Konzert-Kritik

Pianist Kuznetsov überzeugt in der Friedrichstadtkirche

Der Pianist Pavel Kuznetsov in der Friedrichstadtkirche Stücke von Frederic Chopin. Er suchte sich die schwersten Werke heraus.

Blick auf die Französische Friedrichstadtkirche und den Französischen Dom am Gendarmenmarkt.

Blick auf die Französische Friedrichstadtkirche und den Französischen Dom am Gendarmenmarkt.

Chopin pur: So heißt eine kleine Reihe mit Konzerten für Soloklavier in der Friedrichstadtkirche im Französischen Dom am Gendarmenmarkt. Ausgerechnet wenn sich zum Festival Of Lights draußen in Mitte die Fußgängermassen durch die Straßen wälzen, finden sich zum ersten Klavierabend der Reihe mit dem jungen russischen Pianisten Pavel Kuznetsov mehrere hundert Menschen ein – und lauschen, kaum von einigen Feuerwehrsirenen draußen sich stören lassend, konzentriert dem Spiel.

Pavel Kuznetsov verwandelt die Friedrichstadtkirche zum intimen Konzertsaal

Pavel Kuznetsov vermag es, die Friedrichstadtkirche in überzeugender Weise zum relativ intimen Konzertsaal zu machen. In Chopins eröffnender b-moll-Sonate mit ihren jähen Ausbrüchen zu Beginn mag noch Mancher sorgenvoll den Kopf wiegen, ob der Kirchenhall die zu erwartenden donnernden Kaskaden im Verlauf des Konzerts nicht verschlucken wird. Doch Kuznetsov bringt die meisten Linien vollendet zur Geltung und denkt noch im wüstesten Handgemenge die musikalisch-gedankliche Linie weiter, nach vorne.

Wer als Hörer diese Haltung zur Musik wahrnimmt, den stört es auch nicht, wenn im Hall der eine oder andere Ton untergeht. Selbst das eigentlich ätherisch schwebende Più lento aus dem zweiten Satz der Sonate bekommt so einen Zug ins Erzählerische, es lebt vom Fortgang.

Das akustische Problem vergisst man schließlich völlig im berühmten Trauermarsch, dessen machtvolles Thema bei Pavel Kuznetsov von einem Mittelteil abgelöst wird, der an Leichtigkeit und dennoch auch Präsenz seinesgleichen sucht. Die auf engem Raum versammelten virtuosen Schwierigkeiten des Finales bewältigt der Pianist uneingeschränkt.

Ein Muster an Klarheit ist auch die berühmte Nocturne op. 9 Nummer 2 in Es-Dur. Kuznetsov schafft es, den Lyrismus und die zarte Spannung des Hauptthemas in die immer kunstvoller werdenden virtuosen Schnörkel der Abschlüsse hinüberzutragen – bei Chopin sind virtuose Linien in hoher Lage schließlich das Parfüm der jeweiligen Melodie und kein Selbstzweck.

Pavel Kuznetsov spielt die schwersten Chopin-Werke

Noch größeren Schwierigkeiten als im Finale der b-moll-Sonate blickt der Pianist in Chopins Etüde opus 25 As-Dur entgegen. Bei Kuznetsov klingt das Stück trotzdem lyrisch und leicht und mit den zahlreichen künstlerisch gerundeten Temposchwankungen wie ein Lied ohne Worte von Mendelssohn – bis zum murmelnden Schlusstriller im Bass.

Kein Zweifel: Kuznetsov hat sich für seinen Chopin-Abend einige der am meisten fingerbrecherischen Werke des Komponisten ausgesucht, darunter auch das Fantasie-Impromptu op. 66 und die Grande Polonaise brillante op. 22. Nach einer Stunde dieses hochkonzentrierten und doch innigen Abends ist dieses reichhaltige Programm für das Publikum wie für den Künstler mehr als genug.

Weitere Chopin-pur-Konzerte in der Friedrichstadtkirche (Französischer Dom am Gendarmenmarkt): 26.10., 16.11., 14.12. sowie 11.01.2020, jeweils 20 Uhr.