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„Kosmetik reicht nicht mehr“: Umbruch beim RBB

Intendantin Patricia Schlesinger muss 20 Millionen Euro einsparen - und will zugleich das traditionelle und digitale Angebot erweitern.

Patricia Schlesinger ist Intendantin des  Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb).

Patricia Schlesinger ist Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb).

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Zwei Pferde müsse man reiten, sagte Intendantin Patricia Schlesinger am Donnerstag, als der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) im Studio A an der Masurenallee seine Pläne für das kommende Jahr vorstellte. Das eine Pferd ist ein altes und lieb gewonnenes: der lineare, an feste Zeiten gebundene Rundfunk nämlich, bei dem es in Zukunft noch besser, relevanter und spannender zugehen soll. Das andere dagegen, schneller und mit wohl höherer Lebenserwartung ausgestattet, ist digital und nonlinear, im Netz jederzeit abrufbar und Experimenten gegenüber sehr aufgeschlossen.

Daraus ergibt sich der seit Juli 2016 amtierenden Intendantin zufolge, dass sich ihr Haus neu ausrichten muss – bei gleichzeitig einzuhaltendem Sparkurs. Schlesinger sprach von ungefähr 20 Millionen Euro, „eine bittere Summe“: „Kosmetische Änderungen reichen nicht mehr aus, um im digitalen Zeitalter zu bestehen“, so Schlesinger. Man müsse sich den Bedürfnissen der jungen Generation anpassen, neue Zielgruppen erschließen, auffindbar sein und sich behaupten. Und das nicht ohne einen gewissen Anspruch an die eigene Arbeit: „Wenn die BVG Weltkulturerbe sein will, dann wollen wir Hollywood sein“, sagte Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus. Bei einer Durchschnittsquote von zuletzt sechs Prozent ist das ein Projekt, das man durchaus als ambitioniert bezeichnen kann.

Neue Comedy-Staffel mit Kurt Krömer startet zeitgleich in TV und online

Wie sich das Angebot nach unterschiedlichen Plattformen ausrichten werde, beschrieb Schulte-Kellinghaus am Beispiel von „Chez Krömer“. Die neue Comedy-Staffel mit Kurt Krömer startet am 11. Februar fast gleichzeitig im Fernsehen und online. Die Folgen zwei bis sechs stehen dann im Wochenrhythmus jeweils montags in der Mediathek, dienstags laufen sie um 22 Uhr im RBB-Fernsehen. Der Sender hat damit gute Erfahrungen: Die vier Folgen der ersten Staffel wurden bisher 1,3 Millionen Mal abgerufen und haben damit gleich so viele Zuschauer erreicht wie im traditionellen Fernsehen. Mit der neuen Seite meinrbb.de kann das Publikum live an Abstimmungen teilnehmen.

Zu den Projekten für das Jahr 2020 gehören die Reihe „100mal Berlin – der große rbb-Kiezatlas“ und das multimediale Erinnerungsprojekt „Auschwitz und ich“. Die Reihe „Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“ wird in die 2000er-Jahre fortgeführt. Zum Programm des Ersten steuert der RBB unter anderem die filmische Rekonstruktion „Die Getriebene“ über die Entscheidung von Kanzlerin Angela Merkel bei, im Sommer 2015 die Grenzen für Flüchtlinge nicht zu schließen.

Der Umbruch beim RBB wird sich auch im Stadtbild spiegeln. Zur Neuausrichtung gehört der Plan für ein digitales Medienzentrum, das hinter dem Haus des Rundfunks digitale und analoge Angebote bündeln soll. Eine Entscheidung der Jury stehe in den kommenden Monaten bevor. Für dieses Jahr rechnet der RBB mit Erträgen von 478,1 Millionen Euro und Aufwendungen von 564,8 Millionen. Für das letzte Jahr der laufenden Beitragsperiode ergibt das einen Fehlbetrag von 86,7 Millionen Euro.