Bauhaus-Architekt

Mies-van-der-Rohe-Haus zeigt neue Ausstellungen

„Modell Mies“ zeigt Modelle in Miniaturformat, zusammengehalten von multireferenziellen Texten.

Das Mies-van-der-Rohe-Haus am Orankesee.

Das Mies-van-der-Rohe-Haus am Orankesee.

Foto: Reto Klar

Im Mies van der Rohe Haus ist mit „Modell Mies“ eine neue Ausstellung zu sehen. „Nach dem verrückten Bauhaus-Jahr wollen wir uns jetzt wieder ganz Mies van der Rohe selbst widmen“, sagt Direktorin Wita Noack. „Seine Zeit im Bauhaus wurde nicht so stark erforscht, wie wir uns das wünschen würden.“ 2020 steht nun ganz im Zeichen des Architekten, der in Berlin etwa die Neue Nationalgalerie entworfen und den Ausdruck „Weniger ist mehr“ geprägt hat.

Unter diesem Motto steht auch die nun eröffnete Ausstellung. „Modell Mies“ zeigt Modelle in Miniaturformat, zusammengehalten von multireferenziellen Texten, die einen großen Teil der Ausstellung einnehmen. „Mich fasziniert die Kleinheit der Modelle“, sagt Noack. Die großformatigen Texte an der Wand gehen auf die Modelle selbst jedoch wenig ein. Vielmehr wollen sie weiterführen. „Es geht um das Einfühlen“, erklärt der Architekturhistoriker Albert Kirchengast, der die Ausstellung zusammen mit Jörn Köppler kuratiert hat.

,Poiesis’ steht groß an einer Wand, ,Schönheit’ oder ,Zeitlichkeit’ an einer anderen. Unter den Begriffen steht stets ein kleines Gebäude-Modell, meist kontextualisiert durch Bäume oder Stein. Geschaffen hat die Modelle Mies van der Rohe jedoch nicht. „Das waren wir“, erklärt Architekt Jörn Köppler. „Uns ging es darum, aus dem Werk Mies van der Rohes das Theoretische zu extrahieren. Die Begriffe an den Wänden sind eng mit seinem Werk verknüpft.“ Beschäftige man sich länger mit der Bauweise van der Rohes, so ließen sich einige Grundbegriffe erkennen.

Die beiden Kuratoren hätten seine Ideen also nur weitergedacht. „Ordnung zu schaffen in dem heillosen Durcheinander unserer Tage“, nannte Mies van der Rohe einmal als sein architektonisches Ziel. Nicht umsonst galt er als Minimalist und verwendete für seine Bauten bevorzugt Stahl. Dem Betrachter erschließt sich seine Kunstfertigkeit nicht sofort. Erst im räumlichen Zusammenhang oder in Verbindung mit anderen Kunstformen tritt die Bedeutung der Architektur hervor.

„Unser Jahresthema heißt Raum-Zeit-Odyssee“

So steht denn auch das Ausstellungsjahr 2020 im Mies van der Rohe Haus ganz im Zeichen der Kontexualität. „Unser Jahresthema heißt Raum-Zeit-Odyssee“, sagt Wita Noack. „Hier im Haus Lemke sollen Zeit und Raum ineinander fließen.“ Im April wird daher eine Fotoausstellung gezeigt, die den alten und jungen Mies van der Rohe zusammenbringen.

Im Juli wird van der Rohes Diktum „Weniger ist mehr“ weitergedacht, indem Arbeiten des japanischen Minimalisten Tadaaki Kuwayama ausgestellt werden. Überhaupt habe man viel vor im Mies van der Rohe Haus, kündigt Ingolf Kern, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Mies van der Rohe Hauses, an. „Künftig möchten wir auch im Winter Ausstellungen veranstalten“, so Kern. „Und wir wollen das Haus mit den Kunsteinrichtungen der Stadt besser vernetzen.“

Im Nordosten der Stadt liegt das Mies van der Rohe Haus beinahe versteckt inmitten eines Wohngebiets. Van der Rohe entwarf es 1933 als Wohnhaus für das Ehepaar Lemke. Von außen fügt es sich mit seinem roten Backsteinbau unauffällig in seine Umgebung ein. Erst im Garten, mit Blick auf den Obersee, fällt die Mies’sche Baukunst wieder ins Auge. L-Förmig und flach, mit großer Fensterfront, erzielt es mit wenigsten Mitteln doch maximalen Effekt.