Hauptrolle Berlin

… und plötzlich dreht man einen historischen Film

Regisseur Peter Kahane erinnert sich an „Die Architekten“: Wie sein Film erst von der Geschichte überrollt und dann zum Dokument wurde.

Regisseur Peter Kahane mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast.

Regisseur Peter Kahane mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast.

Foto: Joerg Krauthöfer

Es war einer der letzten Filme der DDR. Und einer der mutigsten und kritischsten, der wirklich etwas verändern wollte im Land. Dass die Defa 1988 die Drehgenehmigung für „Die Architekten“ erteilte, war vielleicht schon ein Zeichen, dass viele nicht mehr an die Zukunft der DDR glaubten.

Und doch wurden Regisseur Peter Kahane kleine Steine in den Weg gelegt, als ob man doch vor der eigenen Courage zurückgeschreckt ist. So wurde der Film nicht, wie geplant, im Februar 1989 gedreht, sondern erst ab Oktober. Und mitten im Dreh fiel dann die Mauer.

Kahane, der den Film am Dienstag in unserer Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ im Zoo Palast noch einmal, zum 30-Jährigen des Mauerfalls, vorstellte, erzählt, wie das damals war, als mitten im Dreh klar war, dass man hier keinen zeitgenössischen Film mehr dreht, sondern einen historischen, der nur noch als Abgesang zu verstehen war.

Aus Zeitkritik wurde nur noch ein Abgesang

Der Regisseur hat versucht, ein paar neue Szenen zu entwickeln, um den Film aktueller zu machen. Am Ende sind diese Momente aber fast alle nicht übernommen worden. Weil der Film sonst nicht mehr gestimmt hätte. Als „Die Architekten“ im Mai 1990 in die Kinos kam, ist er kaum beachtet worden. Das hat Kahane verschmerzt, er musste diese wohl einmalige Situation einsehen, dass ein Film noch beim Dreh von der Historie überrollt wurde.

Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr wird „Die Architekten“ zum Dokument. Kahane muss schmunzelnd zugeben, dass er jetzt, kurz vor dem Mauerfall-Jubiläum, fast ein wenig Konjunktur hat mit diesem Film. Weil er überall noch mal gezeigt wird, weil er ein einzigartiges Zeitbild von 1989 wiedergibt – und allen Ostalgikern, die es immer noch gibt, vehement widerspricht. Plötzlich ist gerade dieser Film zu seinem wichtigsten geworden, und nun muss der Filmemacher eher seine anderen „Kinder“ trösten, weil sie nicht so viel Beachtung erfahren wie dieser.

Als nächstes wird in der Filmreihe am 3. Dezember „Comedian Harmonists“ gezeigt. Zu Gast ist dann Hauptdarsteller Ben Becker.

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