Kabarett

Solodebüt: Bei Lo Malinke muss alles raus

Lo Malinke, einst Teil des Chanson-Duos Malediva, spielt erstmals solo in der Bar jeder Vernunft. Und nutzt den Abend therapeutisch.

Erstmals ohne seinen Lebenspartner auf der Bühne: Lo Malinke.

Erstmals ohne seinen Lebenspartner auf der Bühne: Lo Malinke.

Foto: Robert Recker / Bar jeder Vernunft

„Aufgeräumt“ heißt das Programm. Und „Alles muss raus“ liest man in der Vorankündigung. Damit bestreitet Lo Malinke, die eine Hälfte des früheren Chanson-Duos Malediva, sein erstes Soloprogramm. Und man will sich gleich fragen: Ist das erste schon das letzte?

Ein Aus- und Schlussverkauf der letzten Malediva-Reste? Nein nein, beschwichtigt der 49-Jährige bei der Premiere am Dienstagabend. Den Titel hat ihm mehr oder weniger seine Agentin aufgedrängt. Lange bevor klar war, worum das Programm gehen soll.

Das Lachen bleibt oft im Halse stecken

Allerdings habe er in letzter Zeit viel von der Japanerin Marie Kondo gelesen, deren Nachname ja schon zum Synonym für „Aufräumen“ geworden ist. Weil man durch sie lerne, Unterwäsche oder Kleidung in Boxen kleinzupacken. Und sie dann auch aussortieren zu können. Lo Malinke denkt gleich mal darüber nach, ob so was nicht auch mit Freunden funktioniere. Also nicht in Boxen packen. Aber doch auszusortieren. Da ist er dann gleich wieder, der böse Malediva-Witz.

Mehr zum Thema: Lo Malinke: Neustart nach schweren Jahren

Es ist ein ungewöhnliches Bild, Ma­linke so ganz allein auf der Bühne. Sonst standen immer zwei Barhocker da, er saß auf der einen, sein Chanson- und Lebenspartner Tetta Müller auf der anderen Seite. Gemeinsam haben sie ihre privaten Beziehungskrisen zur Kunst erhöht, die für alle amüsant war, für die Künstler wie fürs Publikum. Und eigentlich war das Duo ja ein Trio, weil am Klavier noch Florian Ludewig saß und die Lieder spielte, die er für die Male-Diven auf Leib und Magen komponiert hat.

Alles vorbei. Tetta Müller ist schwer erkrankt. Und ein Bühnencomeback vor zwei Jahren musste wieder abgesagt werden, weil die Diagnose manisch-depressiv lautete. Nach fast 20 Jahren das Bühnen-Aus für das erfolgreiche Duo/Trio.

Der Solist wirkt auf der riesigen Bühne verloren

Nun steht da also nur noch ein Barhocker. Es gibt auch kein Klavier, die Musik kommt vom Band. Malinke stemmt den Abend ganz allein. Pech für ihn, dass die Bühne in der Bar wegen des aktuellen Stücks „Die 5 glorreichen Sieben“ immens in den Zuschauersaal ragt. Der Solist wirkt da ein wenig verloren. Und die Distanz in der sonst so intimen Bar ist größer.

Im ersten Teil legt Malinke los wie immer. Frotzelt über seine Ehe, über sein Coming-Out, über Sexpraktiken. Und singt dazu auch ein paar der alten Lieder, die neu orchestriert sind. Die funktionierten allerdings immer zweistimmig, weshalb im Refrain Malinkes Stimme verdoppelt wird. Da merkt man, wie der Partner fehlt.

Das Duo-Spiel funktioniert nicht recht im Solo

Nach der Pause wird der Abend dann noch persönlicher als sonst. Weil Malinke vom Tod seiner beiden Hunde, vom Tod seines Vaters und der Erkrankung seines Freundes spricht. Malediva-Fans erfahren nun genau, was da eigentlich los war in den letzten, unruhigen Jahren. Wer Malediva nicht kennt, wird allerdings etwas überfordert sein. Und während Malinke im ersten Teil der Schalk durchaus noch im Nacken sitzt, zünden die Pointen im zweiten Teil nicht immer.

Er will, kann aber noch nicht recht drüber stehen über die letzten, schweren Jahre. Da wird klar, der Slogan der Vorankündigung ist noch ganz anders gemeint. Da muss wirklich alles raus aus diesem Mann. Sein Solo-Abend ist für ihn auch eine Therapie, eine Bewältigungsstrategie. Manchem Zuschauer ist das zu persönlich, zu privat. Und als Unterhaltung funktioniert das nicht immer.

Malinke, das ist eine traurige Erkenntnis dieses Abends, ist noch zu sehr im Malediva-Modus. Wenn er, der jetzt hauptsächlich vom Drehbuchschreiben lebt, ernsthaft eine Solokarriere anstrebt, muss er einen ganz neuen, ganz eigenen Weg finden.

Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Wilmersdorf. Tel.: 883 15 82. Nächster Termin: 3. Februar, 20 Uhr.