Festival in Berlin

CTM 2020: Was man zum Techno-Festival wissen muss

Am Freitag beginnt das CTM Festival. Es vereint experimentelle, moderne Musik, häufig Techno, mit anderen Kunstformen im Club-Raum.

Der Schriftzug „Liminal“ ist das Logo des CTM Festivals

Der Schriftzug „Liminal“ ist das Logo des CTM Festivals

Foto: CTM

Berlin. Zwischen Bethanien, Botanischem Garten und Berghain wird es ab Freitag experimentell. DJs, Bands, aber auch Künstler anderer Formen werden auflegen, aufspielen und ausstellen, was sie unter der (musikalischen) Zukunft verstehen. Dann beginnt das CTM Festival for Adventurous Music and Art.

Es ist ein Festival, das elektronische Musik verehrt, aber ihre Ausprägungen auch vorantreiben will. Clubkultur als Kunstbegriff – in Zeiten, in denen in Berlin darüber diskutiert wird, ob Nachtleben Weltkulturerbe ist, in denen die Szene ums Überleben von Institutionen wie der Griessmühle kämpft – wohl wichtiger denn je.

Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Festival.

CTM Festival for Adventurous Music and Art – was ist das?

Seit 1999 beschäftigt sich das CTM als international ausgelegtes Festival mit elektronischer, digitaler und experimenteller Musik, heißt es auf der Website zum Festival. Dazu werde eine Auswahl von Künstlern gebucht, deren Schaffen im Kontext von Musik und Clubkultur besonders Sinn ergibt.

Dabei ist die Ausdrucksweise auf keine bestimmte Kunstrichtung ausgelegt. Video- und Soundinstallationen, aber auch Filme, Workshops und anderes sind Teil des Festivals.

Gleichzeitig findet die Partnerveranstaltung transmediale/festival statt. Dabei geht es vor allem um kritische Auseinandersetzung mit der kulturellen Transformation aus der post-digitalen Perspektive.

Wie lange geht CTM?

Die erste Veranstaltung – die Eröffnung – findet am Freitag 24.1. ab 19 Uhr statt. Geplant sind ein DJ Set von Mo Chan, eine Performance von Peter Kirn & Tad Ermitaño und die Aufführung „The Ceremony“ by Loïc Koutana, NSDOS & Zorka Wollny.

Der letzte CTM-Besucher macht das Licht und den Bass dann im Paloma aus – „Deep Solace“ – von 23 Uhr bis irgendwann Montagmorgen. Der letzte DJ fängt ja erst um 4.30 Uhr an.

Das CTM-Thema heißt „Liminal“ – was ist das?

Liminals sind Grenzphänomene – liminoide Zustände sind „Übergangsphasen, in denen eine vertraute Ordnung ihre Werte und Symbole destabilisiert sieht“. Es gehe um die Aufhebung von Normen, heißt es im Programm zum Festival.

Ziel sei es, sich in die Grauzone zwischen Bereichen zu begeben, die eigentlich klar abgegrenzt werden. „Die Begrenztheit kennzeichnet spirituelle Praktiken und soziale Rituale sowie ästhetische, psychedelische und andere transformative Erfahrungen.“

In der Musik geschehen laut Festival-Machern diese Grenzüberschreitungen zum Beispiel durch technologische Umwälzungen – und um die immer neu zu verhandelnden Lebensstile und Identitäten.

Ganz banal geht es aber auch um „Rauschpraktiken und veränderte Zustände“. Damit hat die Berliner Clubkultur ja gerüchteweise auch so ihre Erfahrungen.

Wo finden die Veranstaltungen statt?

  • Bethanien (Dreh- und Angelpunkt und Austragungsort des Kick-Offs am Freitag, 24.1.)
  • Berghain, Säule und Panorama Bar
  • Griessmühle
  • HAU – hier war 2018 der Auftakt zum CTM-Festival
  • Botanischer Garten
  • Hamburger Bahnhof
  • daadgalerie
  • Radialsystem
  • silent green Schwuz
  • Festsaal Kreuzberg
  • Paloma
  • Heimathafen Neukölln

Wie teuer ist der Eintritt für CTM?

