Konzert

Sie spenden Wut und Trost: Metal hinter Masken

Kantige Gitarrenriffs: Slipknot begeistern in der Mercedes Benz-Arena.

Corey Taylor, Sänger der US-Band Slipknot, bei einem früheren Auftritt in den USA.

Corey Taylor, Sänger der US-Band Slipknot, bei einem früheren Auftritt in den USA.

Foto: Steve C Mitchell / dpa

Zu Anfang hatte man sie noch als einen Haufen armer Irrer abgetan. Diese gruseligen Masken, mit denen sie sich verkleiden. Dieser aufbegehrend lärmende Sound. Doch Slipknot, die neun anarchischen Musiker aus Des Moines im US-Bundesstaat Iowa, haben es in ihrer nun 20 Jahre währenden Karriere trotz immer neuer Tiefschläge konsequent bis an die Spitze des Metal-Rockgeschäfts geschafft.

Und sie haben sich inzwischen mit den Regeln des Musik-Business arrangiert. Die 17.000 Besucher fassende Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain ist ausverkauft, als Slipknot mit ihrer aufwendig ausgestatteten neuen Tour-Inszenierung am Montagabend in Berlin Station machen. Sie sind im Mainstream angekommen, ohne freilich ihrer Musik die Ecken und Kanten zu nehmen.

Das aktuelle, für das Genre exzellente sechste Album „We Are Not Your Kind“ steht im Mittelpunkt der Show, die auf ein opulentes Bühnenbild über drei Etagen und reichlichen Einsatz von Video- und Pyrotechnik setzt. Es ist 21 Uhr, als nach dem Vorprogramm der polnischen Death-Metaller Behemoth das Saallicht wieder erlöscht und lautstark AC/DCs „For Those About To Rock“ erklingt. Beim „We salute you“-Refrain fällt der Vorhang mit einem Kanonenschlag und zu „Unsainted“ erscheinen Slipknot unter frenetischem Jubel.

Sie haben sich von Null bis Acht durchnummeriert. Die Masken und auch einige Musiker wechselten über die Jahre. Die Nummern blieben. Sänger Corey Taylor, der nebenbei mit dem Gitarristen Jim Root auch die Rockband Stone Sour anführt, ist als Nummer 8 das Herzstück der Band. Er ist seit dem Debüt „Slipknot“ von 1999 dabei. Er versteht es, überzeugend zwischen schmerzensreich klarem Tenor und stimmbandzerrendem Grollen zu wechseln. Er spendet Wut und Trost gleichermaßen.

Die Stücke sind klug arrangiert. Kantige Gitarrenriffs walzen über elektronische Samples und galoppierende Rhythmen von gleich drei Schlagwerkern. Obwohl der Sound nicht immer bestens ist, geben Slipknot alles und spielen sich vor einer stürmisch wogenden Fanmasse durch zwei Dekaden Bandgeschichte. Von „Disasterpiece“ und „Before I Forget“ über „New Abortion“ und „Psychosocial“ bis zu „Duality” und „All Out Life“. Nur von „The Grey Chapter“, dem Album, mit dem sie 2014 den tragischen Tod ihres früheren Bassisten Paul Grey verarbeitet hatten, gibt es nicht ein einziges Stück.

Manisch aufgedreht toben die Metal-Berserker über die Bühne. Drei Zugaben, dann schicken Slipknot ein ausgepowert glückseliges Publikum nach Hause. Bereits am 7. August sind sie wieder in der Stadt – in der Waldbühne.