Kabarett

Mathias Richling: Düstere Pointen, zum Wegwerfen komisch

Kabarettist Mathias Richling liefert seinen satirischen Jahresrückblick schon im Herbst. Und alle Politiker kriegen dabei ihr Fett ab.

Mathias Richling ist immer solo und doch nie allein auf der Bühne, weil er ja immer bekannte Politiker parodiert.

Mathias Richling ist immer solo und doch nie allein auf der Bühne, weil er ja immer bekannte Politiker parodiert.

Foto: Marijan Murat / dpa

Es ist kaum auszuhalten. Überall, wo man hinblickt: nur Probleme. Die SPD streitet mit der SPD. Dann gibt es da noch den Brexit, das Klima, Syrien und und und. Viel zu viel, findet Kabarettist Mathias Richling. Dazu kommt die spezielle Eigenart der Deutschen, die ganze Welt retten zu wollen und dabei doch nichts wirklich richtig zu machen.

Aber immerhin sind heutzutage ja alle wahnsinnig sensibilisiert für diese Themen. Auch dank Fridays for Future. Dabei hatten die Grünen vor 35 Jahren das Klima erfunden, erklärt Richling. Nun glaubt die Schüler-Bewegung, sie hätte das Klima erfunden. Eigentlich geistiger Diebstahl. Doch die Grünen können es verschmerzen. Gibt es doch reichlich Wählerstimmen als Tantiemen.

Nur die Crème de la Crème der Politik wird parodiert

In seinem neuen Programm „#2019“, das nun in den Wühlmäusen Berlin-Premiere feierte, bilanziert Richling gewohnt rasant in der Regie von Günter Verdin das aktuelle Jahr. Der Jahresrückblick schon im Herbst. Wenn das jemand kann, dann Star-Satiriker Mathias Richling.

Denn obwohl ein preisgekrönter Solist, ist der Schwabe nie allein auf der Bühne. Parodiert und imitiert er doch mit Vorliebe auf bitterböse Weise prominente Persönlichkeiten. Auch diesmal steht ihm die Crème de la Crème der Politik zur Seite. Ob sie nun will oder nicht.

Fakten statt Fake News

Mathias Richling lässt sie alle zu Wort kommen und, ihre Sicht der Dinge schildern. Wenngleich er immer wieder nachhakt und manches geraderückt. Mit überprüfbaren Fakten statt mit Fake News. Süffisant referiert er etwa über den Dauerbrenner Diesel und Feinstaub.

Da gilt auf der Straße ein gesetzlicher Höchstwert von 40 Mikrogramm, während es am Arbeitsplatz bloß eine Empfehlung für einen Höchstwert von 950 Mirkogramm gibt. Wenn man den Gedanken fortführt und überall Baustellen, also Arbeitsplätze, auf den Straßen hat, dann ist das Gesetz ratzfatz ausgehebelt.

Auch berühmte Gemälde werden umgedeutet

Das Klima treibt auch Christian Lindner um, den Richling umwerfend geschmeidig gibt. Für ihn ist das Klima die neue Quengelware für Kinder. Früher war es mal das Überraschungsei. Lindner hat sogar eine Schautafel dabei, um zu beweisen, dass es Klima schon immer gab. Aber nicht nur das. Richling bebildert sein Solo mit einigen der berühmtesten und teuersten Gemälde der Welt. Kontrastiert so das Image der Politiker.

Lindner setzt er den „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich gegenüber, der einsam auf einem Gebirgsgipfel steht. Eine ruhige Umgebung, in der man sich den FDP-Chef à la Richling schwer vorstellen kann. Denn der sondert in eitler Pose glänzende Phrasen mit Null-Inhalt ab.

Auch Angela Merkel kriegt ihr Fett weg

Für besondere Heiterkeit sorgt Angela Merkel. Die ist mit Photoshop in Jan Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ appliziert worden. Und sieht nun aus wie eine Mischung aus Mutter Teresa und Greta Thunberg. Was passt, lässt sie doch auch ihre Klimapolitik von der Jugend bestimmen.

In schneller Folge tauchen auf dem Gipfeltreffen Politiker aus aller Welt auf und entlarven sich selbst. Egal, ob Trump, Putin, Erdogan oder Alice Weidel von der AfD. Richling versteht es äußerst erhellend, mit wenigen gestischen Pinselstrichen und verbal geschickt nachgeahmter Attitüde zu zeigen, wie Populisten und Diktatoren Moral, Menschenrechte und demokratische Errungenschaften erodieren lassen. Eine düstere Quintessenz. Allerdings zum Wegwerfen komisch.

Wühlmäuse Pommernallee 2-4, Charlottenburg, Tel. 30 67 30 11. Mi.-Sbd., 20 Uhr. Bis Bis 2. November.