Es gibt Pässe für alle oder viele Veranstaltungen, allerdings sind diese bis auf eine Variante, die einige Veranstaltungen exkludiert, bereits ausverkauft. Die Alternative ist, sich auf einige Veranstaltungen zu beschränken.

Dann liegen die Preise zwischen 8 Euro und 25 Euro. Für fast alle Events gibt es vorab Tickets. Der noch verfügbare Connect Pass kostet 175 Euro und erlaubt zum Beispiel die Teilnahme am Opening und den diversen Partynächten.

Die Tickets für alle Veranstaltungen mit Ticketing gibt es online, sowie im Kunstquartier Bethanien in Kreuzberg (Mariannenplatz 2), an den Infocountern der transmediale im Haus der Kulturen der Welt (John-Foster-Dulles-Allee 10) und an der Volksbühne Berlin (Linienstraße 227).

Komme ich endlich ins Berghain?

Nicht für alle Berghain-Veranstaltungen gibt es vorab Tickets. Da entscheidet wie immer der Türsteher. Und wer Pech hat, hört nur: „Heute leider nicht.“

Wer unbedingt ein bisschen ins Berghain will, kann aber zum Beispiel wenigstens fürs Event „Unknown Unknown“ in dessen Säule Karten kaufen. Dabei sind T0C1S, ava*, Nerve, ASJ, FOTAN LAIKI, Thegn ft. Dis Fig, Kelvin T, Alexmalism.

Da sollen dann auch Performer mit 3D-gedruckten Megafonen umherziehen und Vektoren des Sounds produzieren. Und wenn MMMD „nervenkitzelnde Frequenzen mit dunkler Folk-Ästhetik und zeremonieller Erfahrung“ paart, ist das wahrscheinlich vom Gefühl gar nicht mal so anders als das, was Montagmorgen am Ende einer normalen Clubnacht geschieht.

Übrigens: Letztes Jahr machte das CTM Festival Schlagzeilen, weil in der Halle am Berghain eine Eislaufbahn aufgebaut wurde.

Auch für die Abschlussparty im Paloma gibt es übrigens vorab keine Tickets – „door only“, wie es so schön auf der Festivalsite heißt.

Eine besondere Empfehlung?

Wer die ausgezeichnete Serie „Chernobyl“ mochte, darf sich auf ein Konzert in der Betonhalle des silent green freuen. Die Isländerin Hildur Guðnadóttir spielt dort eine Live-Version ihres Scores zur HBO-Show (in Deutschland bei Sky) – für den sie einen Emmy bekam. Termine: 29. und 30. Januar, 20 Uhr, 25 Euro.

Und wenn alles so wird, wie es sich abzeichnet, und die Griessmühle nicht mal mehr Anfang Februar eine letzte Auflage der berühmten Partyreihe Cocktail d’amore feiern darf, könnte die CTM-Veranstaltung am Samstag, 25.1., eine der letzten großen Feiern dort werden.

Was hat der Botanische Garten damit zu tun?

Maria Thereza Alves und Lucrecia Dalt haben eine spannende Arbeit im Botanischen Garten, die Teil des Festivals ist. „You Will Go Away One Day But I Will Not“. Sie „berücksichtigt die westliche Praxis der Verwendung westlicher wissenschaftlicher Nomenklaturen zur Benennung von Pflanzen weltweit“, heißt es im Programm.

Konkreter: Das Publikum darf mit Kopfhörern im tropischen Gewächshause spazieren gehen, die Bewegungen der Besucher werden hörbar und erzeugen so Klangerlebnisse. Das alles soll die vielfältigen Stimmen des Waldes öffnen — „organisch und anorganisch, menschlich und nicht menschlich, spekulativ und lebendig“.

Die Arbeit solle gleichzeitig auf „ihre Stilllegung und Löschung durch europäische Kolonisten hinzuweisen“. Zu besuchen ist sie jeden Tag von 9 bis 19 Uhr, am 2. Februar beginnt um 11 Uhr eine besondere Veranstaltung, bei der an mehreren Orten Künstler über ihre Wege, Natur zu erfahren, diskutieren werden. Tickets für alle Tage: jeweils sechs Euro.

Alle Infos, Tickets und Termine: www.ctm-festival.de