Konzert in Berlin

„Guten Abend, Berlin! Zuhause!“, ruft Ben Zucker

In der Mercedes-Benz-Arena fühlt sich Ben Zucker ganz wie Zuhause.

Ben Zucker auf der Bühne. (Archivbild)

Ben Zucker auf der Bühne. (Archivbild)

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Nach wenigen Minuten wogen alle Arme wie eine Welle in der Mercedes-Benz Arena. Rote Luftballon-Herzchen inklusive. Keine Frage. Ben Zucker erobert sein Publikum im Sturm. Singt „Was für eine geile Zeit“. Ruft: „Guten Abend, Berlin! Zuhause!“ Und die Zuschauer jubeln zurück. Sind auf hundertprozentiger Betriebstemperatur.

Nur knapp 26 Monate nach dem Startschuss seiner Karriere gibt Ben Zucker seinen Einstand in Berlins größter Konzerthalle. Und die ist so gut wie ausvetkauft. Es ist der Abschluss seiner Arena-Tour. Mit ausgeklügelter, knalliger Lightshow, funkensprühender Pyrotechnik, Rauch- Feuersäulen und natürlich allen seinen Hits. Der Abend wird zudem für eine DVD aufgezeichnet. Was die über 12000 Fans besonders freut.

Zucker ist der neue Superstar des Schlagers. 1983 in Ueckermünde geboren, wuchs er in Berlin-Mitte auf, bevor seine Familie 1989 in den Westen floh. Zucker kam später zurück, lebt seitdem wieder an der Spree. Mit dem Song „Mein Berlin“ aus seinem zweiten Album „Wer sagt das?!“ widmet er der Stadt nun auch eine persönliche Hommage. Eine Hymne.

Zur Musik kam Ben Zucker als Jugendlicher durch seinen Vater, einem Neil-Young-Fan, der dem 14-Jährigen das Gitarrespielen beibrachte. Zucker spielte damals Grunge und Rock, seine Vorbilder hießen Nirvana und Radiohead. Irgendwann wechselte er von englischen zu deutschen Texten und zum Schlagerrock. Mit seiner Debütsingle „Na und?!“, die auch Titel seines ersten Albums ist, landete Ben Zucker nach der Fernsehpremiere 2017 seinen ersten Hit.

Zucker klingt wie Max Giesinger und Mark Forster

Präsentiert hat er seinen Debüt-Song übrigens in Florian Silbereisens Sendung „Schlagercountdown“. Damit unterscheidet er sich von den Songpoeten Max Giesinger und Mark Forster, die man in solchen Shows nicht sieht. Dabei klingt Zucker musikalisch ähnlich wie sie. Macht einen Mix aus einer Prise Rock, etwas Schlager und viel Pop, wenngleich seine Lieder als Schlager gelabelt werden. Schlager-Rock eben. Eindeutig markanter und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Songpoeten ist seine Reibeisenstimme.

In den letzten zwei Jahren gab es für ihn nur einen Weg: Den nach oben. Nachdem er Helene Fischer noch 2018 als Support auf ihrer Tour begleitet hat, ist nun er der Star in der Arena. Schwimmt auf einer echten Erfolgswelle. Mit mehr als 400.000 verkauften Einheiten seines Doppelplatin-Debütalbums und über 50 Millionen Streams gilt der 36-Jährige aktuell als einer der erfolgreichsten deutschen Solokünstler. Eine Karriere in Rekordgeschwindigkeit.

Seine Lieder rund um Heimat, Liebe und Trennung klingen indes austauschbar. Werden mit viel Melodramatik und Druck gesungen. Zucker gefällt sich dabei in Rock-Attitüde. Trägt Lederjacke, T-Shirt und Jeans. Auch optisch eher Rock’n’Roller als Schlagerbarde. Schmuse-Gesten liegen ihm ohnehin nicht.

Begleitet von einer fünfköpfigen Band, zwei Backgroundsängerinnen und einem -sänger, performt Ben Zucker als gebe es kein Morgen. Heizt seinem Publikum ein. Zum klassischen Schlager-Takt wird es dabei von Song zu Song emotional hochtouriger. Mit „Ich lass dich geh’n“, „Du bist alles“ oder „Die Welt wartet auf dich“.

Zucker begrüßt auch seine Schwester Sarah

Weil er daheim in seiner Stadt ist, begrüßt Ben Zucker auch Gäste. Darunter seine Schwester Sarah, die gemeinsam mit ihrem Bruder „Du bist perfekt“ singt, während ein Konfetti-Regen wie ein glitzernder Monsun durch die Halle fegt. Wenig später bekennt Zucker allerdings: „Mama ist die Beste“. Und dankt ihr sowie allen Mamas und Papas mit „Du haust mich um“.

Der Sound kommt dabei nicht gerade fragil und luzide rüber, sondern ist, wie meist an diesem Abend, einfach nur laut. Was die Zuschauer mitnichten stört. Sie feiern ihr Idol, singen und klatschen mit. Zelebrieren eine Party, haben Spaß.

Dazu haben sie auch beim Gastauftritt der unvergleichlichen Bonnie Tyler allen Grund. Mit Ben Zucker singt sie ihre Welthits „Total Eclipse of the Heart“ und „It’s a Heartache“. Die Arena steht Kopf. Solo gibt es von ihr noch „I Need a Hero“. Und damit beweist sie eindrucksvoll, dass sie die Mutter aller Reibeisenstimmen ist.

Zucker steht ihr aber nicht nach. Läuft zu „Ich spür wie die Liebe zerbricht“ über eine beleuchtete Brücke und für ein Akustik-Set in die Hallenmitte zur Hochform auf. Intoniert nur von seiner Gitarre begleitet „Immer wieder du“. Mit dem stimmungsvollen Liebeslied erobert er die Herzen der Zuschauer endgültig.