Filmpreis

Der „Joker“ ist mit elf Nominierungen Favorit bei den Oscars

Auch Sam Mendes und Quentin Tarantino können sich Hoffnungen machen. Ein Duell Kino gegen Netflix wird es beim Oscar aber nicht geben

Die Trophäen stehen griffbereit: Die Oscars werden in diesem Jahr so früh wie nie verliehen: am 9. Februar.

Die Trophäen stehen griffbereit: Die Oscars werden in diesem Jahr so früh wie nie verliehen: am 9. Februar.

Foto: dpa

Die Gretchenfrage in der Filmindustrie lautet derzeit: Wie hältst du’s mit den Streamingdiensten? Die Golden Globes, die erst vor einer Woche verliehen wurden, waren denn auch ein Rennen zwischen Kino-und Netflix-Produktionen, wobei letztere zumindest bei den Favoriten die Nase vorn hatten, auch wenn sie am Ende eher die Verlierer waren.

Was die Oscars, den wichtigsten Filmpreis der Welt angeht, kann die Filmindustrie nun erst mal aufatmen: Ein vergleichbarer Showdown bleibt hier aus. Der Oscar, den sich die Hollywoodbranche über ihre Film Academy selbst verleiht, bleibt überwiegend dem alten, klassischen Kino vorbehalten.

Mit elf Nominierungen, das gab die Oscar-Akademie am Montag in Beverly Hills bekannt, geht als großer Favorit „Joker“ ins Rennen, Todd Philipps’ Film um den Batman-Bösewicht, der nicht, wie andere Comicfilme auf Action setzt, sondern auf – ja, das gibt es noch – beißende Sozialkritik.

Nur ein Netflix-Film unter den Favoriten

Mit je zehn Nominierungen folgen Sam Mendes’ Kriegsepos „1917“, das bei den Globes zwei, und Quentin Tarantinos Traumfabriksatire „Once Upon a Time… in Hollywood“, der dort drei Trophäen einheimste. Sowie Martin Scorseses Mafiaepos „The Irishman“, das dann doch eine Netflix-Produktion ist – aber die einzige unter den Großanwärtern.

Die Regisseure dieser Favoriten treten alle auch in der Regie-Kategorie gegeneinander an, zusammen mit dem Südkoreaner Joon Ho Bong, dessen „Parasite“ sechs Mal nominiert ist. Ungewöhnlich oft für einen nicht-englischsprachigen Film. „Parasite“ ist sogar im Rennen sowohl um den Besten Film als auch um den Besten Auslandsfilm, wird wohl aber eher bei letzterem reüssieren.

Bei den Schauspielern tritt Renée Zellweger, die für „Judy“ bereits den Globe gewann, gegen Scarlett Johansson, Saoirse Ronan, Charlize Theron und Cynthia Erivo an. Und Joaquin Phoenix, der den Globe für „Joker“ bekam, gegen Antonio Banderas, Leonardo DiCaprio, Adam Driver und Jonathan Pryce.

Wie bei den Golden Globes: Ein bissel Déjà-vu

Der deutsche Kandidat für das Oscar-Rennen „Systemsprenger“ war bereits im Vorfeld nicht unter die letzten zehn gekommen. Nora Fingscheidts großer Erfolg hätte aber wohl so oder so das Nachsehen bei so großen Arthouse-Erfolgen wie „Parasite“ und Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“, die in dieser Sparte antreten.

In all den hier genannten Kategorien treten fast identisch dieselben Kandidaten an wie beim Globe. Die Oscars, die in diesem Jahr früh wie nie, nämlich am 9. Februar verliehen werden, wirken so fast wie ein Déjà-vu. Das droht, etwas langweilig zu werden. Zumal hier die Schicksalsfrage Netflix oder Kino eben gar nicht erst aufkommt. Und dann hat die Academy auch noch beschlossen, zum zweiten Mal in Folge auf einen Moderator zu verzichten. Das heißt weniger Seitenhiebe. Auch das könnte eine Folge der Globes sein. Ricky Gervais hat da so böse gegen die Branche ausgeteilt, dass das die Berichterstattung fast mehr beschäftigt hat als wer am Ende was gewann.

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