Schlagershow

Muttis Küchenradio: Die Pfisters als Cindy & Bert

Ursli & Toni Pfister begeistern als Cindy & Bert im Tipi – selbst die, die dem deutschen Schlager sonst eher kritisch gegenüberstehen.

Toni (M.) und Ursli Pfister nach der Premiere mit Cindy Berger, der „echten“ Cindy

Toni (M.) und Ursli Pfister nach der Premiere mit Cindy Berger, der „echten“ Cindy

Foto: DAVIDS/Brigitte Dummer

Obacht, Ohrwuhralarm! Wer dem deutschen Schlager, speziell dem der 70er-Jahre, kritisch gegenübersteht, der sollte diesen Abend eher meiden. Er könnte sich nämlich dabei erwischen, plötzlich leise mitzusummen. Oder noch am nächsten Morgen mit einem „Dibi dibi dib dib“ oder gar „Ahicke Achocke“ im Ohr aufzuwachen. Im Tipi am Kanzleramt verwandeln sich Ursli und Toni Pfister in Cindy & Bert. Jenes Schlagerduo, dem schon immer das Heilewelt- und Sauberpaar-Image anklebte.

Vor neun Jahren haben die Pfisters den Schlager schon mal ähnlich durch den Kakao gezogen: in ihrem Programm „Servus Peter, oh là là Mireille“ schlüpften sie in die Rollen von Peter Alexander und Mireille Mathieu. Jetzt folgen Cindy & Bert, die sich mit Hits wie „Immer wieder Sonntags“ oder „Spaniens Gitarren“ in die Schnulzenannalen eingeschrieben haben.

Schreiend komisch, wie Ursli Pfister mit flammend roten Perücken als Cindy auftritt und Toni Pfister mit Sauerkrautfrisur als Bert. Sie schlüpfen in zahllose Outfits, vom Blümchenkleid über den weißen Hosenanzug bis zu Glitzerglamourroben. Sie singen all die Hits der beiden.

So viel Schmalz, dass Rutschgefahr besteht

Man denkt ja rückblickend, es wären doch nur zwei, drei gewesen, und ist dann verblüfft, wie viele Melodien einem doch bekannt vorkommen. Da ersteht all das wieder auf, was wir immer mit Muttis Küchenradio verbinden.

Dabei haben die Pfisters ihre Vorbilder eingehend studiert und imitieren sie bis in kleinste Gesten, die sie nur ganz leicht forcieren. Der komische Effekt kommt ja ganz allein. Durch die Parodie. Und durch die Tatsache, dass Ursli zwar die Cindy spielt, mit seinem Bariton aber den Part von Bert singt. Während der Tenor Toni die Cindy übernimmt. Quasi ein Crossover. Dabei entsteht so viel Schmalz auf der Bühne, dass man Angst haben muss, sie könnten ausrutschen.

Auch eine Parodie auf die Samstagabendshow

Mit „Cindy & Bert“ lassen es die Pfisters richtig krachen. Und toppen sogar noch ihre „Servus… Oh là là“-Show. Sie haben sich nämlich nicht nur eine riesige Showtreppe auf die Bühne zimmern lassen, sie warten auch noch mit einem kleinen Fernsehballett auf. Der Abend wird so zur doppelten Parodie: Weil man sich hier nicht nur das Schmuseduo amüsiert, sondern auch über die gute alte Samstagabend-Fernsehshow.

Da wird denn etwa auch das Publikum zuhause an den Bildschirmen gegrüßt oder eine Assistentin trägt eine riesige Postkarte mit der Adresse, an die man seine Musikwünsche an den Sender senden kann. Und ihr fünfköpfiges Ballett singt und tanzt zwischendurch zu Werbemelodien wie „Strahler 70“ (Zahnpasta) oder „Nuts hat’s“ (Schokoriegel).

Klar, Werbeblöcke zwischen einer Show hat es in den 70-ern noch nicht gegeben. Die Einlagen runden die Reise in jene Zeit aber perfekt ab. Und sie sorgen auch für unterhaltsame Umziehpausen für die Pfisters, die in immer neuen, immer schrillen Kostümen auftreten.

Auch Heino und Hannelore schauen vorbei

Zwischendurch tauschen sie auch mal die Rollen. Da tritt Ursli plötzlich als Heino auf und Toni als Hannelore – was aber ein Fremdkörper bleibt. Auch hätte man vielleicht lieber auf, ein oder zwei der zahllosen Lieder verzichtet und dafür noch etwas mehr über die Geschichte von Cindy & Bert erfahren.

Und jeder im Saal ist erstaunt, dass niemals, selbst bei den Zugaben nicht, „Wenn die Rosen erblühen in Malaga“ erklingen, der zweitgrößte Hit des Paares. Den haben die Pfisters schon in ihrer Toskana-Show verbraten, das wollen sie nicht wiederholen. Das sollten sie sich aber doch noch mal überlegen. Der Song fehlt schmerzhaft.

Die echte Cindy ist bewegt

Aber das sind Petitessen. Denn vom ersten Song an haben die Pfisters den Saal gebannt, ab dem dritten klatschen schon alle begeistert mit. Und die, die für den Schlager schwärmen, wie die, die darüber nur lächeln können, bilden eine ungeahnte Einheit der geballten guten Laune.

Wer auch mitsingt bei der Premiere, das ist die echte Cindy Berger, die im Publikum sitzt. Wir trauen uns, sie im Anschluss zu fragen, wie sie das Programm denn findet? Sie wusste nicht, wie toll das wird, meint sie. „Die haben Sachen ausgegraben, an die ich mich gar nicht mehr erinnern konnte. Das berührt mich natürlich besonders.“