Schlager

Die Pfisters als Cindy & Bert: Malaga und Tralala

Dubidubidubdub: Ursli & Toni Pfister werden zum Schlagerpaar Cindy & Bert. Wir haben sie kurz vor der Premiere bei der Probe besucht.

Ursli und Toni Pfister sitzen am 01. November 2019 in Berlin auf einer Showtreppe auf ihrer Probebühne.

Ursli und Toni Pfister sitzen am 01. November 2019 in Berlin auf einer Showtreppe auf ihrer Probebühne.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Die Showtreppe muss natürlich sein. Und pink ist sie auch noch. Als Ursli und Toni Pfister mit ihrem Bühnenbildner die Kulisse für ihre neue Show abgesprochen haben, war eigentlich nur die Rede von einer Fernsehshow-Atmosphäre und einem Auftritt in der Mitte. „Mehr mussten sie nicht sagen. „Die Treppe war plötzlich da“, meint Ursli Pfister. „Aber ist das nicht auch ein Traum für jeden, mal so so eine Bühne zu bekommen?“

„Naja, vielleicht nicht für jeden“, wirft Toni Pfister ein. Aber ihr neues Programm soll halt daherkommen wie eine große Samstagabend-TV-Show der 70er-Jahre. Da gehöre eine Showtreppe eben dazu. „Natürlich ist das ein Klischee, aber eins, das auch immer erfüllt wird.“

Nach Peter Alexander und Mireille Mathieu nun Cindy & Bert

„Ursli & Toni Pfister als Cindy & Bert: So als ob du schwebtest“ heißt ihre neue Show, die am heutigen Donnerstag Premiere im Tipi am Kanzleramt hat. Da schlüpfen sie in die Rollen des erfolgreichen Schlagerduos und interpretieren ihre Hits wie „Immer wieder sonntags“ und „Spaniens Gitarren“. Aber natürlich wird das Ganze auch ironisch gebrochen. Allein durch die Travestie, wenn Ursli in all die Kleider und unter die Perücken von Cindy schlüpft.

Ursli und Toni alias Christoph Marti und Tobias Bonn sind zwei Drittel des Erfolgstrios „Geschwister Pfister“. Aber manchmal sind sie auch nur zu zweit unterwegs, ohne ihr böhmisches Fräulein Andreja Schneider, die derzeit in der Bar Jeder Vernunft Furore feiert mit ihrer Frauen-Cowboy-Show „Die 5 glorreichen Sieben“.

Schon acht Jahre ist es her, dass Marti und Bonn in „Servus Peter, Oh là là Mireille“ als Peter Alexander und Mireille Mathieu auftraten und ebenfalls Schlager der 70-er sangen. Sie haben damals auch andere Schlagersänger parodiert. Cindy & Bert waren noch nicht dabei. Die kamen dafür 2013 in ihrem Toskana-Programm „Wie wär’s? Wie wär’s?“ dran. Seither spukte Christoph Marti die Idee im Kopf, daraus eine eigene Show zu machen.

Überall schrille 70er-Jahre-Klamotten

Wir besuchen die beiden in der Stagefactory in Steglitz, wo man, selten genug in Berlin, Räumlichkeiten findet, in denen man nicht nur proben, sondern auch aufwändige Kulissen einfach mal stehen lassen kann. Überall hängen hier schrille 70er-Jahre-Klamotten und -Perücken.

Und in der Mitte thront besagte Showtreppe, auf der die beiden Künstler auch sofort für den Fotografen posieren. Auch wenn sie nach sieben Stunden Proben und Schlagersingen ein wenig ermattet sind.

Schlussstrich nach Roland Kaiser

Als „Servus Peter, Oh là là Mireille“ 2011 Premiere hatte, da schien der Schlager tot. Gerade deshalb war es so lustig, ihn mal wieder auszugraben. Seither aber hat das Genre ein einzigartiges Revival erlebt und ganz neue Stars wie Helene Fischer oder Andrea Berg hervorgerufen. Sind die Pfisters, so unsere verwegene Frage, womöglich nicht ganz unschuldig am deutschen Schlager-Comeback? Nein, da schütteln beide energisch den Kopf.

„Ich ziehe beim deutschen Schlager einen Schlussstrich mit Ronald Kaiser“, meint Marti. Danach kamen gesampelte Elektrobeats. Das hatte nichts mehr zu tun mit der Hochblüte des deutschen Schlagers mit den langen Roben, großen Arrangements und großen Orchestern. Ein Aufwand, den sich heute kein TV-Sender mehr leisten würde.

„Helene Fischer ist sicher vor uns“

„Was man heute so Schlager macht“, meint Bonn, „das nehmen wir uns vielleicht in 30 Jahren vor.“ „Helene Fischer“, sagt Marti süffisant, „ist sicher vor mir“.

Cindy & Bert dagegen sei ein interessantes Phänomen. Ein Bühnenpaar, das (wie die Pfisters) auch privat liiert war und die deutsche Antwort auf Esther und Abi Ofarim oder Sony & Cher sein wollten. Das aber von der Plattenindustrie schnell in eine sehr bürgerliche Schlagerwelt gezwängt wurde.

„Immer wieder sonntags“ mit dem berühmten „Dubdidubdidubdub“ wollten sie auf keinen Fall singen. Es wurde ihr größer Erfolg. Aber für damalige Zeiten haben sie immer sehr freche Texte gesungen.

Wenn plötzlich alle im Saal mitsummen

Natürlich sind auch die Pfisters mit den Liedern aufgewachsen. Marti hat sie schon als Kind mitgesungen, mit der Bürste als Mikro. Und die heimische Wendelstiege wurde als Showtreppe benutzt. Bonn hat da noch zu Hannes-Wader-Musik Gitarre geübt.

Aber an der Musik kam keiner vorbei. Und auch jetzt in der Probenzeit haben sie sie ständig im Ohr. Malaga und Tralala. Sogar nachts im Schlaf.

Eines aber ist beiden Pfisters wichtig: Sie wollen nicht als Schlager-Experten missverstanden werden. Ihnen geht es auch nicht um Parodie. Ihr Thema sei von jeher die Unterhaltungsindustrie. Aber das Schönste sei, das haben sie etwa bei der Peter/Mireille-Show erlebt, wenn plötzlich alle im Publikum mitsummen. Die, die Peter Alexander schon immer geliebt haben. Und auch die, die ihn eher blöd fanden. Ihre Show funktioniert für alle.

Die echte Cindy wird zur Premiere kommen

Die Geschichte von Cindy und Bert endete nicht wie im Schlager. Die Ehe zerbrach, Norbert Maria Berger starb 2012. Cindy Berger aber machte solo weiter, hat erst letztes Jahr, mit 70 Jahren, noch einen Song aufgenommen. Und ist nach Berlin in eine WG gezogen.

Lange haben sich die Pfisters nicht getraut, ob sie Kontakt aufnehmen sollten. Sie waren sich auch nicht sicher, ob Cindy Berger ihre Show-Idee absegnen würde. Die Angst aber war unbegründet. Sie empfindet es als eine Ehre. Und hat Ursli/Christoph/Cindy und Tobias/Toni/Bert auch schon geschrieben: „Wir sehen uns auf der Premiere und teilen uns das Lampenfieber.“