Chanson

Tim Fischer im Tipi: Mit 29 Liedern durch 30 Bühnenjahre

Tim Fischer feiert großes Bühnenjubiläum. Mit vielen alten und vielen neuen Liedern. Zur Premiere hakte es leider noch ein bisschen.

Tim Fischer Im Frack im schweren Goldbrokat – das erinnert an die Hochzeit des Kabarett-Chansons der 20er- und 30er-Jahre.

Tim Fischer Im Frack im schweren Goldbrokat – das erinnert an die Hochzeit des Kabarett-Chansons der 20er- und 30er-Jahre.

Foto: Frank Hoensch / Redferns

Es muss natürlich ein ganz großer Auftritt her, wenn man sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Und so durchquert Tim Fischer erst einmal das gesamte Tipi, lässt sich von allen Seiten bewundern, bevor er die Bühne entert. Auch, wenn der Chanson-Star mit seinen 46 Jahren an den Schläfen schon ergraut ist, könnte man meinen, die Zeit sei spurlos an ihm vorübergezogen.

Wirkt er doch immer noch so strahlend und alert wie zu Beginn seiner Karriere. Zum Beweis wagt sich Fischer an eine Tanzeinlage mit Florian Korty, die an Fred Astaire ohne Ginger Rogers erinnert. Nett anzusehen, aber nicht unbedingt überzeugend. Im Gegensatz zu Fischers Gesang.

Bei den ersten Songs hakt es noch

Zur Uraufführung seines Jubiläums-Programms „Zeitlos“ im Tipi hat Tim Fischer neue und alte Lieder zusammengestellt, die für ihn von zeitloser Schönheit sind. 29 an der Zahl, mit denen er drei Bühnen-Jahrzehnte Revue passieren lässt. Für manche Sänger durchaus ambitioniert. Nicht aber für Tim Fischer. Wenngleich es bei den ersten Songs noch mit den Tönen hakt. Was dem Lampenfieber geschuldet ist.

Mehr zum Thema: Tim Fischer im Interview

Im ersten Teil hakt es auch mit dem Ton. Spielt die vierköpfige Band unter der Leitung von Oliver Potratz mal nicht piano, sondern forte, geht der Gesang bei einigen Songs regelrecht unter. Erst nach der Pause ist alles richtig eingepegelt, so dass Tim Fischer seine überragende Klasse ausspielen kann. Beherrscht er doch die gesamte Bandbreite von erfrischend albern bis zum großen Gefühl, das er gern mit wenigen Gesten ironisch runterbricht.

Nicht alle Arrangements sind dabei gelungen. Manche kommen so überfrachtet daher, dass sie am Kitsch entlangschrammen und man sich sparsamere Instrumentierungen wünscht. Wie die bei Ludwig Hirschs dunkel gefärbtem Abgesang „Komm, großer schwarzer Vogel“. Tim Fischer singt im schwarzen Federkostüm als leibhaftiger Tod so verlockend wie melancholisch.

Am Kitsch entlanggeschrammt

Zumeist aber trägt er einen Frack im schweren Goldbrokat. Der erinnert an die Interpreten in der Hochzeit des Kabarett-Chanson der 20er- und 30er-Jahre. Fischer gibt denn auch einen der populärsten Hits von damals zum Besten: Friedrich Hollaenders „Stroganoff“. Die Erfindung des berühmten Gerichts, gesanglich anspruchsvoll mit enorm viel Text auf relativ wenigen Noten.

Im Mittelpunkt stehen selbstredend Fischers eigene Songs, die ihm vor allem von Texterin Edith Jeske und Komponist Rainer Bielfeldt auf den schmalen Leib geschrieben wurden. Wie die „Rinnsteinprinzessin“, einer seiner frühen Bühnenerfolge. Tim Fischer hat zudem ein Faible für die Songs von Berliner Kollegen. Den schrägen Sebastian Krämer etwa und Pigor & Eichhorn. Ihren Rap „Was willste denn in Wien?“ performt Tim Fischer so genial und grantig, dass man glaubt, ein heutiger Georg Kreisler stünde da vorn auf der Bühne.

Auf einen Stil lässt er sich nicht festlegen

Die Songs des Satire-Großmeisters hat Fischer übrigens auch schon gesungen. So grandios wie kein anderer. Auf einen Stil festlegen lässt sich Sänger nämlich nicht. Auch die nächsten 30 Jahre mit Tim Fischer dürften daher voller musikalischer Überraschungen sein.

Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Tiergarten, Tel. 39 06 65 50. Nächste Vorstellungen: 19. 20., 22., 23., 25.-27.10. Oktober.