Konzert in Berlin

Ute Freudenberg liefert Stimmgewalt trotz Kehlkopfentzündung

Für Freudenberg-Fans lohnte sich der Akustikabend - mit einem Höhepunkt, der in der Zugabe kam.

Ute Freudenberg auf der Bühne. (Archivbild)

Ute Freudenberg auf der Bühne. (Archivbild)

Foto: Isabel Schiffler / picture alliance / Jazzarchiv

Fast ihr gesamtes Künstlerleben über hat Ute Freudenberg damit leben müssen, in die Schlagerschublade gesteckt zu werden. Wirklich gehadert hat sie damit nie. Einerseits, weil sie zu gut, zu souverän dafür ist. Andererseits, weil es stimmt. Beides beweist sie am Montagabend im Friedrichstadtpalast auf ihrer Akustik-Tournee. Der Saal ist längst nicht ausverkauft, doch weil die Gäste aus den hinteren Reihen in den vorderen Bereich umgesetzt werden, trübt das die Stimmung nicht.

Freudenberg hat großen Respekt verdient. Angesichts ihrer über vierzigjährigen Karriere in Ost und West, die Höhen und Tiefen hatte. Für ihre mitunter sehr gefühlvollen Texte, die vor ernsten, selten in Popsongs behandelten Themen nicht Halt machen; das sind ihre unschlagerhaften Titel. Und natürlich für Stimmgewalt und -umfang, der die Eifersucht vieler Kollegen erregen dürfte. Selbst dann noch, wenn sie wie am Montagabend mit einer Kehlkopfentzündung zu kämpfen hat. Wenn sie das mitgebrachte Sprayfläschchen vor sich nicht erklären würde, hätten das wohl die wenigsten mitbekommen.

Ein Akustik-Abend für Freudenberg-Fans

Auf der großen Showbühne herrscht gemütliche Atmosphäre, schon weil jedermann auf einem Barhocker platziert ist. Für Freudenberg-Fans lohnt sich der Akustikabend, denn in dem Programm sind viele Titel untergebracht, die sie an sonstigen Duett-, Rock- oder Chansonabenden nicht singt. Sogar René Decker aus den Anfangstagen mit Elefant ist dabei und setzt mit gefühlvollen Saxofonsoli Höhepunkte.

Anfangs kommt Freudenberg mit viel Liebe und Gefühl um die Ecke. Sie hat das Schlagerdauergrinsen durchaus drauf. Je später der Abend, desto besser wird er. Das liegt nicht zuletzt an Freudenbergs Reminiszenzen an ihre Anfänge, die viele im Saal ganz hautnah miterlebt haben. 1976, als sich ihre Band Elefant in der DDR gründete, waren Rockstars wie Janis Joplin auch dort angesagt. Freudenberg erinnert daran mit zwei wunderbaren Songs. Solo singt sie „Mercedes Benz”, nachdem sie sich für die an Joplin angelehnte Interpretation des Rockklassikers „Me and Bobby McGee” inklusive Scat-Solos bereits Standing Ovations geben lassen konnte.

Der Evergreen „Jugendliebe“ kommt als krönende Zugabe

Mit „Wo sind die Träume” folgt darauf ein recht düsterer Kommentar zum unbefriedigenden Stand der deutschen Einheit. Freudenberg weiß, wovon sie spricht. Ist sie als erfolgreicher DDR-Star doch in den Westen gegangen, später in ihre Heimatstadt Weimar zurückgekehrt und steht im Kreise einer wirklich gesamtdeutschen Band auf der Bühne.

„Ich weiß, wie Leben geht” heißt ihr neuestes Album, dass sie an diesem Abend bewirbt. Mehr als die neue Scheibe mit Texten von Jeanette Biedermann aber bezeugen Freudenbergs ältere Hits dieses Wissen. Die zwei ältesten ihrer Karriere zum Beispiel. In „Und wieder wird ein Mensch geboren” wird der schwierige Beginn des Mutter- und Kindseins beschrieben, wenn der Erzeuger abgehauen ist. „Wie weit ist es bis ans Ende dieser Welt” ist ein DDR-Hit, zwischen dessen Zeilen jede Menge Systemkritik steckt.

Auf den Evergreen „Jugendliebe” muss das Publikum bis zum Schluss warten, bis zur Zugabe. Ohne ihn hätte sich natürlich niemand nach Hause schicken lassen, es ist der selige Höhepunkt des Abends, den eine Entertainerin alter Schule liefert.