ein Bild aus der Serie mit „Getreideschobern“ („Les Meules“) des französischen Impressionisten Claude Monet in New York für umgerechnet fast 100 Millionen Euro von einem unbekannten Bieter ersteigert. Gerüchte kursierten, dass ein deutscher Privatsammler dahinter steckt. Am Donnerstag enthüllte Plattner in seinem Museum Barberini in Potsdam das Rätsel: Seine Stiftung hat das 1891 auf einem Acker nahe Paris entstandene Kunstwerk in seinem Auftrag erworben.

Bad aus glühendem Gold und Orange

Auf dem Gemälde sind drei mit Heu bedeckte Getreideschober dicht hintereinander dargestellt. Die Formationen, die von mühevoller Arbeitsleistung der Landbevölkerung zeugen, sind in ein atmosphärisches Bad aus glühendem Gold und Orange getaucht. Kühle, die vom Feldboden aufsteigt, mischt sich mit Wärme der von links einstrahlenden Sonnenflut. Fast könnte man meinen, das Getreide habe Feuer gefangen. Die Neuerwerbung bildet gemeinsam mit zwei weiteren Motiven aus der Serie den Höhepunkt der Ausstellung „Monet. Orte“ im Museum Barberini.

Mit 110 Gemälden handle es sich um die umfangreichste Schau zu Monet, die bislang in Deutschland zu sehen gewesen sei, sagte die Museumsdirektorin Ortrud Westheider. Außerdem widme sich zum ersten Mal eine Ausstellung den Orten in Monets Werk. Leihgaben kommen unter anderem aus dem Denver Art Museum, dem Pariser Musée d’Orsay und dem Metropolitan Museum of Art in New York. Auf drei Etagen wird ein Bogen von Monets erster Komposition aus dem Jahr 1858 bis zu späten Darstellungen seines Landhauses und Wassergartens in Giverny gespannt.

Abstecher nach London, Venedig und an die Riviera

Monet war ein begeisterter Eisenbahnpassagier. Während seiner Lebenszeit wurde das Schienennetz in Frankreich immer weiter ausgebaut. Abstecher machte der Maler auch nach London, Venedig und an die Riviera. Die Ausstellung rekonstruiert seine Reiserouten. Dass das Museum aus dem Vollen schöpfen konnte, lässt sich daran ablesen, dass einzelnen Sujet ganze Räume gewidmet sind, etwa Darstellungen der Seine bei Eis und Schnee oder Monets Garten mit den weltberühmten Seerosenbildern.

Neben wechselnden Perspektiven interessierten den Künstler atmosphärische Variationen, ganz gleich, ob es sich um natürliche oder menschengemachte Phänomene handelte. So beobachtete der Maler etwa vom eleganten Londoner Savoy Hotel aus giftigen Smog von Gelb über Grün bis Lila.

Ganzkörperliches Eintauchen

Nach landläufiger Vorstellung spricht impressionistische Malerei vor allem den Sehsinn an. Gerade bei Monet lässt sich aber zeigen, dass das ganzkörperliche Eintauchen in die Welt zentral war. 1891 sagte der Künstler: „Für mich existiert eine Landschaft niemals an und für sich, denn ihre Erscheinung verändert sich mit jedem Augenblick, aber sie wird lebendig durch ihre Umgebung, die Luft und das Licht, die sich ständig verändern.“

Die klassische europäische Malerei blickte auf Landschaften wie auf Bilder, die man vor Augen hat. Die Kategorie des Wetters wurde lange Zeit unterschlagen. Licht- und Wetterphänomene schlagen uns mit allen Sinnen in den Bann. Der französische Phänomenologe Maurice Merleau-Ponty hat festgestellt, dass Licht eine fundamentale Erfahrung des in der Weltseins ist, dem Sehsinn vorgeordnet. Wir sehen nicht Licht, sondern wir sehen im Licht. Künstler wie Monet transportieren mit ihren Bildern körperliche Erfahrungen von Licht und Wetter. Deswegen betrachtet man ihre Werke am besten mit dem Körper.

Mit der Monet-Ausstellung knüpft das Barberini an die Impressionismus-Schau im Eröffnungsjahr 2017 an, die 320.000 Besucher nach Potsdam gezogen hatte. Im Herbst plant Plattner, seine mehr als 100 Werke umfassende Sammlung französischer Malerei des späten 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts als Dauerleihgabe ins Museum Barberini zu verlegen und die Kunst der DDR-Zeit in ein DDR-Relikt auszulagern: in die Räume des ehemaligen Terrassenrestaurants Minsk.