Konzertkritik

Howard Carpendale lädt in Berlin zum Träumen ein

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Ulrike Borowczyk
Howard Carpendale während eines Konzerts. (Archivbild)

Howard Carpendale während eines Konzerts. (Archivbild)

Foto: pa

Nach dem Tourauftakt in Rostock spielte Howard Carpendale ein Konzert in der Berliner Verti Music Hall - und begeisterte die Fans.

Es ist zwar erst Donnerstagabend, aber die „Samstag Nacht“ wird schon mal heftig umjubelt. Nicht nur deshalb, weil Howard Carpendale einen seiner größten Hits singt. Sondern auch, weil sich alle nur zu gern in den Zeilen voller Sehnsucht und Liebe verlieren. Wie so oft in den kommenden rund drei Stunden.

Immer wieder lädt Carpendale zum Träumen ein. Nicht nur mit eigenen Songs. Auch mit wunderschönen Evergreens wie Louis Armstrongs „What a Wonderful World“. Dabei ahmt der Sänger sogar Satchmos raues Organ nach. Erntet dafür Applaus und vergnügtes Schmunzeln.

Zunächst aber nimmt Howard Carpendale ein Bad in der Menge. Geht durch die Reihen, schüttelt Hände, posiert für das ein oder andere Selfie, bevor es auf die Bühne geht. Da performt er zur Begrüßung „Hello Again“. Erweitert um den Vers „Vier Nächte hier in Berlin, zusammen mit meinem Team“.

Saal und Bühne sind dazu in Rosarot getaucht. Eindeutig Frauen-kompatibel, die elegante Beleuchtung. Dabei sind auch viele Männer unter den Zuschauern. Obwohl das Gros selbstredend weiblich ist. Erwartbar und völlig klar, ist und bleibt Carpendale doch ein Frauenschwarm. Auch, wenn er mit den Jahren etwas fülliger um die Hüfte geworden ist.

Howard Carpendale: Berlin ist die zweite Station seiner Tour

Nach dem Tourauftakt in Rostock ist die Verti Music Hall die zweite Station von Carpendales Konzertreihe „Die Show meines Lebens“. Howie, wie er nicht nur von seinen Fans genannt wird, steht hier an den schon erwähnten vier aufeinander folgenden Abenden insgesamt vor über 8000 Zuschauern auf der Bühne. In zwölf Monaten hat er die Halle damit gleich neun mal gefüllt. Er mag diese intime Saal-Größe. Füllt sie locker mit seiner intensiven Präsenz. Begleitet wird er dabei von einer vorzüglichen 20-köpfigen Band, inklusive Streichern und Bläsern sowie Background-Sängern.

Der gebürtige Südafrikaner verlegte seinen Wohnsitz nach rasanten Plattenverkäufen hierzulande bekanntlich 1970 nach Deutschland, lebt seit vielen Jahren mit Ehefrau Donnice Pierce in München. Seit über einem halben Jahrhundert ist er nun schon in seiner Wahlheimat einer der größten Schlagerstars überhaupt. Mit der aktuellen Show feiert er sein 50. Berufsjubiläum und präsentiert einen opulenten Querschnitt seiner Songs von Gestern und Heute.

Am Anfang seiner Karriere setzte Howie vor allem auf ein probates Erfolgsrezept: Viele seiner beliebtesten Hits sind Coverversionen international bekannter Nummern, zu denen er in den Siebzigern und Achtzigern deutschsprachige Texte schrieb. Die gibt es auch live. Etwa „Tür an Tür mit Alice“, die deutsche Fassung des Smokie-Songs. Das halbe Publikum grölt natürlich „Who the fuck is Alice?“. Viele genießen aber auch einfach das Lied und den sanften Gesang von Carpendale.

Howard Carpendale singt seine Klassiker so schön wie zu Zeiten der „ZDF-Hitparade“

Ohnehin säuselt der 74-Jährige viele seiner Klassiker noch so schön wie zu Zeiten der „ZDF-Hitparade“. Wie seinen wehmütigen Trennungssong „Deine Spuren im Sand“,bei dem ein Hauch von Nostalgie aufkommt.

Die Schlager-Kult-Sendung ist für ihn untrennbar mit Berlin verbunden. Er erzählt von seinen knapp fünfzig Auftritten. Vom legendären Gastgeber Dieter-Thomas Heck.

Auch optisch holt er die „Hitparade“ zurück, lässt das Logo mit den Lamellen einblenden. Ein Grund mehr, um alle Chartbreaker zu zelebrieren. Wie auf Kommando stehen alle dabei auf. Wippen und tanzen mit glücklichen Mienen. „Unter einem Himmel“ bewegt. „Du bist doch noch hier“ berührt mit seiner tiefen Trauer, geht es doch um den endgültigen Abschied von einem geliebten Menschen.

Howard Carpendale ist eben mehr als „nur“ ein Schlagerstar. Mit Mut zum echten Gefühl, aber auch pointierten Plaudereien, launigen Anekdoten und seiner enormen musikalischen Bandbreite beweist er, dass er ein wahrer Entertainer ist.

Seine Big Band dazu klingt mal rockig, mal funky. Und der Howie-Klassiker „Das schöne Mädchen von Seite 1“ bekommt mit HipHop- und Beatbox-Einkagen der Backgroundsänger eine absolut heutiges Lifting. Carpendale kann auch Elvis Presley. Covert „In The Ghetto“. Ein starker Moment, dem viele weitere folgen.

Verti Music Hall, Mercedes-Platz 2, Friedrichshain, Tel. 20 60 70 88 11, bis 2. Februar um 20 Uhr (Restkarten)