Berliner Tempodrom

Lisa Stansfield: Bei „All Around The World“ tanzen alle Fans

Lisa Stansfield überzeugt im Berliner Tempodrom mit ihrer noch immer facettenreichen Stimme - lebt aber auch vom Nostalgie-Faktor.

Lisa Stansfield kam mit einer zehnköpfigen Band nach Berlin (Archivbild).

Lisa Stansfield kam mit einer zehnköpfigen Band nach Berlin (Archivbild).

Foto: pa

Berlin. Was war das für eine soulige, groovende Stimme und in die Beine gehende Musik, als Lisa Stansfield Ende 1989 ihr Album „Affection“ herausbrachte. Der Song „All around the world“ lief monatelang in jeder Disco. 23 Jahre alt war die aus der Nähe von Manchester stammende Sängerin, und die Musikwelt lag ihr für perfekt aufbereitete Easy-Listening-Musik zu Füßen respektive tanzte zu ihr rund um die Welt. Inhaltlich drehten sich die Texte meistens um das, was einen zwischen zwanzig und dreißig am meisten beschäftigt: Partnersuche, -wahl und alle Dramen die mit dem englischen vier-Buchstaben-Wort „Love“ zu tun haben.

Lisa Stansfield wurde als „British Queen of White Soul“ betitelt, ihre Alben verkauften sich millionenfach. Zehn Jahre dauerte ihr Höhenflug. Nach einem weiteren Top-Hit, „The real thing“, zog sie sich Ende der Neunzigerjahre teilweise aus dem Musikgeschäft zurück, schauspielerte, genoss nach eigenen Aussagen ihr Eheleben mit ihrem Songschreiber und Produzenten, dem Musiker Ian Devaney, der in Berlin am zweiten Keyboard stand. 2014 meldete sie sich mit einem siebten Album zurück, 2018 folgte ihr achtes.

Vorband überzeugt mit folk-bluesigen Liedern

Mehr als 2000 Zuschauer feierten die inzwischen 53-Jährige im Tempodrom. Als Vorband trat die lediglich von einem Bassisten begleitete kanadische Singer-Songwriterin und Keyboarderin Ann Vriend auf. Sie überzeugte mit folk-bluesigen Songs und stimmte das Publikum auf Lisa Stansfield ein.

Hinter der Bühne nur ein riesiges Banner mit vier Buchstaben: lisa. Die kam mit einer zehnköpfigen Band nach Berlin und zog das Publikum mit ihrer immer noch kraftvollen, facettenreichen Stimme gleich mit dem ersten Song „Affection“ in den Bann. Allerdings dauerte es vier weitere Lieder, bis es beim Hit „This Is The Right Time“ auch einige Zuschauer auf den gut besetzen Rängen aus dem Gestühl trieb. Im Parkett groovten jung gebliebene Babyboomer und deren Kinder zu bekannten Dancefloor-Songs wie „The Love In Me“ und „When Are You Coming Back“.

Es folgte ein früher Song, mit dem ihre Karriere begann: „Big Thing“ war der erfolgreichste Titel des Trios Blue Zone, in dem Stansfield von 1984 bis 1988 sang. Das Lied war der Grundstein ihrer Solokarriere, die mit dem nächsten Lied schon im ersten Jahr ihren absoluten Höhepunkt erreichte. „All Around The World“ ließ die Fans im Tempodrom-Rund abgehen. Es wurde textsicher mitgesungen und in der Manege ausgelassen getanzt.

Die ausgezeichnete Band mit zwei Keyboardern, Percussion, Schlagzeug, Bass, Gitarre, zwei Bläsern und zwei Backvocal-Ladies spielte die für die agile, schmal gewordene Sängerin typische Mischung von Pop, Jazz, Funk, Dance und Soul. Die lautstark geforderte Zugabe war „Live Together“. Ein wunderbarer Abend für alle, die in den Neunzigern auf der Tanzfläche unterwegs waren.