Deutsche Oper

Sommernachtstraum - Auch Elfen haben Probleme

Der New Yorker Regisseur Ted Huffman gibt mit Brittens „Sommernachtstraum“ an der Deutschen Oper sein Berlin-Debüt. Ein Treffen.

Der New Yorker Regisseur Ted Huffman (42) inszeniert Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ an der Deutschen Oper. Am Sonntag ist Premiere. 

Der New Yorker Regisseur Ted Huffman (42) inszeniert Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ an der Deutschen Oper. Am Sonntag ist Premiere. 

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services

Berlin. Ein waschechter New Yorker ist Ted Huffman. Schon früh hatten ihn seine Eltern in die schillernde Kulturszene der Metropole mitgenommen, an der Met war der junge Sopran bald schon als einer der drei Knaben in Mozarts „Zauberflöte“ zu erleben. Am Broadway stand er als Zwölfjähriger ein Jahr lang im Musical „The Sounds of music“ von Richard Rogers mit auf der Bühne. Inzwischen ist Huffman 42 Jahre alt, lebt als gestandener Opernregisseur in London und wird mit der Premiere von Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ am Sonntag in der Deutschen Oper sein Berlin-Debüt geben.

Aufgewachsen mit Bachs Passionen im Kirchenchor

Er versteht ziemlich gut Deutsch. Was er nicht nur damit erklärt, dass er Händels „Rinaldo“ in Frankfurt am Main, Puccinis „Madame Butterfly“ in Zürich und Strauss’ „Salome“ in Köln inszeniert hat. Wofür sich der Regisseur immer mehrere Wochen in den Städten aufhielt. Huffman meint, er sei mit dem deutschen Sound lange vertraut. „Ich habe im Kinderkirchenchor über Jahre hinweg auf Deutsch gesungen. Ich bin mit Bachs Matthäus- und Johannespassion aufgewachsen. Es war intensiv genug, um den Klang zu verstehen.“

Darüber hinaus verweist sein Nachname auf deutsche Wurzeln. Seine Vorfahren väterlicherseits waren in den 1830er-Jahren über Schweden in die USA nach Minnesota ausgewandert. „Es war eine Familie von Zahnärzten, und die wurden in der Neuen Welt damals gebraucht“, sagt Huffman. „Eigentlich sind sie aber ausgewandert, weil sie Farmer werden wollten.“

Seine Eltern – der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter Lehrerin – hatten ihren Sohn in seiner Leidenschaft fürs Singen und Theater unterstützt. „Ich habe zwischendurch die Schule unterbrechen müssen, weil ich so viel auf der Bühne stand. Im Studium wollte ich etwas anderes machen als Theater, etwas außen herum studieren.“ In Yale studierte er Englisch mit Schwerpunkt auf kreatives Schreiben und Kunstgeschichte. „Danach habe ich angefangen, als Schauspieler zu arbeiten. Das Projekt war weniger in dem Sinne, man lernt seinen Text und führt den auf, sondern wir waren alle Teil des kreativen Prozesses und auch aufgefordert, Texte mit einzubringen. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich selber Regie führen möchte.“

An der Oper von San Francisco erhielt Ted Huffmann ein Stipendium für junge Künstler. „Das hat viele Türen geöffnet“, sagt er. Eine Zeit lang war er Assistent des amerikanischen Theatergurus Robert Wilson am Watermill Center auf Long Island. Das ist wohl auch seine ästhetische Prägung, darüber hinaus gibt es für ihn – typisch Amerikaner – keine wirkliche Trennung in ernste und unterhaltende Musik. Es ist insofern bemerkenswert, weil Huffman nicht nur als Regisseur, sondern auch als Librettist mit Erfolg unterwegs ist. „Ich arbeite im Moment deutlich mehr in der Oper als im Musical. Auf der anderen Seite schreibe ich neue Stücke. Dabei möchte ich die Kategorisierungen aufheben. Eigentlich denke ich nicht weiter darüber nach.“

Ein Swat-Team rückt im Hubschrauber aus Moskau an

Rund 40 Opern hat Ted Huffman hauptsächlich in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland inszeniert. Seine letzte eigene Oper „Denis & Katya“ wurde im vergangenen Jahr an der Oper Philadelphia uraufgeführt. Im Februar wird sie in Großbritannien gezeigt, anschließend in Frankreich, auch Deutschland ist im Gespräch. Der Librettist spricht gerne über seine Oper, die in Kritiken in die Nähe von Romeo und Julia gerückt wird. Die Plot ist kompliziert. Zwei 15-Jährige aus Pskov lieben sich, aber die Eltern verbieten es.

Das Pärchen flüchtet in die Jagdhütte des Großvaters nach Strugi Krasnye. Die Mutter möchte ihre Tochter herausholen, ein Messer und ein Luftgewehr sorgen für Verletzungen. Die Mutter behauptet, die Tochter sei eine Geisel. Ein Swat-Team rückt im Hubschrauber aus Moskau an. Die beiden kommen heraus, filmen alles live per Handy und chatten mit Freunden. In Rauchbomben findet das Pärchen den Tod. Es endet mit der Mitteilung, das es unter ungeklärten Umständen starb. „Das ist eine reale Geschichte, ich bin zusammen mit meinem Dramaturgen nach Russland gefahren, und wir haben nach Menschen in Strugi Krasnye gesucht, die es miterlebt haben. Wir trafen auch die Freunde der Opfer, die mit ihnen im Chat waren.“

Zurück zur Met: Dort stand Ted Huffman als Junge auch in Benjamin Brittens Oper „Billy Budd“ auf der Bühne. Im Kirchenchor hatte er Brittens Chorwerke kennen gelernt. Seine erste Inszenierung in Europa führte ihn 2010 zum Aldeburgh Festival, das der Komponist Britten und sein Lebensgefährte, der Sänger Peter Pears, sechs Jahrzehnte zuvor gegründet hatten. Huffman bezeichnet sich als großen Britten-Liebhaber.

Er erinnert daran, dass Britten und Pears wegen ihrer Homosexualität und ihrem Pazifismus große Probleme hatten. Die finden sich in Opern wie „Billy Budd“ oder „Peter Grimes“ wieder. Aber im „Sommernachtstraum“ mit seinen Elfen, Handwerkern und Menschen? „Wir haben uns bei der Vorbereitung gefragt, ob das Außenseitertum nicht auch eine Rolle spielt.“ Brittens Probleme werden, so viel sei verraten, am Sonntag von den Elfen verhandelt.