Konzertkritik

Peter Kraus ist auch mit 80 noch ein echter Rock’n’Roller

Nun ist Schluss: die 5. Abschiedstour war die letzte von Peter Kraus. Im Tempodrom nahm er die Fans auf eine musikalische Zeitreise mit

Die fünfte Abschiedstour von Peter Kraus soll nun auch die letzte bleiben. (Archivbild)

Die fünfte Abschiedstour von Peter Kraus soll nun auch die letzte bleiben. (Archivbild)

Foto: pa

Peter Kraus war Deutschlands erster Rock’n’Roller. Damals in den 50ern ein Synonym für wildes Rebellentum. Doch während andere Stars mit handfesten Skandalen aufwarteten, hat er nicht mal einen Fernseher aus dem Hotelfenster geworfen.

Im Gegenteil. Er hat geheiratet und ist sesshaft geworden. „Das Gescheiteste, was ich jemals gemacht habe“, bekundet er unter zustimmendem Beifall im Tempodrom. Und beweist dann, dass es beileibe nicht die Schlagzeilen sind, die einen Rock’n’Roller ausmachen. Mit Little Richards „Tutti Frutti“ und vielen Songs von Elvis Presley. „Devil in Disguise“ etwa oder „Viva Las Vegas“.

Peter Kraus ist jung geblieben

Schlank, athletisch und jung wirkt Peter Kraus bei seinem Konzert in Berlin. Die Zeit scheint am deutschen Superstar der 50er- und 60er-Jahre spurlos vorbeigegangen zu sein. Dabei feiert er in diesem Jahr gleich drei beachtliche Jubiläen: Am 18. März wurde der ewig Junggebliebene 80 Jahre alt. Im Oktober dann stand die Goldene Hochzeit mit Frau Ingrid an. Last but not least feiert er mit seiner aktuellen Tour, die er scherzend „meine fünfte Abschiedstour“ nennt, sein 60-jähriges Bühnenjubiläum. Die Tour soll diesmal auch endgültig die letzte sein. Berlin ist dabei die letzte Station.

Man mag es kaum glauben: Peter Kraus geht in Rente, krönt aber vorher noch einmal mit seinem fulminanten Konzert eine beispiellose Karriere. Er hat hat über 17 Millionen Tonträger verkauft, verzeichnete allein 17 Top-Ten-Hits in den Singlecharts und wurde vielfach ausgezeichnet. Unter anderem mit gleich mehreren „Goldenen Stimmgabeln“ und 2006 mit dem „Echo“ für sein Lebenswerk.

Peter Kraus singt im Tempodrom Lieder seiner Idole

Neben eigenen Songs singt er Lieder seiner Idole wie Roy Orbisons „Pretty Woman“ und Lieblingshits wie Bill Ramseys „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Etwas Jazz gibt es mit Jimmy McHughs „I Can’t Give You Anything But Love“. Und mit „Wenn Teenager träumen“ auch noch etwas fürs Herz. Rund 2500 Berliner feiern ihn für seine Hommage an die großen Musiker der 50er und 60er.

Am liebsten rockt Peter Kraus die Bühne mit druckvollen Songs. Wie dem legendären „Sugar Baby“ oder Chubber Checkers unvergessenem „Let’s Twist Again“. Er legt dabei mehrmals ein kleines Tänzchen aufs Parkett. Stets heftig umjubelt von den Damen im Publikum. Denn er nichts verlernt. Weder den sexy Hüftschwung, noch die schwungvollen Moves und coolen Posen mit dem waschechten Rock’n’Roll-Touch.

Begleitet wird er von zwei Backgroundsängerinnen und seiner fabelhaften sechsköpfigen Band. Der Sound kommt ohne technischen Bombast, meist akustisch im warmen, klaren Retro-Style rüber. Dem Charme dieser handgemachten Musik erliegt man nur zu gern. Wer weiß, vielleicht hängt Peter Kraus ja noch eine sechste Abschiedstour dran.