Chansonnier

Klaus Hoffmann: „Brel war furchtbar furchtlos“

Der Liedermacher Klaus Hoffmann kommt mit Chansons von Jacques Brel in die „Bar jeder Vernunft“.

Der Musiker Klaus Hoffmann in seinem Büro in Berlin.

Der Musiker Klaus Hoffmann in seinem Büro in Berlin.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Selbst an einem regenverhangenen Tag sind die Büroräume hoch oben unterm Dach am Kurfürstendamm hell. Überall hängen Plakate von Klaus Hoffmann. Bilder einer großen Musikerkarriere. Auch das aus dem Jahr 1997. Es zeigt den Berliner Sänger und Chansonnier in Schwarz-Weiß vor einem dieser altmodischen Mikrofone aus den Sechzigern. Daneben steht in großen Lettern „Klaus Hoffmann singt Brel“. Die letzten vier Buchstaben in Signalrot.

Klaus Hoffmann ist wegen Jacques Brel erst Sänger geworden

Jetzt, 22 Jahre später, arbeitet er wieder an einem Konzertabend mit Chansons von Jacques Brel, der am Dienstag in der Bar jeder Vernunft Premiere feiert. Der Titel ist der gleiche geblieben. Aber es stehen andere Themen im Raum: „Das Älterwerden und Endlichsein. Dazu habe ich mir vielleicht Brel herausgesucht, weil er so wenig larmoyant damit umgegangen ist“, sagt Hoffmann mit melancholischem Blick.

Brel, der „furchtbar Furchtlose“, wie Hoffmann ihn nennt, starb 1978 mit nur 49 Jahren an Krebs. Zumindest nach außen hin hatte er keine Angst vor dem Tod. Zahlreiche Lieder des Belgiers, der als französischer Chansonnier schlechthin gilt, handeln vom Tod. Als Klaus Hoffmann 1996 mit gerade mal 45 Jahren mit der Arbeit an seinem preisgekrönten Musical „Brel - Die letzte Vorstellung“ begann, schien der noch weit weg.

Im Alter sieht Klaus Hoffmann die Lieder aus einer anderen Perspektive

Heute mit bald 69 Jahren hofft Hoffmann auch noch 70 zu werden und lange als Musiker weitermachen zu können. Da sieht man Brels Chansons aus anderer Perspektive. „Ich mache ihn jetzt anders. Ich singe ja auch meine textlichen Übertragungen. Dass ich Brel für mich singbar gemacht habe, war für mich wichtig“, erklärt er. Nicht zu vergessen: Es war Jacques Brel, der Klaus Hoffmann inspiriert hat, Sänger zu werden. In die Wiege gelegt wurde ihm das musikalische Talent aber von seinem Vater. Dessen früher Tod und die Lücke, die er beim damals zehnjährigen Klaus hinterließ, war eine Triebfeder für Hoffmann.

Heute lebt er mit seiner Frau Malene in einem alten Haus mit großem Garten in Kladow. Ein bisschen piefig sei es dort, gibt er zu. Vielleicht zieht es ihn deshalb immer wieder zurück in Straßen seiner Kindheit und Jugend. „Ich gehe immer noch gern nostalgietrunken durch meinen alten Kiez“, gesteht er. Und meint damit die Gegend rund um die Kaiser-Friedrich-Straße in Charlottenburg. Davon und von seinen Anfängen als Musiker erzählt er auch immer wieder in seinen Konzerten.

Bereits Ende der Sechziger hatte Hoffmann seine ersten Auftritte als Liedermacher in West-Berliner Szenekneipen. Seinerzeit war er von Berufs wegen rebellisch und anders als seine Kollegen. „Ich war gegen die deutschen Partisanengesänge und gegen Vollbärte“, erinnert er sich. „Meine Freunde waren marxistisch. Und ich war ungeheuer pathetisch. Brel würde wohl sagen, ich war idiotisch unterwegs. Der einzige, den ich damals ertrug, war Reinhard Mey, noch ein bisschen Hannes Wader vielleicht und Wolf Biermann.“

Musikalisch verbindet beide eine lange Geschichte

Bekannt wurde er einem breiteren Publikum Mitte der Siebziger allerdings als Schauspieler. Mit der Titelrolle in der Verfilmung „Die neuen Leiden des jungen W.“ Das Handwerk dafür hat er am Berliner Max-Reinhardt-Seminar erlernt. Der Schauspieler in ihm hilft ihm dabei, als Sänger seine Geschichten zu erzählen. Als Chansonnier sieht er sich denn auch in erster Linie als Bühnenarbeiter. Er durchlebt seine Lieder mit dem ganzen Körper. Wie weiland Jacques Brel, für den das Expressive typisch war.

Musikalisch verbindet Hoffmann und Brel eine lange Geschichte. Bereits auf seinem ersten Album sang Hoffmann einige Chansons des Flamen, dessen Lieder sich wie ein roter Faden durch sein Werk ziehen. Hoffmann hat Brel dabei nie kopiert, was ihn letztlich zu einem der besten Brel-Interpreten überhaupt gemacht hat. Vorläufiger Höhepunkt war sein Musical 1997. Dafür schrieb kein Geringerer als Brel-Arrangeur François Rauber die Arrangements. Und Brels Witwe Thérèse machte Hoffmann den gesamten Nachlass ihres Mannes zugänglich. Etwas, was bis dato nicht einmal einem Superstar wie David Bowie gelungen war.

Für Hoffmann war diese Zeit ein Riesenabenteuer, ein Rausch. Brel war für ihn ein Lockvogel, der ihn zu einer Theatralik bewegte, die er selbst nicht mitbrachte. Heute erdet Brel ihn auch. Begleitet vom Pianisten Hawo Bleich erzählt Hoffmann auf der Bühne nun vom Leben und Sterben des großen Brel, trägt ihn zu Grabe. „Dabei treibt mich auch der Gedanken stark um, dass wir bald selbst unseren Gitarrenkoffer abgeben“, bekennt er. Und er springt zwischen seiner und Brels Vita hin und her.

Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Wilmersdorf, Tel. 883 15 82, 18.-22.2. um 20 Uhr, 23.2. um 19 Uhr.