Filmpreise

Bangen und Daumendrücken beim Europäischen Filmpreis

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Zander
Sie wird für die beste europäische Leistung im Weltkino ausgezeichnet: Frankreichs Star Juliette Binoche.

Sie wird für die beste europäische Leistung im Weltkino ausgezeichnet: Frankreichs Star Juliette Binoche.

Foto: dpa

Beim Europäischen Filmpreis in Berlin können die Deutschen sich nur wenig Hoffnung machen. Und Stars aus dem Ausland machen sich rar.

Er gilt als sehr öffentlichkeitsscheu. Aber nun ist Pedro Almodóvar doch nach Berlin gekommen, wo am heutigen Sonnabend im Haus der Berliner Festspiele die Europäischen Filmpreise verliehen werden. „Leid und Herrlichkeit“, das jüngste Werk des spanischen Kultregisseurs, ist da gleich vier Mal nominiert.

Genauso häufig wie der britische Historienfilm „The Favourite“, für den Olivia Colman Anfang des Jahres einen Oscar als beste Schauspielerin gewann. Wie auch „Porträt einer jungen Frau in Flammen“, der in Cannes Favorit war. Aber auch wie „Intrige“ von Roman Polanski, der wegen seiner alten Vergewaltigungs-Vorwürfe erneut unter Beschuss steht.

Das deutsche Kino ist nur drei Mal nominiert

Obwohl die Preis-Gala auch immer ein großes Fest ist, mit dem der europäische Gedanken gefeiert wird, ist der Star-Andrang bei der 32. Verleihung nicht ganz so groß. Olivia Colman fehlt da ebenso wie Almodóvars Star Antonio Banderas oder Frankreichs Star Adèle Haenel, die Frau in Flammen. Für Glamour sorgt immerhin Juliette Binoche, die für die beste europäische Leistung im Weltkino ausgezeichnet wird. Auch Roman Polanski tritt aus verständlichen Gründen den Weg nach Berlin nicht so. So muss tatsächlich überwiegend Almodóvar, der scheue, hypochondrische Regisseur, den roten Teppich „bespielen“.

Auch die deutschen Hoffnungen sind in diesem Jahr eher gering. Nora Fingscheidts enorm erfolgreiches Sozialdrama „Systemsprenger“ immerhin ist zwei Mal nominiert. Aber die jetzt elf-jährige Hauptdarstellerin Helena Zangel, wiewohl eine Sensations-Entdeckung, wird wohl bei den Schauspielerinnen kaum gegen Haenel oder Colman ankommen.

Richtungsweiser für den Auslands-Oscar

Und auch in der Königskategorie Bester Film tritt Fingscheidts Spielfilmdebüt gegen die „Frau in Flammen“, „Intrige“, und „Leid und Herrlichkeit“ an und dürfte es schwer haben.

In dieser Hinsicht dürfte die Filmpreis-Verleihung auch richtungsweisend für den Auslands-Oscar sein: Denn Deutschland schickt „Systemsprenger“ ja als offiziellen Kandidaten ins Rennen. „Leid und Herrlichkeit“ aber geht für Spanien ins Rennen.

Chancen hätte noch Alexander Scheer als bester Schauspieler. Doch ob seine Darstellung der Titelfigur in Andreas Dresens „Gundermann“ gegen Antonio Banderas, der ja quasi Almodóvars Alter Ego spielt, besteht, scheint eher unwahrscheinlich. Dafür wird der deutsche Extremfilm-Regisseur Werner Herzog für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Und die ganze Crew von „Babylon Berlin“ darf feiern: Denn erstmals wird beim Europäischen Filmpreis auch eine Serie ausgezeichnet. Und der Sieger in dieser Kategorie steht bereits fest.

Umstrittene Nachnominierung von Polanskis Film

Um nicht mehr so „alt“ auszusehen, hat die Europäische Filmakademie die Statuten für die Filmpreise in diesem Jahr ein wenig novelliert. Im September wurden zwei Filme nachnominiert. Erstmals treten damit Filme aus zwei verschiedenen Jahrgängen des Filmfests in Venedig an: „The Favourite“, der dort 2018 lief und schon bei den Oscar-Nominierungen triumphierte“, und Polanskis „Intrige“, der in diesem Herbst lief.

Mit der Nachnominierung dieses Films hat sich die Filmakademie aber keinen Gefallen getan: Wegen der Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Polanski gibt es in den sozialen Medien wüste Kommentare darüber, dass dieser Film überhaupt Preischancen erhält.