Saša Stanišić

Buchpreis-Träger übt fundamentale Kritik an Peter Handke

Saša Stanišić, hat seine Dankesrede im Römer dazu genutzt, die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke zu kritisieren.

Saša Stanišić erhielt den Deutrschen Buchpreis für seinen Roman "Herkunft".

Saša Stanišić erhielt den Deutrschen Buchpreis für seinen Roman "Herkunft".

Foto: Andreas Arnold / dpa

Der Träger des Deutschen Buchpreises 2019, Saša Stanišić, hat seine Dankesrede im Kaisersaal des Frankfurter Römers für eine fundamentale Kritik an der Verleihung des Literaturnobelpreises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke genutzt. Saša Stanišić sagte gleich zu Beginn, er wolle die Gelegenheit nutzen, „um mich zu echauffieren“ - und auf Peter Handke gemünzt: „Dass ich hier heute vor Ihnen stehen darf, habe ich einer Wirklichkeit zu verdanken, die sich dieser Mensch nicht angeeignet hat und die in seine Texte der 90er-Jahre nicht hineinreicht. Man dürfe sich die „Wirklichkeit nicht so zurechtlegen, dass sie nur noch aus Lüge besteht“. Dies sei nicht die Aufgabe von Literatur.

Die Serbien-Kontroverse der 90er-Jahre

In den Jahren nach 1996 hatte der 1942 in Kärnten geborene Handke, unter anderem mit seinem Reisebericht „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ heftige Kontroversen ausgelöst. Kritiker warfen ihm vor, die Kriegsverbrechen im Namen des serbischen Nationalismus zu verharmlosen. 2004 unterzeichnete Handke einen Künstlerappell zur Verteidigung des serbischen Politikers Slobodan Milošević und besuchte ihn in seinem Gefängnis in Den Haag, wo er wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt war. Milošević starb, bevor es zu einem Urteil gegen ihn kam, am 11. März 2006 in Den Haag.

Preis für den Roman „Herkunft“

Der 1978 in Višegrad, einer Kleinstadt im östlichen Bosnien, geborene Saša Stanišić erhält den Deutschen Buchpreis für seinen Roman „Herkunft“ (Luchterhand, 368 S., 22 Euro). Darin erzählt er von seiner Flucht vor dem Jugoslawien-Krieg, der seine Familie in die Welt verstreute. In seiner Dankesrede lobte Stanišić die Verleihung des Literaturnobelpreises 2018 an die polnische Autorin Olga Tokarczuk als Gegenbeispiel für die Wahl Handkes.