Hauptrolle Berlin

Wie Billy Wilder 1961 vom Mauerfall überrascht wurde

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Rainer Rother, der Künstlerische Direktor der Kinemathek, mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander vor dem Zoo Palast.  .

Rainer Rother, der Künstlerische Direktor der Kinemathek, mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander vor dem Zoo Palast. .

Foto: Joerg Krauthöfer

Rainer Rother, der Künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek, erzählt im Zoo Palast von seinen Erlebnissen mit Billy Wilder.

In der Deutschen Kinemathek ist das das große Schild zu sehen, das bei dem großen Filmregisseur Billy Wilder bis zuletzt in seinem Büro in Hollywood hing:“ Wie hätte Lubitsch es getan?“ Und als Wilder, der seine Karriere einst in Berlin begann, 1993 noch einmal in die Stadt kam, um auf der Berlinale einen Ehrenbären entgegenzunehmen, war es Rainer Rother, der heutige Künstlerische Direktor der Kinemathek, der ihn durch eine Ufa-Ausstellung führen durfte.

Als am Dienstagabend im Zoo Palast in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ Wilders Klassiker „Eins, Zwei, Drei“ von 1961 zu sehen war, konnte kein Mitwirkender mehr über den Film sprechen. Die meisten sind längst tot, und Lilo Pulver reist nicht mehr.

Dafür gab Rother einige Anekdoten zum Besten, die er damals mit Wilder erlebt hat. Wie er eigentlich Billy Wilder „bespaßen“ sollte, stattdessen aber Wilder ihn bespaßte. Etwa als Wilde fragte, wo genau man gerade speise. Im Haus der Deutsch-Russischen Freundschaft, sagte man ihm.

„Deutsch-russische Freundschaft?“ Wilder tippte an den Kronleuchter. „Wanzen!" Und sprach laut: „Ich bin hungrig.“ Und wirklich: Drei Minuten später kam das Essen. Eine typische Wilder-Pointe.

Eine Befreiung, wieder durchs offene Tor zu laufen

Rother schilderte aber auch, wie das war, als bei der Satire über den Kalten Krieg mitten in den Dreharbeiten die Mauer gebaut wurde. Und das Drehteam nach München auswich, wo das Brandenburger Tor nachgebaut wurde.

Und dass Wilder zeit seines Lebens den Film einen Misserfolg nannte, weil damals keiner darüber lachen konnte. Auch wenn „Eins, Zwei, Drei“ in den 80er-Jahren wiederentdeckt und zum Kult wurde. Als Wilder 1993 in Berlin war, ging er noch einmal durchs nun wieder offene Brandenburger Tor. Das sei, meint Rother, wie eine Befreiung für ihn gewesen. Vor dem Mauerfall hätte der Regisseur, dessen Karriere in Berlin begann, wohl auch nie angenommen.

Als Nächstes läuft in der Reihe läuft am 4. Februar die Bestseller-Verfilmung „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Zu Gast ist dann Hauptdarsteller Sylvester Groth. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.