Kabarett

Fünf Berliner Stars schießen sich auf die Bar ein

Die Bar jeder Vernunft wird zum Saloon: Ein hochkarätiges Frauenpower-Team probt dort die Western-Parodie „Die 5 glorreichen Sieben“.

Coole Posen, falsche Kerle: Unter den Hüten verbergen sich Meret Becker, Katharina Thalbach, Andreja Schneider, Anna Mateur und Anna Fischer (v.l.).

Coole Posen, falsche Kerle: Unter den Hüten verbergen sich Meret Becker, Katharina Thalbach, Andreja Schneider, Anna Mateur und Anna Fischer (v.l.).

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Sie schauen ganz schön grimmig aus. Spreizbeinig stehen sie da, die Hüte tief ins Gesicht gezogen, die Hände locker am Colt, der schnell gezogen ist. Nein, mit diesen Cowboys ist nicht zu spaßen. Auch wenn sich unter der Maske und dem Kostüm fünf Frauen verbergen. Hochkarätige Bühnenstars, die man in diesem Outfit nie erkennen würde.

Die fünf, das sind Film- und Bühnenstar Katharina Thalbach, Meret Becker, die (noch) amtierende Berliner „Tatort“-Kommissarin, Andreja Schneider, das böhmische Drittel der Geschwister Pfister, die Kabarettistin Anna Mateur und Filmschauspielerin Anna Fischer.

Rauchende Colts und tanzende Cowboys

Sie alle sind ab Freitag in der Bar jeder Vernunft „Die 5 glorreichen Sieben“. Fischer, das Küken, ist ein Neuzugang. Alle anderen sitzen in der Bar jeder Vernunft, sagen wir mal: fest im Sattel. Hier gehört Meret Becker zum Urgestein, gibt Anna Mateur ihre Soloabende, tritt Andreja Schneider regelmäßig mit den Pfisters auf.

Es gab hier aber auch schon diverse gemeinsame Arbeiten: Die Schneider gibt etwa Mitternachtsshows mit Katharina Thalbach. Mit Meret Becker spielte sie schon in der legendären Operettenproduktion „Im Weißen Rössl“ in der Bar, mit Anna Mateur und Katharina Thalbach vor zwei Jahren in „Frau Luna. Mit Anna Fischer wollte die Bar auch schon öfter etwas machen, das hat nur terminlich nie hingehauen.

Jetzt aber stehen sie hier lässig ihren Mann. Und geben einen lustigen Vorgeschmack auf das, was am Freitag Premiere hat. Erst überfallen sie eine Bank, dann tanzen sie zu Countrymusik eine herrliche Dance Line. Sie spielen mit den Colts – auch wenn einer dabei runterfällt. Aber es wird ja noch geprobt. Nur reiten tun die fünf Grazien noch nicht. Wie das aussehen wird, da muss man schon bis zur Premiere warten.

Das Abenteuer hat sie zu einer Gang zusammengeschweißt

Nach der kurzen Vorstellung setzen sich drei der fünf Damen an einen Tisch mit mir, noch in ihrer herrlichen Aufmachung. Und müssen nun erzählen, ob sie als Kinder auch schon Cowboy und Indianer gespielt haben oder ob man das als Mädel nicht tun durfte. „Ich habe mit meinem Bruder immer Cowboy und Prinzessin gespielt“, grinst Andreja Schneider. „Bis ich anfing, Fußball zu spielen. Ich wollte nie wie ein Junge sein, aber an Karneval wollte ich dann doch Cowboy sein, kein Cowgirl.“

Meret Becker musste immer Indianer spielen, „weil mein Bruder“ – immerhin Ben Becker – „Cowboy sein wollte. Er hat mich immer abgeschossen, da habe ich sehr geweint“. Als man sie aber über das traurige Schicksal der Indianer aufklärte, wollte sie dann nur noch Indianerin sein.

Puppen spielen im Indianerzelt

Und Kati Thalbach hatte, noch in der DDR, ein Indianerzelt. Sie hatte dann Federn auf dem Kopf, aber Colts an der Hüfte. „Ich glaube, ich wusste nicht, wie das funktioniert. Ich hab’ in meinem Zelt dann doch lieber mit Puppen gespielt.“

Für „Die 5 glorreichen Sieben“ haben sie sich nun alle kräftige Figuren ausgedacht. Und gemeinsam eine Story ausgeheckt, die sie ganz allein, ohne Regisseur auf die Bühne bringen. Bei so viel Colts wird das bestimmt ein Knaller. Die Idee dazu hat man irgendwie auch „Frau Luna“ zu verdanken. Andreja Schneider hat sich danach nämlich in die Wüste geschickt.

Die Erleuchtung kam in der Wüste

Auf Wüstentour durch Amerika. In die Stille, zum Entspannen. Und dort, mitten im Nirgendwo, kam sie auf die Idee, man könne doch mal ein Westernprogramm machen. Aber eines, wie die resolute Dame gewohnt kräftig formuliert, „bei dem die arschcoolen Cowboys Weiber sind. Aber eben als Cowboys“.

Und warum dann nur „5 glorreiche Sieben“? Hat man nicht mehr Kolleginnen zusammenbekommen? Oder sind gar welche abgesprungen? Keineswegs. Als ihr die Idee kam, so Schneider, „ habe ich mir meine Traumbesetzung geträumt. Und ich kam nur auf diese fünf.“ Alle hätten auch sofort zugesagt. Nur einen Termin zu finden, bei dem all die sehr beschäftigten Damen Zeit hatten, das hat lange gedauert. Nun genießen sie dieses Abenteuer. Es hat sie richtig zusammengeschweißt. Wie eine Gang.

Was macht den Dreien dabei am meisten Spaß? „Das Schießen“, kommt es, buchstäblich wie aus der Pistole geschossen, von Katharina Thalbach. Meret Becker hat als „Tatort“-Kommissarin öfter mit Schusswaffen zu tun. Aber auch Andreja Schneider hat schon in ein, zwei Filmen geschossen und muss zugeben: „Es hat Spaß gemacht, rumzuballern.“

Nur Spielzeugpistolen – ohne Patronen

Katharina Thalbach hatte sogar Schießunterricht und bekam das Goldene Schussabzeichen der DDR. „Ich kann“, sagt sie trocken, „auf dem Rummel alle Blumen abschießen, wenn ihr wollt.“

Das sei natürlich etwas ganz anderes, als wenn man eine echte Waffe in der Hand halte, betonen alle drei. „Hier, fass mal an“, muntern sie mich auf. Und wirklich: Das sind nur Spielzeugpistolen. Federleicht. Nicht mal Platzpatronen stecken darin. Die Schüsse kommen von einem Geräuschemacher hinter der Bühne.

„Platzpatronen und Gewehre auf dem Rummel, die machen Spaß“, meint Meret Becker. „Aber echte Dinger abzuballern, das ist nicht lustig.“ Katharina Thalbach könnte sich auch nie eine Waffe zum Schutz kaufen. „Was zum Töten, damit möchte ich nichts zu tun haben.“ Die Damen im Cowboy-Outfit sind, das stellen sie gleich klar, allesamt Pazifisten. Zum Schießen wollen sie schon sein. Aber nur im komischen Sinn.