Lesung

Nach dem Roman ist vor dem Roman

Frank Goosen liest Freitag und Sonnabend im Mehringhof Theater aus seinem Vorwende-Buch „Kein Wunder“. Eine kurzweilige Komödie.

„EIn Mann, ein Tisch, ein Buch. Nichts Spektakuläres“:  So will Frank Goosen seine Lesung gestalten.

„EIn Mann, ein Tisch, ein Buch. Nichts Spektakuläres“: So will Frank Goosen seine Lesung gestalten.

Foto: Ira Schwindt

In den Neunzigern hat Frank Goosen mal überlegt, ein Zimmer in Berlin zu mieten. Als seinerzeit die einst in Ost- und West geteilte Stadt zusammenwuchs, war der Bochumer Schriftsteller und Kabarettist oft an der Spree. „Damals in der Umbruchphase hatte die Stadt für mich eine stärkere Anziehungskraft. Heute hat Berlin nicht mehr dieses Image des reizvoll Gefährlichen“, sagt er.

Dass die Mauer einmal zu seinen Lebzeiten fallen würde, konnte sich Goosen nicht vorstellen. Am Abend des 9. November 1989 hat er Videos geguckt und das historische Ereignis nach eigenem Bekunden schlicht verpennt. Ähnlich ergeht es nun Förster und Brocki – zwei Protagonisten seines Romans „Kein Wunder“. Sie erfahren beim Renovieren vom historischen Ereignis.

Nun liest Frank Goosen im Mehringhof Theater aus „Kein Wunder“. Frei nach dem Motto: „Ein Mann, ein Tisch, ein Buch. Nichts Spektakuläres.“ Tatsächlich ist es ein besonderes Unterfangen. Erzählt er doch die Geschichte dreier Freunde zwischen Bochum und Berlin kurz vor der Wende.

Erfolgreiches Debüt mit „Liegen lernen“

Geboren 1966 in Bochum, studierte Frank Goosen an der Ruhr-Universität Geschichte, Germanistik und Politik. Auch heute noch lebt er mit seiner Frau, der Schauspielerin Maria Wolf, und den beiden Söhnen in seiner Heimatstadt. Seit der Auflösung der Tresenleser ist er als Solo-Kabarettist unterwegs.

Zudem hatte er mit seinem Debüt „Liegen lernen“ 2003 seinen erfolgreichen Durchbruch als Schriftsteller. Seitdem veröffentlicht er in schöner Regelmäßigkeit Kurzgeschichten, Kolumnen und Romane. Viele davon wurden verfilmt.

Goosen erweist sich in „Kein Wunder“ als kluger, gewitzter Chronist seiner Generation und der jüngeren deutschen Geschichte. Trotz der vielen pointierten Dialoge ist der Roman mehr als eine kurzweilige Ost-West-Komödie. Mit seinen authentischen Figuren gelingt es Goosen, nicht nur die Atmosphäre jener Zeit punktgenau einzufangen, sondern auch unterschiedlichste Milieus lebensecht zu schildern.

Amouröses Armageddon

Egal, ob es sich um die Subkultur in West-Berlin handelt, bildungsbürgerliche Professorenhaushalte oder einfache Handwerker. Er gibt auch den Dissidenten in Ost-Berlin klischeefrei eine Biographie. Und dann sind da natürlich noch die Romanzen von Fränge, dem dritten Protagonisten.

Der hofft aus persönlichen Gründen darauf, dass die Mauer nie fällt. Für ihn wäre das ein amouröses Armageddon. Hat er doch eine Freundin in Ost- und eine in West-Berlin. Er ist ein selbsternannter „Weltenwanderer der Liebe“.

Die Ménage à trois geht nicht gut aus. Zur Schadenfreude des Lesers. Fränge fällt allerdings schnell wieder auf die Füße. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Der aktuelle Roman ist nämlich die Vorgeschichte zu Frank Goosens letzter Langprosa „Förster, mein Förster“.

Der Autor hat für seine Bühnenprogramme schon etliche Spin-Off-Geschichten rund um das Trio geschrieben. Viel Material also. Mit dem Dreien wird es definitiv weitergehen. So schnell gehen Frank Goosen die Ideen aus. Nach dem Roman ist bei ihm vor dem Roman.

Lesungen: 11. und 12.10., 20 Uhr. Mehringhof Theater, Gneisenaustr. 2a, Kreuzberg, Tel. 691 50 99.