Konzert in Berlin

Slipknot in Berlin: Manisch aufgedrehte Masken-Männer

Obwohl der Sound nicht bestens ist, spielen sich Slipknot vor einer stürmisch wogenden Fanmasse durch zwei Dekaden Bandgeschichte.

Slipknot auf der Bühne (Archivbild).

Slipknot auf der Bühne (Archivbild).

Foto: © Reuters Photographer / Reuter / REUTERS

Berlin.  Zu Anfang hatte man sie noch als einen Haufen armer Irrer abgetan. Diese gruseligen Masken, mit denen sie sich verkleiden. Dieser aufbegehrend lärmende Sound. Doch Slipknot, die neun anarchischen Musiker aus Des Moines im US-Bundesstaat Iowa, haben es in ihrer nun 20 Jahre währenden Karriere trotz immer neuer Tiefschläge konsequent bis an die Spitze des Metal-Rockgeschäfts geschafft.

Und sie haben sich inzwischen mit den Regeln des Musik-Business arrangiert. Die 17.000 Besucher fassende Mercedes Benz-Arena in Friedrichshain ist ausverkauft, als Slipknot mit ihrer aufwendig ausgestatteten neuen Tour-Inszenierung am Montagabend in Berlin Station machen. Sie sind im Mainstream angekommen, ohne freilich ihrer Musik die Ecken und Kanten zu nehmen.

Das aktuelle, für das Genre exzellente sechste Album „We Are Not Your Kind“ steht im Mittelpunkt der Show, die auf ein opulentes Bühnenbild über drei Etagen und reichlichen Einsatz von Video- und Pyrotechnik setzt. Es ist 21 Uhr, als nach dem Vorprogramm der polnischen Death-Metaller Behemoth das Saallicht wieder erlöscht und lautstark AC/DCs „For Those About To Rock“ erklingt. Beim „We salute you“-Refrain fällt der Vorhang mit einem Kanonenschlag und zu „Unsainted“ erscheinen Slipknot unter frenetischem Jubel.

Sie haben sich von Null bis Acht durchnummeriert. Die Masken und auch einige Musiker wechselten über die Jahre. Die Nummern blieben. Sänger Corey Taylor, der nebenbei mit dem Gitarristen Jim Root auch die Rockband Stone Sour anführt, ist als Nummer 8 das Herzstück der Band. Er ist seit dem Debüt „Slipknot“ von 1999 dabei. Er versteht es, überzeugend zwischen schmerzensreich klarem Tenor und stimmbandzerrendem Grollen zu wechseln. Er spendet Wut und Trost gleichermaßen. Und sucht immer den Kontakt mit dem Publikum, seiner „Family“, wie er mehrfach betont.

Slipknot in Berlin: eine besonders ausgeflippte Hardcore-Metal-Variante der Blue Man Group

Die Stücke sind klug arrangiert. Kantige Gitarrenriffs walzen über elektronische Samples und galoppierenden Rhythmen von gleich drei Schlagwerkern: Der waghalsig hinter seinem Trommelpodest agierende Perkussionist Shawn Crahan ist seit der Bandgründung dabei. Sein namenloser Perkussionspartner ist erst seit dieser Tournee neues Slipknot-Mitglied. Am Schlagzeug thront der ungeheuer kraftvoll wirbelnde Jay Weinberg, Sohn von Springsteens E-Street-Band-Trommler Max Weinberg. Bei Slipknot trifft Edgar Varèse auf „Stomp!“ und eine besonders ausgeflippte Hardcore-Metal-Variante der Blue Man Group.

Obwohl der Sound nicht immer bestens ist, geben Slipknot alles und spielen sich vor einer stürmisch wogenden Fanmasse durch zwei Dekaden Bandgeschichte. Von „Disasterpiece“ und „Before I Forget“ über „New Abortion“ und „Psychosocial“ bis zu „Duality” und „All Out Life“. Nur von „The Grey Chapter“, dem Album, mit dem sie 2014 den tragischen Tod ihres früheren Bassisten Paul Grey verarbeitet hatten, gibt es nicht ein einziges Stück.

Manisch aufgedreht toben die neun maskierten Metal-Berserker über die Bühne. Wobei es immer mal wieder längere Pausen gibt, bei denen die Musiker die Bühne verlassen. Vielleicht müssen sie ja zwischendurch einfach mal die Gesichter hinter den Masken etwas lüften. Drei Zugaben noch, dann schicken Slipknot ein ausgepowert glückseliges Publikum nach Hause. Bereits am 7. August sind sie wieder in der Stadt. Dann tritt Slipknot in der Waldbühne auf.

Slipknot in Berlin: Diese Songs spielte die Band in der Mercedes-Benz Arena

  1. Unsainted
  2. Disasterpiece
  3. Eeyore
  4. Nero Forte
  5. Before I Forget
  6. New Abortion
  7. Psychosocial
  8. Solway Firth
  9. Vermilion
  10. Birth of the Cruel
  11. Wait and Bleed
  12. Eyeless
  13. All Out Life
  14. Duality
  15. (sic)
  16. People = Shit
  17. Surfacing