Konzertkritik

Calexico und Iron & Wine mit furiosem Auftritt im Tempodrom

„Years To Burn“ heißt das gemeinsame Album von Calexico und Iron & Wine. Im ausverkauften Tempodrom stellen sie es vor und begeistern.

Die amerikanische Band Die amerikanische Band Calexico tourt gemeinsam mit Iron & Wine. Hier bei einem Auftritt in Hamburg im Juli.

Die amerikanische Band Die amerikanische Band Calexico tourt gemeinsam mit Iron & Wine. Hier bei einem Auftritt in Hamburg im Juli.

Foto: Jazz Archiv/Michi Reimers

Berlin. Bei ihnen weiß man nie ganz genau, was einen im Konzert erwartet. Die aus Arizona stammenden Alternative-Rocker Calexico erforschen seit mehr als 20 Jahren mit geradezu archäologischer Akribie die Wurzeln amerikanischer Musik. Und haben sich aus Folk, Blues, Country, Tex-Mex und ein bisschen Jazz ihren ureigenen Sound geschaffen. Den stellen sie mit Spiellust und Experimentierfreude immer wieder auf den Prüfstand.

Nun haben sie sich für ein Projekt mit dem Singer-Songwriter Sam Beam alias Iron & Wine zusammengetan. Mit „Years To Burn“ ist ein gemeinsames Album entstanden, das sie gerade auf einer ausgedehnten Tournee live vorstellen. Und das Tempodrom mit seinen 3500 Plätzen ist so gut wie ausverkauft, als Calexico und Iron & Wine am Sonnabend in Berlin gastieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden aufeinandertreffen. Bereits vor 14 Jahren haben sie für die EP „In The Reins“ zusammengearbeitet. Damals bestritt Iron & Wine auf Tournee freilich noch das Vorprogramm. Nun sind sie in einer Band vereint. Und die kann musikalisch auf der ganzen Strecke punkten.

Calexico und Iron & Wine: Beste Harmonie im Tempodrom

Nach einem Vorprogramm der US-Sängerin Adia Victoria eröffnen Calexico und Iron & Wine den folkbetonten Americana-Abend mit dem neuen Titel „Follow The Water“. Sänger und Gitarrist Joey Burns, Drummer John Convertino und Trompeter und Sänger Jacob Valenzuela kommen von Calexico. Bassist Sebastian Steinberg und der phänomenale Keyboarder und Pedal-Steel-Gitarrist Rob Berger stammen aus dem Iron & Wine-Umfeld.

Sam Beam und Joey Burns harmonieren stimmlich bestens miteinander. Die neuen Songs erinnern auf sympathisch eigenständige Weise an die große amerikanische Singer-Songwriter-Tradition. An James Taylor, den frühen Neil Young oder Crosby, Stills & Nash. Oder an The Band, wie in der Folk-Ballade „Father Mountain“. Daneben gibt es neu arrangierte Perlen aus dem Repertoire von Iron & Wine und Calexico.

Die sechs Musiker verstehen sich prächtig. Calexicos engagiert treibender Wüstenrock vereint sich mit der sanften Weltsicht des langbärtigen Liedermachers. Bei einigen Stücken verstärkt Sängerin Sarah Simpson, Sam Beams Schwester, die Band. Andere Songs werden von Adia Victoria veredelt. Und damit es nicht gar zu leichtgängig wird, schlagen die Musiker immer wieder experimentierfreudige Haken, wie bei „The Bitter Suite“, das mit einem elegischen Gesang von Jacob Valenzuela beginnt, dann in dunkle Disharmonien wechselt, bevor Sam Beam die Düsternis mit tenoralem Charme vertreibt.

Und dann kommt Bewegung ins Tempodrom

Mit der furiosen Calexico-Cumbia „Flores y Tamales“, wieder gesungen von Trompeter Valenzuela und von sattem Akkordeon-Sound angetrieben, kommt Bewegung in den Saal. Nur im Duo singen Beam und Burns zu kräftig gepickten Akustik-Gitarren erst „Naked As We Came“ von Iron & Wine und im Anschluss „Bisbee Blue“ von Calexico. Um mit „Glimpse“ und „What Heaven’s Left“ kraftvoll in die Zielgerade zu gehen.

Ein Abend wie aus einem Guss, der sowohl für Calexico- als auch für Iron & Wine-Fans einige Überraschungen bietet. Nicht alle scheinen glücklich damit zu sein. Im Zugabenteil gibt es eine auf Balladen-Format getrimmte Version von Calexicos Hit „Crystal Frontier“. Manch einer hätte sich da aber wohl gern die Mariachi-Trompeten zurück gewünscht. Der Applaus ist dankbar und lang anhaltend.