Konzert in Berlin

Xavier Naidoo lässt umstrittene Songs bei „Hin und weg“ weg

Der Musiker hatte mit seltsamen Theorien polarisiert, besinnt sich aber auf der Bühne auf seine größten Hits. Mit großem Erfolg.

Wie Xavier Naidoo sich aus Kritik herausredet

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Berlin. „Wo ist denn die Bühne eigentlich?“, fragt Xavier Naidoo scherzend. Und bahnt sich einen Weg mitten durch das Publikum. Einmal quer durch die Mercedes-Benz Arena, die man selten so knallvoll erlebt hat.

Vorher hat der Sänger mit der obligatorischen Sonnenbrille und der Schiebermütze nur vom Bass begleitet „Führ mich ans Licht“ gespielt. Auf einer kleinen Bühne am hinteren Ende des Saals. Ein Start nach Maß. Allerdings rund zehn Minuten später als geplant.

Nicht etwa, weil es vor dem Berlin-Konzert zu Protesten gekommen ist wie vor wenigen Tagen in München. Da hatten einige gegen den umstrittenen Künstler demonstriert. Wegen seiner vermeintlich antisemitischen Gesinnung und seiner angeblichen Nähe zu den Reichsbürgern. Naidoo hat sich vehement gegen diese Vorwürfe gewehrt und 2018 vom Landgericht Regensburg recht bekommen.

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Xavier Naidoo in Berlin: Zuschauer interessieren sich nicht für Verschwörungstheorien

Dass er mit verschwurbelten Verschwörungstheorien polarisiert, interessiert die Zuschauer an diesem Abend keine Sekunde lang. Auf seiner „Hin und Weg“-Tour zum 25. Bühnenjubiläum präsentiert der 48-Jährige nämlich all seine Hits. Keiner seiner umstrittenen Songs ist darunter. Dafür seine Klassiker wie „Alles kann besser werden“ und „20.000 Meilen“. Und die Massen feiern dazu eine Naidoo-Party. Auch die Zuschauer, die hinter der Bühne sitzen. Selbst für den gestandenen Künstler ein Novum. „Background-Chor auf Probe“, nennt Xavier Naidoo sie augenzwinkernd.

Überhaupt gibt er sich außerordentlich aufgeräumt und ist blendend aufgelegt. Und von der ersten Sekunde an beweist er, dass er einer der besten Sänger des Landes ist. Mit einer einzigartigen Soulstimme, deren Klang man sich nicht entziehen kann. Vor allem nicht bei Balladen. Wie seinem erfolgreichsten, internationalen Hit „Sie sieht mich einfach nicht“. Da dreht Naidoo richtig auf, holt alles aus seinen Stimmbändern.

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Xavier Naidoo holt Kool Savas und Chefket auf die Bühne

Begleitet wird er von einer fabelhaften sechsköpfigen Band. Blickfang auf der Bühne ist, neben dem Soul-Star natürlich, eine große Lichtsäule in der Mitte, die in allen möglichen Farben und Mustern erstrahlt. Außerdem gibt es einen U-förmigen Laufsteg ringsum. So kann Naidoo alle Zuschauer im Arenarund anspielen. Zudem wartet der Sänger noch mit Gästen auf. Performt etwa mit dem Berliner Rapper Kool Savas. Später noch mit Chefket den gemeinsamen Song „Königin“. Live eine Premiere.

Der Sound an diesem Abend ist basslastig und exzellent. Und Naidoos stilistischer Mix aus intensivem Gesang und leicht gerappten Passagen ist grandios. Seine Lieder drehen sich um die Liebe, den Glauben und das Leben mit all seinen Hindernissen. Wie das berührende „Abschied nehmen“ oder der ebenfalls tieftraurige Song „Halte durch“, den Xavier Naidoo für ein todkrankes, aber lebensfrohes Mädchen geschrieben hat. Herausragend interpretiert.

Selbstredend gibt es auch die Hymnen, die von allen mitgesungen werden. „Was wir alleine nicht schaffen“ etwa oder „Dieser Weg“. Zuallererst aber „Ich kenne nichts, das so schön ist wie du“. Xavier Naidoos absolut großartiger Lovesong. Dabei wird die ganze Arena zum Background-Chor.

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