Neues Stück

Hommage an Freddie Mercury im Schlosspark Theater

Das neue Stück „Ich bin nicht Mercury“ feiert im Schlosspark Theater mit Songs des genialen Sängers und Queen Uraufführung.

Szene aus „Ich bin nicht Mercury“ im Schlosspark Theater mit Marco Billep, Frederike Haas, Thomas Borchert und Michael Ernst (v.l.).

Szene aus „Ich bin nicht Mercury“ im Schlosspark Theater mit Marco Billep, Frederike Haas, Thomas Borchert und Michael Ernst (v.l.).

Foto: DERDEHMEL / Urbschat

Um Druck abzulassen, ist kaum ein Song besser als „Under Pressure“. 1981 aufgenommen in einer legendären Session von Queen und David Bowie. Große Rock-Kunst also. Und immer noch ein probates Mittel gegen Beziehungszwist jeder Art. Wie auch Lisa, Ken und Frank wissen, die fulminant damit loslegen. Schließlich stehen sie ziemlich unter Strom. Vordergründig, weil Frontmann Chris mal wieder auf sich warten lässt.

Dabei steht die letzte Probe der Coverband am Vorabend vor wichtigen Studioaufnahmen mit Songs von Freddie Mercury und Queen an. Als Chris dann endlich erscheint, ist erst einmal ein ganz anderes Problem virulent: Der Sänger hatte gerade eben sein Coming-out und stellte seine (Noch-)Freundin und Bandkollegin Lisa vor vollendete Tatsachen.

Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung

Es war ein lang gehegter Wunsch von Hausherr und Intendant des Schlosspark Theater in Steglitz, Dieter Hallervorden, eine Hommage an die Musik des 1991 verstorbenen genialen Freddie Mercury auf die Bühne zu bringen. Nun ist sein Lieblingsprojekt Realität geworden: Thomas Schendel hat sein Stück „Ich bin nicht Mercury“ mit einem ebenso perfekten Gespür für die Musik von Queen wie für menschliche Zwischentöne inszeniert. Am Wochenende feierte es im Schlosspark Theater Uraufführung. Mit gleich vier Musical-Stars und der eigens formierten vierköpfigen UnderPressured-Rockband unter der musikalischen Leitung von Harry Ermer.

Natürlich fragt man sich da mit leicht mulmigem Gefühl: Queen und Musical-Stars, geht das? Bekanntlich hat die britische Rockband seit 2012 mit Adam Lambert ebenfalls einen Musicaldarsteller als Sänger verpflichtet. Bei ihm hat man jedoch stets das Gefühl, er spielt nur den Rockstar. Die Songs performt er nämlich wie in einem Disney-Musical. Und bleibt so Lichtjahre von Freddie Mercurys begnadetem Gesang entfernt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die verbliebenen Queen-Gründungsmitglieder, Gitarrist Brian May und Drummer Roger Taylor, sollten Lambert unbedingt durch das Sänger-Quartett ersetzen. Dann dürfte es endlich klappen mit dem lang vermissten Mercury-Feeling.

Songs klingen authentisch und berühren

Obzwar schwul und Sänger, macht Chris indes deutlich: „Ich bin nicht Mercury!“ Nein, definitiv nicht. Thomas Borchert, bekannt aus „Tanz der Vampire“, versucht als Chris nicht mal, Mercury gesanglich zu kopieren. Genauso wenig wie Sophie Berner, die fabelhafte Sally Bowles aus „Cabaret“. Sie spielt Lisa alternierend mit Frederike Haas. Oder Marco Billep als cholerischer Ken und Michael Ernst als eher stiller, kränklicher Frank.

Jede der vier Stimmen transportiert aber auf ihre Weise in den zahlreichen Songs wie „Cool Cat“, „Another One Bites The Dust“ und natürlich „Bohemian Rhapsody“ das, was die Musik von Freddie Mercury ausmacht: Glück, Schmerz, Trauer, Liebe. Sie klingen authentisch, berühren. Zudem sind die Arrangements nah am Original, und der britische Gitarrist Benjamin Barritt sorgt mit seinen Soli für den ein oder anderen kleinen Brian-May-Moment.

Die Story ist dabei nur wenig mehr als ein Aufhänger für Hits wie „Don’t Stop Me Now“ oder „The Show Must Go On“. Allerdings mit vielen Bezügen zu Mercurys Biografie. Auch er hatte Beziehungen zu Frauen, obwohl er schwul war. Und wie Frank litt er an einer tödlichen Krankheit, an Aids. Insgesamt aber wirkt die dünne Geschichte wie ein Alibi, um aus der musikalischen Würdigung kein reines Konzert, sondern einen Theaterabend zu machen. Die dümmlichen, homophoben und absolut vorgestrigen Anfeindungen von Ken Richtung Chris hätte sich Schendel jedoch sparen sollen.

Ein Famoser Abend mit großartigem Ensemble

Auf der Bühne sieht es dabei so aus, wie man es von Proben kennt: kein Schnickschnack, nur Instrumente und Mikrofone. Selbst an den Lichtstimmungen wird nur minimal geschraubt. Dafür ist die Atmosphäre innerhalb der Band aufgeladen und explosiv. Die Vier lassen nicht nur gesanglich alles heraus, sondern auch verbal. Geben tiefe Einblicke in ihre Seelen. Zum Schluss sind die Fronten geklärt, zumindest halbwegs. Und Chris wird durch eine grausame Wahrheit dazu bewegt, von seinem Egotrip herunterzukommen.

Ein famoser, hochmusikalischer Abend mit einem großartigen Ensemble und grandios performten Queen-Songs. Das Stück könnte nicht besser und beredter enden als mit „We Are The Champions“.