Sonntagskrimi

Neuer „Tatort“: Ein Vater wird aus Verzweiflung zum Mörder

Milan Peschel brilliert im neuen „Tatort“, der uns allen die unangenehme Frage stellt, was wir für unsere Kinder zu tun bereit wären.

Ein Mann sieht rot: Um seine Tochter zu retten, wird ein bis dato korrekter Finanzbeamter (Milan Peschel) zum Täter.

Ein Mann sieht rot: Um seine Tochter zu retten, wird ein bis dato korrekter Finanzbeamter (Milan Peschel) zum Täter.

Foto: NDR/Christine Schroeder

Was würden Sie tun, um ihr Kind zu retten? Das ist die unangenehme Frage, um die sich die neue „Tatort“-Folge „Querschläger“ dreht. Und um sie umfassend zu beleuchten, wird auf die übliche Wer-war’s-Krimi-Dramaturgie verzichtet. Bei einer Routine-LKW-Kontrolle der Autobahnpolizei wird einer der Laster von einem Heckenschützen unter Beschuss genommen. Ein Querschläger trifft dabei einen Unbeteiligten, der verblutet.

Hier kommen die Kommissare Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) ins Spiel: Die vermuten erst einmal, ein Konkurrent des Speditionsunternehmens, zu dem der LKW gehört, könnte die Schüsse abgefeuert haben: Weil der Unternehmer seine Konkurrenz eiskalt und mit unlauteren Mitteln aussticht.

Eine Tat aus Hass oder aus Konkurrenz?

Nebenbei erfährt man viel über die Kriminalität bei Fernfahrten: dass illegale Abfalltransporte in dieser Branche das dritthäufigste Vergehen nach Drogen- und Waffenschmuggel ist – und auch der betroffene Unternehmer dessen schon verdächtigt wurde. Auch ein rassistischer Anschlag ist nicht auszuschließen, weil der Unternehmer türkischer Abstammung ist.

Während die Kommissare aus dem Hamburger Umland noch weitgehend im Dunkeln tappen, weiß der Zuschauer schon mehr: weil der Scharfschütze gleich nach dem Anschlag die Maske abzieht und darunter das Gesicht von Milan Peschel zum Vorschein kommt. Der ist, wie man bald erfährt, Vater einer schwerkranken Tochter, die dringend operiert werden muss.

Déjà-vu mit Milan Peschel

Die OP kostet indes Geld, das die Eltern nicht haben, das aber auch die Krankenkasse nicht zahlen will und selbst durch einen Spendenaufruf im Netz nicht zusammenkommt. Der Vater, bis dato ein korrekter Zollbeamter, verzweifelt nun an der Welt, weil er laufend mit Kriminalität zu tun hat, ihm als Unbescholtenen aber keiner zu Hilfe kommt. Weshalb er rot sieht und das Fuhrunternehmen erpresst. Die Schüsse sollten nur eine Drohung sein.

Diese „Tatort“-Folge von Stephan Rick (Regie) und Oke Stielow (Drehbuch) fällt etwas aus der Reihe, weil sie so ganz anders erzählt wird und eine interessante Fallstudie des verzweifelten Vaters gibt. Dass der von Milan Peschel gespielt wird, ist nicht ohne Ironie: Der hat in der Krimireihe vor neun Jahren schon mal eine ganz ähnliche Rolle gespielt, in der gefeierten Folge „Weil sie böse sind“ mit Andrea Sawatzki: Damals brauchte er Geld für eine dringende Therapie seines autistischen Sohns.

Am Ende wird es sehr menschelnd

Die neue Folge lebt von dem Wechsel, den Kommissaren lange auf der falschen Fährte und dem Vater auf seinen finsteren Gewissensabwegen zu folgen. Die beiden Ermittler, die anfangs sehr verschnupft zusammen gearbeitet haben, werden immer wärmer miteinander. Falke ermuntert Grosz sogar, als eine Polizistin sich für sie interessiert. Die beiden menscheln richtig. Und tun das auch bei dem überraschenden Ende.

„Tatort: Querschläger“: ARD, 1. Dezember, 20.15 Uhr