Konzert in Berlin

Tony Christie live in der Verti Music Hall

Tony Christies Hüftschwung ist zwar etwas steifer geworden, doch der Brite hat es auch mit 76 Jahren immer noch drauf.

Toni Christie begeistert noch immer seine Fans (Archivbild).

Toni Christie begeistert noch immer seine Fans (Archivbild).

Foto: pa

Berlin. Gerade noch gab es Jazziges vom Feinsten, dann steht bei Tony Christie richtig lauter Country-Rock auf dem Programm. Der Hüftschwung ist zwar etwas steifer geworden, doch der Brite hat es mit 76 Jahren immer noch drauf und ist kein bisschen leiser geworden.

Dabei präsentiert er sich von Kopf bis Fuß als Gentleman bei seinem Berlin-Konzert am Sonntag in der knapp zur Hälfte gefüllten Verti Music Hall in Friedrichshain. Er nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch seine Laufbahn. Zeigt alle Facetten aus fünf Jahrzehnten. Gefeiert von seinen Fans, die mit ihm alt geworden sind. Im Publikum sitzen gut und gerne 90 Prozent Silver Ager. Getanzt wird da weniger, obwohl sich Songs wie „Las Vegas“ geradezu anbieten. Es wird lieber mitgeklatscht.

Toni Christie wünscht sich eigentlich Gin auf der Bühne

Christie ist bestens aufgelegt. Greift zur Wasserflasche und witzelt, er wünschte sich, es wäre Gin. Mit seiner groovenden fünfköpfigen Band spielt er alte und neue Songs. „Ein bisschen was von allem“, wie er es nennt. Das neuere soulig-bluesige „Key of U“ mit starkem Saxophon-Solo etwa. Oder „Don’t Go to Reno“ aus dem Jahr 1974. In Deutschland ein Hit, an den sich viele erinnern und nun mitklatschen.

Manche singen auch textsicher mit. Was oft geschieht. Hatte Christie doch etliche Hits. Er singt aber auch Songs anderer Künstler. Wie die Ballade „Like Sisters and Brothers“ von den Drifters. Ein wunderschönes, elegantes Cover, bei dem sein Tenor strahlt. Natürlich hört man seiner Stimme das Alter an. Er klingt aber immer noch sonor, beherrscht die anspruchsvollen Partien mit den fetten Oktavsprüngen perfekt.

Vor "Las Vegas" arbeitete Toni Christie im Büro

Ursprünglich arbeitete der Engländer als Büroangestellter, bevor 1967 sein erstes Album erschien. Der Durchbruch kam 1971 mit der Single „Las Vegas“. Schlag auf Schlag folgten dann seine größten Hits: „(Is This the Way To) Amarillo?“ und „I Did What I Did for Maria“. In den Achtzigern wurde es schließlich still um ihn. Erst in den Neunzigern gelang ihm ein Comeback. Mit dem deutschen Produzenten Jack White veröffentlichte er zwischen 1991 und 2002 mehrere schlagerlastige Alben.

Auch davon ist einiges zu hören an diesem Abend. Wie „Sweet September“, das in perfekter Schlagermanier daherkommt. Mit dem gereiften Werk „Made in Sheffield“ kam dann die Abkehr vom Schlager-Pop. Live singt Christie daraus „Danger Is a Woman In Love“. Pures Gefühlskino. Bis heute hat er mehr als 40 Alben und 70 Singles aufgenommen, rund zehn Millionen Tonträger verkauft und ist rund um den Globus aufgetreten.

Nun ist er auf seiner Abschiedstournee „The Hits and Pop Nonsens“. Man mag es kaum glauben, dass er Adieu sagt. Wenn er seinem großen Idol Frank Sinatra huldigt und „Mr Bojangles“ anstimmt, hat das einfach Klasse. Crooner wie Tony Christie sind heute selten geworden. Ganz zum Schluss gibt es selbstredend noch „Amarillo“. Das Publikum erhebt sich dabei geschlossen für einen großen Künstler, tanzt sogar und klatscht selbstredend selig mit.