Konzert

Lahav Shani spielt das Klavierkonzert für Elefanten

Daniel Barenboim dirigiert den Saisonauftakt der Staatskapelle. Lahav Shani meisterte souverän Rachmaninows drittes Klavierkonzert.

Pianist und Dirigent Lahav Shani.

Pianist und Dirigent Lahav Shani.

Foto: Marco Borggreve

Für Pianisten ist Sergej Rachmaninows drittes Klavierkonzert so etwas wie die Besteigung eines Achttausenders im Himalaya. Vollgriffige Akkorde, rasende Läufe und waghalsige Sprünge gibt es da zu bewältigen, außerdem muss sich der Solist immer wieder gegen ein üppig besetztes Orchester durchsetzen. So verwundert es nicht, dass der Widmungsträger des Werkes Josef Hoffman das Stück nie gespielt hat, da es ihm einfach zu schwer war. Keine Probleme mit dem „Konzert für Elefanten“ (Rachmaninow) schien hingegen Lahav Shani im Saisoneröffnungskonzert der Staatskapelle im Opernhaus Unter den Linden zu haben.

Mit glasklarer Diktion bewegte sich der junge Israeli und Wahlberliner durch die komplexen virtuosen Passagen und wusste zugleich in den lyrischen Passagen mit samtigem Wohlklang zu betören. Oft wird das Konzert zur Selbstdarstellung des Solisten missbraucht. Dann wird vor jedem Seufzer extra verzögert und jede virtuose Passage beschleunigt, das Stück zerfällt in eine Sammlung von schönen virtuosen Stellen und klingt wie ein Soundtrack für eine drittklassige Hollywood-Schmonzette.

Dem wirkten Daniel Barenboim am Pult und Shani entgegen, indem sie ein straffes Tempo für den Kopfsatz wählten und sich nicht in Details verloren. Außerdem nahm Barenboim bei leisen Passagen des Soloinstruments das Orchester ganz zurück, da wurde bisweilen nur geraunt und gewispert. Auf diese Weise blieb das Klavier stets durchhörbar, was nur wenigen Dirigenten und Orchestern so gelingt.

Nach der Pause folgten zwei sinfonische Dichtungen über berühmte Spaßmacher, dabei nahm Edward Elgars Porträt des Ritters Falstaff aus Shakespeares „Heinrich IV.“ musikalisch eine Brückenfunktion ein, verknüpfte es doch die große romantische Geste von Rachmaninow mit dem überschwänglich kapriziösen Geist des Finalstücks „Till Eulenspiegel“ von Richard Strauss. In der vielschichtigen Studie „Falstaff“, die sich nicht nur auf die komödiantische Seite der Figur beschränkt, gelang es Barenboim mit seiner Staatskapelle, die vielfältigen Charaktere plastisch nachzuzeichnen und das dynamische Spektrum vor allem im Leisen bis an die Grenzen auszuloten, ohne dabei an Intensität einzubüßen. Bei „Till Eulenspiegel“ wiederum überzeugten vor allem die energetische Gespanntheit und die tänzerische Leichtigkeit, außerdem beeindruckten die souveränen Soloeinlagen der Hornisten und des Konzertmeisters Wolfram Brandl. Ein gelungener Saisonauftakt.