Fernsehen

Ulrich Noethen als Held auf hoher See

In dem Dokudrama „Die Ungewollten“ rettet Ulrich Noethen in der Rolle eines Kapitäns das Leben von mehr als 900 Juden.

Ulrich Noethen gibt in dem Dokudrama "Die Ungewollten - Die Irrfahrt der St. Louis" den Kapitän Gustav Schröder.

Ulrich Noethen gibt in dem Dokudrama "Die Ungewollten - Die Irrfahrt der St. Louis" den Kapitän Gustav Schröder.

Foto: David Dollmann / dpa

Im Mai 1939 verließ der Hapag-Luxusliner „St. Louis“ Hamburg in Richtung Havanna. An Bord: 937 jüdische Emigranten, alle im Besitz gültiger Dokumente. Doch dann verweigerte Kubas Präsident Brú den Flüchtlingen die Einreise, nur einige ausgewählte Passagiere durften die Insel betreten.

Für die anderen ging die Odyssee auf dem Atlantik weiter. Weil auch die USA, trotz bereits bewilligter Visa, und Kanada sich weigerten, jüdische Emigranten aufzunehmen, musste die „St. Louis“ wieder nach Europa abdrehen. Die Hapag-Anweisung war klar: Auf kürzestem Weg sollte Cuxhaven angesteuert werden. Das Schicksal der Passagiere wäre besiegelt gewesen.

„Die Order der Reederei war für mich immer oberstes Gebot – bis ich selbst entscheiden musste.“ Vor einem Rosthaufen, der einst ein stolzer Liner war, erinnert sich Kapitän Gustav Schröder (Ulrich Noethen) nach dem Krieg an die konfliktreiche Fahrt, auf der er alle Weisungen ignorierte oder uminterpretierte und nur seinem Gewissen folgte. Dank seines Einsatzes gewährten schließlich England, Holland, Belgien und Frankreich den Passagieren Asyl. Von den „St. Louis“-Flüchtlingen überlebten zwei Drittel die NS-Zeit.

Erschütterndes Drama über Verfolgung und Verlust

Vor drei Jahren konfrontierte der in den USA lebende kubanische Autor Armando Lucas Correa in seinem so einfühlsamen wie sprachgewaltigen Roman „The German Girl“ („Das Erbe der Rosenthals“, Lübbe 2017) erstmals eine breitere Öffentlichkeit mit einer Episode, die bis dahin wenig bekannt und in den Geschichtsbüchern zum Holocaust kaum mehr als eine Randnotiz war.

Correa weitet seine aus dem Blickwinkel zweier Mädchen erzählte Geschichte zu einem erschütternden Drama über Verfolgung und Verlust. Darum geht es natürlich auch in dem penibel recherchierten, mit viel historischen Filmmaterial und Interviews mit Zeitzeugen angereicherten Doku-Drama „Die Ungewollten – Irrfahrt der St. Louis“ (Regie: Ben von Grafenstein).

Doch im Mittelpunkt steht vor allem „ein Mensch“, wie Herbert Karliner, der als 12-Jähriger die Odyssee erlebte, seine Dankbarkeit in schlichte Worte fasst, steht ein empathischer Mann, der über sich hinauswächst und die Kraft findet, angesichts unmenschlicher Not und Verzweiflung den Mut zu eigenständigem Denken und Handeln aufzubringen.

Diese Hartnäckigkeit des Kapitäns

Ulrich Noethen ist mit jeder Faser dieser Kapitän Schröder, der als NSDAP-Mitglied einerseits Teil des Systems ist, der aber (Stichwort Rassenhygiene) als Vater eines behinderten Sohnes auch die Gefahren kennt und auf den letztlich ein Attribut zutrifft, das heute aus der Zeit gefallen scheint.

Er ist ein Mann von Ehre, der zu seiner Verantwortung für die Passagiere, für die verängstigten und leidenden Menschen steht.

Fassungslos verfolgt der Zuschauer Schröders Hartnäckigkeit, seine die Grenze des Legalen weit hinter sich lassenden Pläne und Manöver, um die ihm Anvertrauten in Sicherheit zu bringen. Dass es Schröder gelang, ist ein Wunder. Dass er vom NS-Staat nicht zur Rechenschaft gezogen wurde, ein weiteres.

Am Montag in der ARD um 20.15 Uhr