Neue TV-Serie

„Wapo Berlin“: Ganz neue Blicke auf die Stadt vom Wasser aus

Am 28. Januar startet die ARD die neue Vorabendserie „WaPo Berlin“. Sie muss krankt noch ein bisschen an Kinderkrankheiten.

Die Kommissarinnen Sayed (Sesede Terziyanr.) und Sprenger (Sarina Radomski) im Einsatz.

Die Kommissarinnen Sayed (Sesede Terziyanr.) und Sprenger (Sarina Radomski) im Einsatz.

Foto: ARD Foto

Berlin. Fast kommt sie zu spät zum eigenen Amtsantritt. Wegen eines Staus in der Berliner Innenstadt. So etwas kennt man ja zur Genüge. Doch wie gut, dass Jasmin Sayed (Sesede Terziyan) Leiterin des neu eingerichteten Wasserkriminaldezernats wird. Da ruft man einfach die Kollegen an – und die holen sie mit dem Polizeischiff ab. Die Berliner Wasserwege sind ja noch vergleichsmäßig ruhig.

Die neue Wache muss die Polizeipräsidentin trotzdem allein einweihen. Denn noch auf dem Weg dahin wird Sayed an den Wannsee gerufen: Dort treibt eine Leiche im Wasser. Ein Mordfall. Und gleich wird das Team mit seinem Schiff „Silbermöwe“ an den Berliner Dom gerufen, wo eine wertvolle Statue über den Wasserweg geraubt wurde.

„Wapo Bodensee“: der Trailer zur Serie

Es geht gleich zur Sache

Keine Zeit für Vorgeplänkel. Es geht gleich zur Sache in der neuen Vorabendserie „WaPo Berlin“, die an diesem Dienstag in der ARD startet. Das frisch ins Leben gerufene „Wasserkriminaldezernat Eins der Wasserschutzpolizei Berlin“ – so die offizielle Bezeichnung, ein typisch deutsch bürokratisches Wortungetüm – hat noch nicht mal seine Büros bezogen, da muss es schon in alle Richtungen ermitteln. Wobei die beiden Fällen, wie sich bald zeigt, nicht nur das Element Wasser verbindet.

„WaPo Berlin“ ist ein Ableger der „WaPo Bodensee“, die bereits seit drei Jahren durchs TV-Programm tuckert. Das ist schon mal eine gute Nachricht, dass nach langer Pause endlich wieder eine ARD-Vorabendserie aus der Hauptstadt kommt. Immerhin zählt Berlin zu den wasserreichsten Metropolen Europas und hat doppelt so viele Brücken wie Venedig. Während es bei den Kollegen am Bodensee indes eher ländlich-idyllisch und gemächlicher zugeht, gibt sich die neue „WaPo“ trendiger, ruppiger, temporeicher. Vor allem auch diverser.

Endlich wieder eine ARD-Vorabendserie aus der Hauptstadt

Das ist fast schon aufdringlich konzipiert. Die neue WaPo-Chefin Sayed musste einst, was in späteren Folgen thematisiert wird, aus dem Iran fliehen. Ein Rechtsstaat ist für sie nicht selbstverständlich, weshalb sie sich umso vehementer für Gesetz und Demokratie einsetzt. Ihr zur Seite steht mit Paula Sprenger (Sarina Radomski) eine echte „Berliner Pflanze“, die für die gute Sache auch mal falsche Mittel in Kauf nimmt. Womit ein Interessenkonflikt schon vorgezeichnet ist, der noch verstärkt wird, weil die beiden seit Jahren Freundinnen sind.

Frauen überwiegen auf der WaPo-Wache. Zum Team gehören noch ein türkischstämmiger Hipster (Hassan Akkouch), ein weiblicher Computer-Nerd (Melina Borcherding) und ein ehemaliger Volkspolizist (Christoph Grunert) aus dem Osten, der als Kapitän die „Seemöwe“ steuert, immer mit einem Wauwau an Bord, der Stulle gerufen wird und oft den richtigen Riecher hat. Kiez trifft hier auf Weltstadt, Ur-Berliner auf Menschen mit Migrationshintergrund.

Es ist ganz schön was los auf den Berliner Seen und Flüssen

Die erste Folge erinnert nicht von ungefähr an den spektakulären Raub im Bode-Museum 2017. Weitere Fälle handeln von einer Entführung auf einem Partyschiff, einer verschwundenen Obdachlosen am Landwehrkanal oder einer Leiche in einem alternativen Wohnprojekt an der Spree. Überall lauern Krimis. Ist also doch ganz schön was los auf den Berliner Seen und Flüssen.

Die Crew wirkt dabei wie eine Boygroup, die am Reißbrett gecastet wurde und erst noch zueinanderfinden muss. Und Sesede Terziyan vom Maxim Gorki Theater macht zu viel Theater vor der Kamera. Aber das kann sich ja noch einspielen. Die eher unbekannten Ansichten auf die Stadt vom Wasser aus haben dagegen durchaus einen Reiz. Das kann also was werden. Es gibt auch keinen Quotendruck: Die zweite Staffel wurde bereits in Auftrag gegeben.

„WaPo Berlin“: Neue Serie in acht Folgen. ARD, ab 28. Januar 2020 jeden Dienstag um 18.50 Uhr.