Konzert

Bernard Allison hat mehr als den Blues

Bernard Allsion schlägt das Publikum im Quasimodo mit seinem Blues in den Bann.

Bernard Allison (Archivbild)

Bernard Allison (Archivbild)

Foto: Hammerl Kommunikation

Er hat mehr als den Blues: Bernard Allison, Sohn der Chicago-Blueslegende Luther Allison, verpasst dem altbewährten Zwölftakter eine gehörige Portion Soul, einen kräftigen Schuss Rock und eine geballte Ladung Funk. Am Sonnabend brachte der 53 Jahre alte Gitarrist und Sänger mit seiner furiosen Band das Quasimodo an der Kantstraße mit Klassikern und neuen Songs in Bewegung. Bis tief in die Nacht. Der Club in Charlottenburg ist bestens gefüllt, als die fünf Musiker nach einem instrumentalen Aufwärmer mit dem funkgetriebenen „Night Train“ in die Vollen gehen.

Stück für Stück kommen sie mehr auf Touren. Allison ist einer, der im Rampenlicht auflebt, der die Nähe sucht, der sein Publikum spüren muss. Und er hat die Besucher auch bald voll auf seiner Seite. Bei „The Way Love Was Meant To Be“ verzehrt er sich in klassischen Blue Notes, die er aus seiner weißen Gibson-Gitarre perlen lässt. Dann wieder steigt er mit „Rocket 88“ tief in die Historie des Rhythm’n’Blues ein. Ike Turner hat diesen Song 1952 mit seinen Kings of Rhythm aufgenommen und vielen gilt er nach wie vor als der erste Rock-’n’-Roll-Song der Musikgeschichte.

Bernard Allison stand schon mit 13 Jahren auf der Bühne

Gerade mal 13 Jahre war Bernard Allison alt, als er erstmals gemeinsam mit seinem Vater in Chicago auf der Bühne stand. Später gehörte er zur Band von Koko Taylor, bevor er sich selbstständig machte und die musikalische Familientradition weiterführte, nicht ohne dem Blues eine zeitgemäße Frischzellenkur zu verpassen. Man spürt die positive Energie, die sich auf der kleinen Bühne breitmacht. Die Musiker verstehen sich mit einer Geste, einem Lächeln, einem Augenzwinkern. Die von Platten bekannten Stücke werden live mit langen Passagen für solistische Einlagen ausgeweitet, gerade so, als würden sie gerade jetzt in diesem Moment überhaupt erst entstehen.

Das kann nur funktionieren, wenn man eine solch eingespielte Crew um sich hat wie Bernard Allison. Den jazzversierten Saxofonisten Jose James etwa, der sich später auch noch als veritabler Perkussionist erweisen wird. Oder den jungen Südstaatengitarristen Dylan Salfar, der mit seinem betont rockigen Spiel sozusagen den Kontrapunkt zu Allisons Blueskaskaden bildet. Bassist George Moye und Schlagzeuger Mario Dawson liefern die pulsierend rhythmische Grundlage, auf der sich die Songs ausbreiten können. Wie „Cruisin‘ For A Bluesin‘“, bei dem Allison im kantigen Stomp-Schritt über den Blues-Highway brettert.

Bernard Allison geht auf Tuchfühlung mit den Besuchern

Zu einem Höhepunkt von Allisons Konzerten zählt stets seine eigenwillige und hochenergetische Version von Jimi Hendrix‘ „Voodoo Child (Slight Return)“, die auch im Quasimodo nicht fehlt und mit ihren dezenten „Purple Haze“-Zitaten für lautstarken Jubel sorgt. Wie das Publikum an diesem Abend überhaupt Song für Song mehr auftaut. Als Bernard Allison für ein solistisches Bravourstück schließlich von der Bühne steigt und auf Tuchfühlung mit den Besuchern seine Gitarre beim Weg durch den Club singen lässt, ist kein Halten mehr im Saal.

Mit „Let’s Try It Again“ gehört auch ein Stück seines 1997 gestorbenen Vaters zum aktuellen Repertoire. Dessen Credo „Lass dein Ego hinter dir, spiel die Musik, liebe die Menschen“ hat Sohn Bernard verinnerlicht. Und lebt es in jedem seiner Konzerte aus. Nachts um eins gibt es mit der beseelten Blues-Ballade „Serious“ einen weiteren Luther-Allison-Klassiker, mit dem sich der Sohn musikalisch vor seinem Vater verneigt. Und vor seinem Publikum, dem er entgegenruft: „Ihr seid nicht einfach nur Freunde. Ich seid Familie für mich.“ Der dankbare Applaus hallt noch lange nach.