Konzertkritik

Manu Katché: Einer der weltbesten Schlagzeuger im Quasimodo

Der stilistisch ungeheuer vielfältige Musiker stellte sein neues Album auf kleiner Bühne vor – und sorgte für einen großen Abend

Manu Katché, hier im Jahr 2017, hat schon die Songs von Peter Gabriel und Sting veredelt.

Manu Katché, hier im Jahr 2017, hat schon die Songs von Peter Gabriel und Sting veredelt.

Foto: Fabrizio Di Bitonto / picture alliance

Er hat sich mit seinem filigranen, ja geradezu poetischen und dann wieder emotional aufbrausenden Schlagzeugstil an die Spitze der internationalen Drummerelite getrommelt. Der französische Schlagzeuger Manu Katché hat die Musik von Peter Gabriel und Sting im Studio und auf Tourneen veredelt. So unterschiedliche Musiker wie Jan Garbarek und Al Di Meola, Joan Armatrading und Tori Amos hatten sich seiner Künste versichert. Und seit den 90er-Jahren überrascht der stilistisch breit gefächerte Musiker immer wieder mit Soloalben, die Pop und Rhythm’n‘Blues, Funk, Jazz und World Music in einer so brodelnden wie melodieverliebten Melange vereinen. „The Scope“ heißt sein aktuelles Album, das er am Dienstagabend vor einem begeisterten Publikum im prallvollen Quasimodo an der Kantstraße live vorstellte.

Das Schlagzeug des 61jährigen Perkussionisten und Komponisten nimmt nahezu die ganze Bühne des legendären Klubs ein. Zu seiner Rechten drängen sich Gitarrist Patrick Manouguian und Keyboarder Jim Henderson, zu seiner Linken werkelt Bassist Jerome Regard, allesamt versierte Musiker und Improvisatoren, die sich ganz auf die Musik des Bandleaders einstellen. „Keep Connexion“ vom „The Scope“-Album eröffnet den Abend, Es ist eine klassische Jazzrock-Nummer mit einem aufwühlenden Pianosolo-Part und funkgetriebenem Beat. Der jazzversierte Drummer besinnt sich seiner Rockwurzeln, doch nie spielt er sich in den Vordergrund, bleibt immer Teil des Bandgefüges, berauscht durch sein rhythmisches, melodisches, von Beckeneinsatz betontes Spiel.

Bei einigen Songs kommt der Gesang aus der Konserve

Katché singt auch bei einigen Stücken. Bei anderen wieder, und das wirkt durchaus etwas befremdlich, kommen Gesangsparts aus der Konserve. So ist bei der souligen Ballade „Vice“ der senegalesische Sänger und Rapper Fadda Freddy zu hören. Zu „Paris Me Manque“ tönt der französische Rapper Jazzy Bazz durch das Quasimodo. Und später wird „Let Love Rule“ von der amerikanische Folksängerin Jonatha Brooke veredelt. Die Technik macht es möglich. Etwas seltsam ist das auf der Livebühne dann doch. Normalerweise habe man auf der Bühne noch eine Leinwand, auf der die „Gastsänger“ zu sehen seien, erklärt Katché zwischendurch. Die habe aber einfach nicht auf die kleine Quasimodo-Bühne gepasst.

Man nimmt es hin. Und schwelgt immer wieder von Neuem in dem eleganten und nuancierten Spiel von Manu Katché, der sich nur einmal, bei „Song For Her“ zu fortgeschrittener Stunde, die Freiheit zu einem Schlagzeugsolo nimmt, das durch seinen pointierten Ideenreichtum besticht und niemals in das selbstverliebte Gepolter so mancher Rockdrummer abdriftet. Bassist Regard hat bei „Good Bye For Now“ seinen großen Auftritt mit einem poetischen Solo, das er über schwebende Keyboardsounds legt. Dieser Abend setzt ganz auf die Kraft der Musik, die hier immer wieder neu entsteht und mit immer neuen Hakenschlägen überrascht.

Nach Mitternacht gibt es noch Zugaben

Manu Katché bringt den Laden mit seiner so kraftvollen wie tief empfundenen Musik in Bewegung. Da trifft afrikanische Rhythmik auf mal pumpende Reggaegrooves und dann wieder auf mächtige Jazzrock-Riffs. Und diese ganze stilistische Vielfalt fügt sich zu einem harmonischen Ganzen, das die Seele streichelt und die Hüften vibrieren lässt. Es ist schon nach Mitternacht, als Katché und seine furiose Crew mit dem treibenden „Tricky ‘98“ ins Finale gehen. Aber natürlich gibt es noch Zugaben. Ein faszinierendes Plädoyer für Musik, die im Hier und Jetzt live entsteht. Ein großer Abend. Der Applaus ist frenetisch und langanhaltend.