Konzertkritik

Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep rocken das Tempodrom

Die Hit-Macher der Siebziger haben sich für eine Tournee zusammen getan. Im Tempodrom feiern rund 1700 Fans ihre Idole.

Andy Powell von Wishbone Ash live auf der Bühne (Archivbild).

Andy Powell von Wishbone Ash live auf der Bühne (Archivbild).

Foto: picture alliance / Photoshot

Die britischen Rocklegenden Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep haben viel gemeinsam. Ihre Hits prägten die Siebziger. Alle drei haben ihr 50. Bühnenjubiläum hinter sich. In jeder der Gruppen ist nur noch ein Originalmitglied vertreten. Doch sie machen immer noch Platten. Und sind unentwegt auf Tournee. Im Tempodrom feierten am Dienstag rund 1700 Fans ihre Idole der frühen Jahre, die sich für eine „Music & Storys“ getaufte Tournee zusammen getan haben.

Es ist ein bisschen wie beim Fernseh-„Rockpalast“. Jede Band gibt ein etwa einstündiges Konzert. In den Umbaupausen werden Musiker am Bühnenrand interviewt. Allerdings nicht wie im „Rockpalast“ von Alan Bangs, sondern von Andy Scott, letztes Originalmitglied der Glamrocker Sweet und nun Moderator dieser Show. Er entlockt seinen Kollegen in zwei knappen Viertelstündchen einige amüsante Tournee-Anekdoten.

"Music & Storys" im Tempodrom: Wishbone Ash eröffnen den Abend

Es ist an Wishbone Ash um den 69 Jahre alten Sänger, Gitarristen und Bandgründer Andy Powell, den Abend zu eröffnen. Sie waren stilbildend. Sie haben mit ihrem ausgetüftelten Progrock unzählige Kollegen beeinflusst. Sie haben die doppelte Leadgitarre im Rock etabliert. Und Powell hat das kuriose Flying-V-Gitarrenmodell hoffähig gemacht.

Wishbone Ash legen einen kolossalen Auftritt hin, beginnen gleich mit dem treibenden „The King Will Come“ vom 1972er-Album „Argus“. In Gitarrist Mark Abrahams hat Powell einen versierten Partner für die Doppel-Soli. Ein Auftritt wie aus einem Guss, der in der epischen Komposition „Phoenix“ vom 1970er-Debütalbum kulminiert.

In der Umbaupause plaudert Andy Scott mit Mick Box und Bernie Shaw von Uriah Heep über alte Zeiten. „Wie habt ihr es denn mit Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll gehalten?“, will er wissen. „Wir bekennen uns in allen Anklagepunkten für schuldig“, kontern die beiden. Für das Publikum ist es freilich viel spannender, die Smartphones zu zücken und ihre Stars aus nächster Nähe abzulichten. Das mit den Stories ist ohnehin nur eine nette Beigabe. Schwerpunkt bleibt die Musik.

Nazareth präsentieren sich mit "Love Hurts"

Und die kommt nun von Nazareth, deren prägender Sänger Dan McCafferty vor ein paar Jahren aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch geworfen hat. Das Schlimmste, was einer Band passieren kann. Der 73 Jahre alte Originalbassist Pete Agnew versucht, mit dem neuen Sänger Carl Sentance das Beste draus zu machen. Die Hits dazu haben die Schotten ja, von „Love Hurts“ bis „This Flight Tonight“. Es will nicht so richtig gelingen.

Nach eine weiteren kleinen Gesprächsrunde mit Andy Powell und Pete Agnew über ausufernde Nächte in Berliner Nachtclubs und Frisbees als Fluggeschosse bei einem Konzert beschließen Uriah Heep um den 72 Jahre alten Gitarristen und Bandgründer Mick Box mit einem lautstarken Finale und veritablen Klassikern wie „Gypsy“ oder „Lady In Black“ einen langen Abend mit satten 150 Jahren Rockgeschichte auf einer Bühne. Dafür gibt es langanhaltenden Applaus.