Berliner Ensemble

„Fahrenheit 451“ am Berliner Ensemble: Rauch ohne Feuer

Alexander Simon inszeniert Ray Bradburys dystopischen Roman am Kleinen Haus, gerät aber dramaturgisch ins Schlingern

Feuerwehrmann Guy Montag (hier: Mohammad Akeel, vorn) mit einem verbotenen Buch.

Feuerwehrmann Guy Montag (hier: Mohammad Akeel, vorn) mit einem verbotenen Buch.

Foto: Moritz Haase

Ray Bradburys Roman „Fahrenheit 451“, erschienen 1953, bezieht seinen Titel aus der vom Autor angenommenen Umgebungstemperatur, bei der sich Papier von selbst entzündet. Er handelt von einer Feuerwehreinheit, die damit beschäftigt ist, Bücher zu verbrennen – denn der Staat, in dem die Geschichte spielt, sieht im Besitz von Romanen, Erzählungen und Gedichten ein schweres Verbrechen. Das Lesen verwirre die Menschen, heißt es, es mache sie traurig und führe zu unsozialem Verhalten. Sie sollen ihre Zeit stattdessen vor dem Fernseher verbringen, am besten so viel wie möglich. Es ist kein Zwang eines finsteren Regimes, der zu diesen Regeln führt, die Menschen haben diese Art zu leben vielmehr selbst gewählt.

Bradbury hatte seine Dystopie als Kritik am neuen Massenmedium Fernsehen angelegt. François Truffaut hat sie 1966 in heute anrührend putziger Bildsprache verfilmt. Heute, da die Rede von der digitalen Demenz kursiert, könnte es einigen Reiz haben, sich die visionäre Skepsis Bradburys erneut vorzunehmen und auf Stichhaltigkeit zu überprüfen. Die Antwort, die Regisseur Alexander Simon in Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gefunden hat, fällt allerdings wenig überzeugend aus.

Wer den Roman nicht kennt, bekommt Verständnisprobleme

Auf der Bühne des Kleinen Hauses des Berliner Ensembles agieren die Schauspieler vor einer Art riesigem Rollcontainer mit semitransparenten Rollos, mit denen sich nach Bedarf Räume öffnen und schließen lassen. In wechselnder Besetzung wird uns die Geschichte des Feuerwehrmanns Guy Montag erzählt, der an seiner Aufgabe, Bücher zu verbrennen, langsam zu zweifeln beginnt.

Dabei springen in der ersten Hälfte ein paar rasante, zum Teil auch lustige Szenen heraus, aber nach etwa 50 Minuten gerät die Inszenierung dramaturgisch ins Schlingern. Montag wird gezwungen, sein eigenes Heim niederzubrennen und flieht in die Wälder vor den Toren der Stadt – und die hier recht dialogarme Romanhandlung wird von den Schauspielern nur noch passagenweise rezitiert, teils körpersprachlich passend illustriert, teils aber auch unter erheblichem Gefuchtel. Fraglich, ob ein Zuschauer, der den Roman nicht kennt, dieser hektisch vorgetragenen Geschichte überhaupt noch folgen kann – oder will.

Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Termine: 13.1., 14.1., 27.1., 20 Uhr.